Erfurter Rad-Abenteurer Jacobi: „Erst hochknüppeln, dann runterbrettern“

Erfurt/Hörschel.  Der Erfurter Andreas Jacobi spricht über sein Mountainbike-Abenteuer auf dem Rennsteig. Er schaffte 342 Kilometer in 18 Stunden.

Traumhafte Kulisse: Wie geplant schaffte es Andreas Jacobi, mit seinem Mountainbike „Scott Spark RC“ pünktlich zum Sonnenaufgang auf dem Inselsberg zu sein.

Traumhafte Kulisse: Wie geplant schaffte es Andreas Jacobi, mit seinem Mountainbike „Scott Spark RC“ pünktlich zum Sonnenaufgang auf dem Inselsberg zu sein.

Foto: Jürgen Schirmbacher

Im „normalen“ Leben dreht sich bei Andreas Jacobi alles um die motorisierten Gefährte auf vier Rädern. Der 45-jährige Erfurter ist Serviceberater im Autohaus. Ist der Arbeitstag vorbei, schwingt er sich auf den Sattel und sucht mit seinem Fahrrad die nächste Herausforderung. Langstrecken sind sein Ding, ob mit dem Rennrad oder dem Mountainbike.

So auch am vergangenen Samstag: Den Rennsteig, den er kennt wie seine Westentasche, absolvierte er zum ersten Mal hin und zurück an einem Tag, von Hörschel nach Blankenstein und wieder zurück. 342 Kilometer und 6656 Höhenmeter in 18 Stunden und 16 Minuten.

Jacobi sprach mit uns über seine „Macke“, die Vorbereitung auf dieses Rennsteig-Abenteuer, den Reiz von Wurzeln und Geröll, mehr Trainingskilometer wegen Corona und darüber, warum er jetzt den Mount Everest im Kopf hat.

342 Kilometer durch zum Teil unwegsames Gelände mit dem Mountainbike an einem Tag – warum macht man das?

Gute Frage (lacht). Die Idee ist irgendwie aus Spinnerei entstanden. Ich bin den Rennsteig mit Kumpels und meinem Bruder unzählige Male abgefahren, erst in Etappen, dann am Stück. Letztes Jahr habe ich mir dann gedacht: Mensch, jetzt bis du ihn so oft am Stück abgefahren, warum nicht mal hin und zurück?

Wie bereitet man sich auf so eine Herausforderung vor?

Ich zehre zum einen von den vielen Langstrecken, die ich mit dem Rad schon absolviert habe. Ob Fernfahrten, wie zum Beispiel von Erfurt nach Stuttgart, mit dem Rennrad oder 24-Stunden-Rennen, Marathons und andere anspruchsvolle Rennen wie den Brocken-Hero mit dem Mountainbike. Aber natürlich bedarf es einer Vorbereitung. Da hatte ich Glück: Mein einwöchiges Trainingslager auf Mallorca im März war gerade beendet, als die Ausgangssperre wegen Corona begann. Ich bekam tags zuvor den letzten Flieger. Vier Wochen vor dem Tag X bin ich den Rennsteig dann noch mal komplett abgefahren.

Und am Samstag wann gestartet?

2.40 Uhr morgens in Hörschel. In diese Richtung war ich den Rennsteig tatsächlich erst einmal gefahren, sie ist wesentlich schwerer als von Blankenstein nach Hörschel. Deshalb habe ich sie mir für den Hinweg ausgesucht, was eine gute Entscheidung war. Denn die Trails, die ich hinwärts erst hochknüppeln musste, konnte ich rückwärts dann runterbrettern. Man darf nicht vergessen: Ich bin nicht den bequemeren Rad-Rennsteig gefahren, sondern den Wanderweg, der von Wurzeln, Steinen und Geröll gesäumt ist. Gerade bei Masserberg waren fette Wurzeln auf der Strecke, das war richtig geil! 23.58 Uhr war ich zurück in Hörschel, nach 18:16 Stunden Netto-Fahrzeit.

Klingt, als wären Sie ein echter Offroad-Junkie.

Total. Ich fahre zwar auch gern Rennrad, aber es geht nichts über das Mountainbike und die Natur. Deshalb habe ich mich bei Matthias Hahns Verein „Gute Laune Sport“ angemeldet. Da ist für jeden aus der Radsportszene, egal welche Sparte und Leistungsklasse, das Passende dabei. Das finde ich super.

Hat die Vorbereitung ausgereicht oder hatten Sie körperliche oder technische Probleme?

Es war ein perfekter Tag. Das Wetter war optimal, 17, 18 Grad und trocken, ich hatte keine einzige Panne und keine Krämpfe. Wenn ich eine Pause brauchte, habe ich angehalten und was gegessen, mein Schwiegerpapa Joschi war ja mit dem Begleitfahrzeug dabei und musste noch einige Kilometer mehr fahren als ich. Ohne ordentliche und regelmäßige Ernährung geht es auf so einer langen Strecke eh nicht. Auch mein Schwager André hat mich mit dem Rad ein paar Etappen begleitet. An seinen Leitsatz „Denk nicht nach, fahr einfach“ habe ich mich gehalten. Nur die Handgelenke haben irgendwann geschmerzt, die Strecke war halt ganz schön ruppig.

Aber überrascht hat Sie nichts?

Nein, da es so gut geplant war und ich den Rennsteig so gut kenne, dass ich ihn fast blind fahren könnte, gab es nichts, womit ich nicht gerechnet hätte.

Was waren die schönsten Erlebnisse, oder anders gefragt: Was macht für Sie den Mythos Rennsteig aus?

Die Natur und die Ruhe. Diesmal war der Sonnenaufgang auf dem Inselsberg das Highlight. Ich war so oft oben, aber es ist immer wieder genial. Bei manchen Aussichten kann man nur stehenbleiben und innehalten. Ich kann es jedem nur empfehlen – es muss ja nicht gleich so eine Mammuttour sein.

In diesem Jahr werden voraussichtlich so gut wie keine regulären Rennen stattfinden. Haben Sie insofern Ihre nächste persönliche Herausforderung schon im Kopf?

Das stimmt. Deshalb möchte ich bei der Mount-Everest-Challenge mitmachen. Dabei muss man an einem Berg seiner Wahl die Höhe des Everest – 8848 Meter – in Höhenmetern an einem Tag schaffen. Also noch mal eine Ecke mehr als jetzt auf dem Rennsteig, wo es auch schon ein ganz schönes Auf und Ab war.

Haben Sie sich schon den passenden Berg ausgesucht?

In Thüringen gibt es zwei, drei, die in Frage kommen, also das entsprechende Profil haben, damit man die Höhenmeter bei etwa 200 Fahrkilometern schaffen würde. Aber mal sehen, wo es in den Urlaub hingeht, vielleicht findet sich auch in Österreich der passende Berg.

Sie wollen das tatsächlich im Urlaub machen?

Warum nicht? Meine Frau, mit der ich ab und zu eine entspannte Sonntagsrunde drehe, lässt mich da machen. Sie sagt, es reicht, wenn einer in der Familie so eine Macke hat (lacht). Mit meinem Sohn fahre ich manchmal Enduro, der mag es wenn dann auch nur bergab.

Wie viele Trainingskilometer fahren Sie pro Jahr und werden es dieses Jahr wegen Corona mehr?

Etwa 15.000 bis 16.000. Aktuell stehe ich so bei 9.200, es könnten also dieses Jahr tatsächlich ein paar mehr werden. Klar, wenn mehr Rennen stattfinden, spult man nicht ganz so viele Kilometer ab, um zwischendurch zu regenerieren und beim Wettkampf topfit zu sein. Dafür ist das Training intensiver. Jetzt ist es weniger intensiv, aber länger.