Erfurter Doping-Skandal: Deutscher Eisschnellläufer unter Verdacht

Erfurt  Ein deutscher Olympiastarter war mutmaßlicher Kunde des Erfurter Doping-Netzwerkes. Die Ermittlungen betreffen bislang fünf Sportarten.

Ein deutscher Eisschnellläufer soll in den Doping-Zirkel verstrickt gewesen sein.

Ein deutscher Eisschnellläufer soll in den Doping-Zirkel verstrickt gewesen sein.

Foto: imago/Bildbyran

Die Doping-Affäre um den Erfurter Arzt Mark Schmidt erreicht eine neue Dimension. Nach Recherchen der ARD-Dopingredaktion steht jetzt ein erster deutscher Sportler unter Verdacht – ein Eisschnellläufer, der als Mitglied der Nationalmannschaft auch bei Olympischen Winterspielen gestartet war. Wie es heißt, hätten verschiedene Quellen konkrete Hinweise darauf geliefert, darunter auch den, dass sich der Sportler vor den Spielen „wiederholt sein Blut von Schmidts Netzwerk manipulieren ließ“. Wie die ARD-Dopingredaktion mitteilte, habe sie den Betroffenen telefonisch erreicht. Er wollte zum Vorwurf gegen ihn nichts sagen.

Offen ist, ob Schmidt selbst im Zuge seiner Vernehmungen in der Haftanstalt München-Stadelheim den Namen preisgab. Die Staatsanwaltschaft wollte sich mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht dazu äußern. „Sie werden verstehen, dass ich aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben darüber machen kann, was der Hauptbeschuldigte gesagt hat“, wird Oberstaatsanwalt Kai Gräber zitiert.

Laut ARD ist der Name des betroffenen Sportlers auch der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) bekannt, die zunächst ebenfalls keine Stellungnahme abgeben wollte.

Operation Aderlass: Die Werkzeuge des Dopingarztes

Einblick in Ermittlungen zu Erfurter Doping-Skandal

Nach Auskunft der Nada können die Ermittlungen auch Athleten betreffen, die ihre aktive Karriere inzwischen schon beendet haben. Während die strafrechtliche Verjährung nach fünf Jahren endet, reicht die sportrechtliche weiter zurück. Nach dem gültigen Antidoping-Regelwerk könne man Fälle bis zu zehn Jahre zurückverfolgen, sagte Lars Mortsiefer, Rechtsvorstand der Nada, der ARD. Der Zeitraum von 2011 bis heute sei so vom Regelwerk abgedeckt.

Fünf Sportarten sollen betroffen sein, vier sind bislang bekannt: neben Skilanglauf, Eisschnelllauf und Leichtathletik ist es die, die möglicherweise am wenigsten überrascht: Radsport.

Im Visier der Ermittler stehen 21 Sportler aus acht europäischen Ländern, die in den fraglichen Jahren zum Kundenkreis von Schmidt gehörten und Eigendoping betrieben haben sollen – in Europa und offenbar auch auf der großen olympischen Bühne. Dabei soll laut Staatsanwaltschaft auch der Körper der Sportler als Transportmittel für Blut genutzt worden sein. Vor dem Abflug habe man bis zu einem Liter Blut in den Kreislauf gespritzt und nach der Landung wieder entnommen. Eine gefährliche Angelegenheit, weil im dicker werdenden Blut Gerinnsel entstehen können.

Erfurter Doping-Skandal: Ermittlungen gegen 21 Athleten aus acht Nationen

Auch beim Honolulu-Marathon auf Hawaii soll das Erfurter Netzwerk seine Hände im Spiel gehabt haben. Traditionell gehen dort neben den Kenianern allerdings vorrangig Läufer aus den USA und Japan an den Start. Bester Europäer war im vergangenen Dezember eine Dänin der Alterklasse W45 – auf Platz 80 und jenseits der Drei-Stunden-Marke eher im volkssportlichen Bereich unterwegs.

Mehr zum Erfurter Doping-Skandal

Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.