Erik Lesser nach schwieriger Saison - das Lächeln ist zurück

Frankenhain.  Nach einer Saison mit Höhen und Tiefen will Biathlet Erik Lesser im nächsten Jahr wieder angreifen und hat neben Olympia auch die Heim-WM noch im Blick.

Erik Lesser ist von seinem Verein, dem SV Eintracht Frankenhain, nach der für ihn so erfolgreichen WM empfangen worden.

Erik Lesser ist von seinem Verein, dem SV Eintracht Frankenhain, nach der für ihn so erfolgreichen WM empfangen worden.

Foto: Frank Steinhorst

Als das kleine Frankenhain mit noch nicht einmal 1000 Einwohnern seine erfolgreichen Wintersportler groß feierte, blickte auch Biathlet Erik Lesser mit einem zufriedenen Lächeln von der Bühne. Ganz entspannt saugte er förmlich den Applaus der 300 Gäste auf. „Die Saison war kompliziert. Deshalb ist die WM für mich ein versöhnlicher Abschluss gewesen“, sagte der 31 Jahre alte Skijäger, der bei den Titelkämpfen in Antholz mit Silber in der Single-Mixedstaffel und Bronze mit dem deutschen Quartett überrascht hatte.

Ans Aufhören denke er noch lange nicht, auch wenn einige jenen Schritt aufgrund des frühzeitigen Saisonendes schon vermuteten. Im vorolympischen Jahr will Lesser wieder angreifen, um bei den Winterspielen im Februar 2022 in Peking seinen dritten Olympiastart zu erleben. Vielleicht hängt er dann sogar noch ein Jahr dran, wenn 2023 in Oberhof die Heim-Weltmeisterschaften ausgetragen wird. „Aber nur dann, wenn ich in der Staffel noch immer konkurrenzfähig bin.“

Danach sei definitiv Schluss und alles bereits mit dem Deutschen Ski-Verband (DSV) besprochen. Lesser wird eine Trainerlaufbahn beginnen und eine entsprechende Ausbildung absolvieren. „In der Schule habe ich mal einen Übungsleiterschein gemacht. Aber für mehr hatte ich bislang keine Zeit“, sagte Lesser, der noch einmal dementierte, er werde zum zweiten Mal Vater und würde deshalb die Saison vorzeitig beenden. „In diesem Fall würde ich meine Karriere direkt beenden.“

Für diese Saison allerdings zog er die Reißleine, wie er es nun formuliert. Lesser erklärte seinen vorzeitigen Abschied aus diesem Winter mit persönlichen Gründen und sagte, es sei jedoch nichts Ernstes. Nun kündigte er an, sich um seinen geschundenen Rücken zu kümmern, bevor wie geplant am 1. Mai die Vorbereitung auf die kommenden Winter beginnen wird. „Ich werde eine Reha-Maßnahme absolvieren“, erklärte der Oberhofer beim Empfang seines Vereins SV Eintracht Frankenhain, als sich auch Lebensgefährtin Nadine und seine im Januar 2019 geborene Tochter Anouk unter die Gratulanten mischten.

In dem für ihn so schwierigen Winter, der schon ein paar Monate vorher mitten in der Vorbereitung mit einem Schlüsselbeinbruch beim Radfahren und einem damit verbundenen erheblichen Trainingsausfall denkbar schlecht begann, ließ sich Lesser nie aus der Ruhe bringen. Selbst dann nicht, als die WM-Teilnahme in weite Ferne gerückt war und er im zweitklassigen IBU-Cup antreten musste.

Die Kritiker waren ihm egal. Entscheidend für Lesser war der Dialog mit Bundestrainer Mark Kirchner. „Er hat mir auch in der nicht einfachen Phase sein Vertrauen geschenkt.“ Gedankt hat er es der deutschen Biathlon-Familie mit einem fehlerfreien Schießen im Staffelwettbewerb und wurde mit Bronze belohnt.

Als der SV Eintracht Frankenhain voller Stolz seine erfolgreichen Wintersportler um Erik Lesser präsentierte, eskortierte die freiwillige Feuerwehr die Athleten mit Blaulicht und Sirene die letzten Meter zur Rolf-Schumann-Halle. Der Weltklasse-Skijäger ist fest entschlossen, demnächst auch in der Loipe wieder Alarm zu schlagen.