Frauenfußball: Julia Heisler, die Vermittlerin

Magdala.  Julia Heisler kann sich über Langeweile nicht beschweren. Job, Fußball und Ehrenamt füllen das Leben der 29-Jährigen.

Julia Heisler spielt für den TSV 1864 Magdala. Ganz nebenbei engagiert sie sich noch ehrenamtlich im KFA Mittelthüringen.

Julia Heisler spielt für den TSV 1864 Magdala. Ganz nebenbei engagiert sie sich noch ehrenamtlich im KFA Mittelthüringen.

Foto: Michael Ulbrich

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Alles begann in der Schule. Wo sonst, fragt Julia Heisler und lacht. „Es gab damals ein Fußballturnier und in jeder Mannschaft musste mindestens ein Mädchen mitspielen“, erzählt die inzwischen 29-Jährige. Da habe sie gedacht, hey, da mache ich mit. Spaß hat’s gemacht. „Und irgendwann bin ich dann auch mal zum Training gegangen, weil es ja nicht schaden kann“, erinnert sie sich. Genau dieser Weg könne ein gutes Vorbild sein für die vielen jungen Mädel, die heutzutage vor der Frage stehen, was sie so mit ihrer Freizeit anfangen wollen. Fußball spielen. „Dafür möchte ich viele begeistern“, sagt Heisler. Das sei ihr Anspruch, das verstehe sie auch als ihre Aufgabe. Seit kurzem ist sie die Vorsitzende für Frauen- und Mädchenfußball im KFA Mittelthüringen.

Und nicht nur das.

Ambitioniert sei es, keine Frage, alles unter einen Hut zu bekommen. Sagt Julia Heisler und lacht. „Man muss es wollen“, fügt die 29-Jährige an, sonst könne man das nicht mal eben nebenbei – in der Tat: da ist ihr Job als Projektmitarbeiterin im Jenaer Bildungszentrum, die Fußballerinnenlaufbahn beim TSV Magdala und eben das benannte Ehrenamt im Kreisfußballausschuss Mittelthüringen. Seit kurzem sei sie dabei, erklärt sie. „Ich kriege nun so langsam mit, wie viel Zeitaufwand es fordert, wie viel Mehrarbeit man reinstecken muss.“

Im Winter ist sie zum TSV Magdala gewechselt, hat auch das KFA-Amt erst seit der letzten Vereinsversammlung inne. Es ist ihre Premiere aus Funktionärin – zuvor kickte sie beim SV Schott in Jena oder ließ als Schiedsrichterin auch manche Männer nach ihrer Pfeife tanzen. „Ich lerne diese Seite des Fußballs jetzt kennen. Man kann da so viel Zeit reingeben, wie man will. Wichtig ist, so denke ich, dass man seine Grenzen feststeckt“, sagt sie. Als übergeordnete Ansprechpartnerin für die Vereine zwischen Saalfeld und Apolda sieht sie sich, irgendwo zwischen der Basis und dem Thüringer Fußball-Verband. „Als Vermittlerin“, wie es es selbst sagt. Am Ende sich eben um alle Belange kümmern, die für den Frauen- und Mädchenbereich in ihrem Beritt anstehen. Ein Beispiel: „Ich möchte eine Art Tagung veranstalten, zu der alle Vereine eingeladen sind, dort hören, wie es ihnen geht, was ihre Sorgen und Wünschen sind und wo man vielleicht unter die Arme greifen kann.“ Heisler möchte sich ein Bild machen über den Ist-Zustand und über die Perspektive. „Wer in der nächsten Saison noch dabei ist beispielsweise.“ Die Rückmeldungen fürs nächste Spieljahr stünden bis Ende Mai an – doch eingedenk der aktuellen Situation im Frauenfußball, in der sich immer mehr Teams zurückziehen, müsse man eben doch vielleicht auch früher entgegenwirken. Vielleicht, so sagt sie, Lösungen finden, bevor sich ein Klub dazu entschließt, seine Mannschaft abzumelden.

Die Abmeldung des Weimarer FFV aus der Verbandsliga schmerzt, auch der VfB Oberweimar zog seine B-Mädchen zurück. Ist der Frauenfußball etwa in der Krise? Nein, davon will Julia Heisler nun nicht gleich reden. „Es gibt überall Frauen und Mädchen, die Fußball spielen wollen“, sagt sie. Es sei aber immer eine Sache, ob der Verein im Ort das dann auch anbietet.

Im Mädchenbereich über die Schulen für den Fußball werben

Vieles hänge am Ehrenamt. „Gibt es Leute, die sich engagieren, die alles organisieren, die den Trainer stellen, die den Abteilungsvorsitz übernehmen – da braucht es Förderer“, sagt Heisler. Der Fußball an sich brauche ja fast kein Marketing mehr, als Volkssport Nummer eins laufe vieles fast von allein. Aber im Mädchenbereich sieht die Lage noch etwas anders aus. Und da kommt die eigene Vergangenheit ins Spiel. Aktionen in den Schulen, Mädchen darauf aufmerksam machen, wo sie Fußball spielen können – das sei doch umzusetzen, damit könne man doch auch manch personellem Schwund entgegenwirken. Der Tag des Mädchenfußballs des KFA Mittelthüringen sei ein solches Beispiel; oder der Schulcup, den sie aus Jena kennt. „Dort merken die Mädel, wie cool es ist, in einer Mannschaft zu spielen und dass der Fußball eben nicht nur was für Jungs ist“, sagt Heisler. Im Kleinen müsse man beginnen, nicht vergessen, dass Fußballmannschaften nicht kurzfristiges sind, sondern gehegt und gepflegt werden müssen, wenn sie denn wachsen sollen.

Dabei mache es keinen Unterschied, ob es die großen Vorbilder vor der eigenen Haustür gibt. Ob der FF USV Jena beispielsweise in der Ersten oder Zweite Liga kickt, ist unerheblich dafür, ob sich ein Mädchen aus Rudolstadt oder Weimar für den Fußball entscheidet. Ob da nun eine Bundesligamannschaft existiere, mache doch nicht mehr oder weniger Lust auf Fußball. „Die meisten Menschen in Deutschland spielen doch bei uns im Amateurbereich“, erzählt Heisler. „Was jeder dort leistet, wie viel Zeit jeder dort einbringt, was am Ende tatsächlich auf dem Platz am Sonntagnachmittag abgeht, hat doch wenig mit dem Fußball zu tun, den man im Fernsehen sieht.“ Sie nennt das Beispiel der Schiedsrichterei. „Da habe ich gemerkt: Je höher es in den Ligen geht, desto intensiver wird es, desto ernster nehmen es die Mannschaften.“

Ihr TSV Magdala spielt ganz unten. In der Kreisklasse. „Ich kannte die Mannschaft schon vorher, haben mit Schott immer mal gegen sie getestet“, sagt sie. Es gehe ihr nun dort auch nicht darum, sich sportliche Lorbeeren zu verdienen. „Mir geht es darum, Spaß zu haben, das, was ich kann, auf dem Platz gut anzuwenden.“ Die Mitspielerinnen seien alle offen und freundlich, seien eine große Familie. „Ich konnte es die ersten Tage noch gar nicht glauben, dass sie alle so nett sind“, sagt sie und lacht. Da sie mit ihrem Team gerade auf Tabellenplatz eins steht, könnte es am Ende einer Saison, bei der es offen ist, dass sie zu Ende gespielt werden kann, zu einer skurrilen Situation kommen. Heisler stutzt. Ja, tatsächlich: Schafft sie mit dem TSV Magdala die Meisterschaft, dürfte sie sich den Meisterpokal selbst überreichen. Ach, herrje, sagt sie und grinst, „darüber habe ich mir ja noch gar keine Gedanken gemacht. Das wäre seltsam und wenig charmant“, erklärt sie. Der Meistertitel, ja, der ist das Ziel. „Weil man ja nicht für ein Unentschieden Fußball spielt“, sagt sie. Deswegen befürwortet sie auch, dass nach der Corona-Krise die Saison zu Ende gebracht wird. Die aktuell ergriffenen Maßnahmen hält sie für wichtig und richtig. „Ausgefallene Spiele kann man immer nachholen. Wenn die Situation länger anhält, werden wir auch eine Lösung finden.“

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