E-Sport: eine passende Alternative für Arterns Kicker

Artern.  Zwei Arterner Fußballer versuchen sich mitten in der Corona-Krise im E-Sport – und schlagen sich passabel.

Robin Keil vom VfB Artern spielt schon seit vielen Jahren das bekannte Fußball-Spiel an der Konsole und nahm auch schon an diversen E-Sport-Turnieren teil. Das Internet bietet einen großen Vorteil gegenüber den anderen Sportarten.

Robin Keil vom VfB Artern spielt schon seit vielen Jahren das bekannte Fußball-Spiel an der Konsole und nahm auch schon an diversen E-Sport-Turnieren teil. Das Internet bietet einen großen Vorteil gegenüber den anderen Sportarten.

Foto: R.Keil

Das Leben verlagert sich in Zeiten von Corona in den Haushalt oder ins Virtuelle, der Fußball ins Netz. Während der Spielbetrieb auf dem Rasen ruht, sorgen zwei Fußballer des VfB Artern bei einem E-Sport-Turnier für Furore. Robin Keil und Elias Exner frönen in der Pandemie-bedingten Pause auf der eigenen Couch ihrem zweiten Hobby – sie zocken an der Videospiel-Konsole bei den ersten Thüringer Fifa-20-Meisterschaften auf dem Internet-Portal Fupa.net gegen 62 andere Mitspieler.

„Und die Jungs haben unseren VfB bei dem Turnier würdig vertreten“, befindet ihr Abteilungsleiter Lars Beyer lächelnd. Klar, echter Fußball sei ihm lieber. Aber in Zeiten von Abstandsgeboten und Zwangsspielpausen „könnte so etwas rasant an Bedeutung gewinnen“, glaubt Beyer. Und da viele Kicker über soziale Netzwerke in Kontakt stehen, haben sich die Erfolge der Hobby-E-Sportler im Verein und Freundeskreis rasch herumgesprochen.

Beide hatten sich bei der Anmeldung für das spannende Fußball-Simulationsspiel natürlich unter dem Namen ihres Arterner Vereines eingetragen. Robin Keil, der im wirklichen Leben als Linksaußen in der ersten Mannschaft in der Kreisoberliga und vielleicht bald auch in der Landesklasse spielt, als „VfB II“. Elias Exner, der Linksverteidiger aus dem Kreisklasse-Elf, als „VfB I“. Los ging’s: Zweimal sechs Minuten pro Spiel. Volle Konzentration vor dem Bildschirm, Top-Reflexe, um die Gegner zu bezwingen, die fernab zum Beispiel in Mühlhausen, Niedersachswerfen oder Oberheldrungen spielen. Allesamt eingetragene Thüringer Amateur-Fußballer, die derzeit ohne ihre reale Sportart auskommen müssen.

Beide Arterner stürmten als Sieger ihrer Gruppen durch die Vorrunde. Ungeschlagen! Doch dann trennten sich ihre Wege: Robin schied in der ersten K.o.-Runde denkbar knapp mit 1:3 und 4:3 gegen Kevin Gröger aus, der als Torhüter die SG Leimbach/Nordhausen vertritt. „Die erste Partie habe ich anfangs etwas verschlafen“, befand Robin. Klar, er habe sich danach kurz geärgert. „Aber dann sagte ich mir: Was soll’s – es ist ein Spiel, ein virtuelles obendrein. Und es war ein guter Gegner“, so der 22-Jährige.

Seit rund sieben Jahren spielt er in seiner Freizeit regelmäßig an der Konsole. Er hat schon bei E-Sport-Wettkämpfen Erfahrung gesammelt. Bei einem stark besetzten Turnier für Zweier-Teams in Halle/Saale trat er vor zwei Jahren mit seinem VfB-Kameraden Alexandro Franke an, zockte sich unter 100 Teilnehmern bis ins Viertelfinale.

Aktuell hat der Arterner, der mittlerweile in Sondershausen wohnt, viel Zeit fürs Konsolenspiel. Der Trainingsbetrieb ruht ebenso wie sein Sozialmanagement-Studium in Nordhausen, auf Anfang Mai ist der Semesterbeginn verschoben. Durch Fußballspielen im Garten mit seinem Neffen („natürlich mit Abstand“) hält sich der schnelle 1,85-Meter-Mann fit.

Und an der Konsole, wo er am liebsten mit dem Star-Ensemble von Paris-St.-Germain aufläuft. „Da musst du auch verdammt reaktionsschnell sein“, sagt Robin und kann sich weitere Turnierstarts vorstellen.

E-Sport – der immer mehr Anerkennung erfährt, von dem mittlerweile Profis gut leben können und der sogar mit Olympia liebäugelt – boomt. „Und er macht Laune“, weiß Robin. Auch die Mannschaft vom VfB habe im Trainingslager vor kurzem drei tolle, gesellige Fifa-20-Abende erlebt. Und er traut vor allem Elias Exner einiges zu – im aktuellen Turnier und darüber hinaus. „Der ist richtig gut!“ Elias lässt im Thüringer Titelkampf seinen Lieblingsverein FC Liverpool durch das virtuelle Arterner Saline-Stadion wirbeln. Nach siegreicher Vorrunde zog er durch ein 1:1 und 4:0 über Robert Lösche vom VfL Hüpstedt (Obereichsfeld) ins Achtelfinale ein. Dort fegte er Noah Giesbrecht alias Glücksbrunn Schweina II mit 3:1 und 8:0 vom Platz. Nun im Viertelfinale wartet Schweina I mit dem starken Pascal Jung am morgigen Sonntag auf ihn.

„Es ist mein erstes Turnier, ich habe mich spontan angemeldet“, sagt der zurückhaltende 18-Jährige. Als Vierjähriger fing er mit dem Fußball an, vor vier Jahren probierte er sich erstmals an der Konsole aus. Derzeit hat er dafür viel Zeit. Sein soziales Jahr, das er im Kindergarten absolviert, ruht wegen der Pandemie. Mit sechs Kilometer langen Jogging-Runden und „viel Hausarbeit als Fitnessprogramm“ überbrückt er die fußballfreie Zeit. Abends warte dann die Konsole. Vier bis sechs Stunden Zocken pro Tag würden zusammenkommen. Lust hat er auf weitere Turniere. Aber Profi werden? „Die haben doch viel früher angefangen“, erwidert er und strebt einen soliden Beruf in der Metallbranche an. „Und endlich wieder Fußballspielen für den VfB!“, hegt er als Wunsch. Dort hat er sich jetzt, virtuell stark, einen Namen gemacht.