Faulunger Benjamin Gaßmann: "Wollen mehr als nur Berater sein"

Die im vergangenen Mai gegründete "Soccer Career Consulting" möchte talentierten Fußballern zu einer großen Karriere verhelfen.

Kümmert sich um den fußballerischen Nachwuchs: Benjamin Gaßmann, Geschäftsführer von "Soccer Career Consulting".

Kümmert sich um den fußballerischen Nachwuchs: Benjamin Gaßmann, Geschäftsführer von "Soccer Career Consulting".

Foto: Bernward Seipel

Unstrut-Hainich-Kreis. Wenn Not am Mann ist, hilft Benjamin Gaßmann - jedenfalls, als es vor Corona möglich war - noch ab und an bei Fußball-Kreisoberligist SpVgg Faulungen aus. Seine Hauptaufgaben sieht der 31-Jährige jedoch nicht auf, sondern abseits des Rasens. Im Mai des vergangenen Jahres hat Gaßmann die "Soccer Career Consulting" federführend mit ins Leben gerufen, ist seitdem Geschäftsführer.

Gemeinsam mit zwei Mitarbeitern will Gaßmann, der eineinhalb Jahre Videoanalyst bei Hertha BSC Berlin und dort für die Auswertung der Einheiten und Spieler der U17-, U19- und U-23-Teams verantwortlich war, als Berater junge Spieler in ihrer Entwicklung fördern und diese sportlich, aber auch im privaten Bereich betreuen.

Persönliche Beziehungen herstellen

"In den großen Nachwuchsleistungszentren geht es sehr unpersönlich zu. Wer da nicht liefert, wird schnell aussortiert. Ich glaube, dass daran viele gute Talente gescheitert sind", erklärt Gaßmann, der als Sportlehrer an der Tilman-Riemenschneider-Schule in Heiligenstadt arbeitet.

Die "Soccer Career Consulting" will die Jungakteure kontinuierlich begleiten und dabei auch eine persönliche Beziehung zu den Schützlingen aufbauen. "Viele U17- und U-19-Spieler haben bereits Berater, haben die aber persönlich noch nie gesehen. Wir wollen uns in dieser Hinsicht abgrenzen. Wir halten über soziale Medien Kontakt, bieten Einheiten mit Fitnesstrainern an, sind aber auch selber bei den Spielen vor Ort. Zwei bis vier Partien wollen wir uns persönlich von jedem anschauen", erklärt Gaßmann, der aktuell die A-Junioren des JFV Süd Eichsfeld trainiert und mit diesen die Tabelle der Verbandsliga anführt.

Neun Spieler sind unter Vertrag

Aktuell stehen bei "Soccer Career Consulting" neun Spieler unter Vertrag. Konrad Schneider und Fabian Stix laufen bereits im Herrenbereich für Oberligist Wacker Nordhausen auf, der Rest kickt noch um U17- und U-19-Bereich, beispielsweise für Zwickau, Rot-Weiß Erfurt oder den Halleschen FC.

"Unsere Kriterien, um mit Spielern Verträge abzuschließen, sind, dass sie mindestens in der B-Jugend spielen und im Jugendbereich mindestens in der Regionalliga und im Erwachsenenbereich zumindest in der Oberliga aktiv sind. Vorher macht ein Berater keinen Sinn", unterstreicht Gaßmann.

Die Spielerberater-Firma ist noch jung. "Wir sind dabei, unser Netzwerk auszubauen", verrät der Geschäftsführer, der neben seinem Lehrerjob und der Spielerberatertätigkeit aktuell auch noch Mathematik studiert.

Anfragen aus Afrika und Asien

Sich auf einem ungemein umkämpften Markt zu etablieren, scheint dabei schon recht gut zu funktionieren. So hat bereits ein Jugendspieler von Fortuna Köln Kontakt zu "Soccer Career Consulting" aufgenommen, jüngst auch ein lettischer U-18-Nationalspieler. Auch Anfragen aus Afrika und Asien gab es schon.

Potienziell interessante Youngster werden zu einer Probewoche ins Fußball-Internat "Soccer City" in Lengenfeld/Stein eingeladen, um dort "auf Herz und Nieren" geprüft zu werden, wie es Gaßmann ausdrückt. Dabei gehe es nicht darum, die Teams des Internats zu verstärken. "Stellt sich heraus, dass das eine richtige Rakete ist, dann versuchen wir, den Spieler an die großen Nachwuchs-Leistungszentren, zum Beispiel von RB Leipzig oder Dynamo Dresden, zu vermitteln."

Dabei werde sich aktuell vermehrt auf den Osten Deutschlands konzentriert. Man sei aber dabei, sich ein bundesweites Netzwerk aufzubauen, verrät Gaßmann.

Dabei sieht sich das "Soccer Career Consulting"-Trio in der Pflicht. "Wir wollen mehr als nur Berater sein. Wir kümmern uns auch um die Ausbildung und die Vorsorge, arbeiten dabei beispielsweise mit einem Versicherungs-Unternehmen zusammen", erklärt der 31-Jährige.