„Manchmal reicht ein Funke“ – Thielemann schreibt den FCC nicht ab

Hansa Rostocks Co-Trainer Ronny Thielemann (45) schrieb einst ein sehr erfolgreiches Kapitel beim FC Carl Zeiss Jena mit. Ein Interview vor dem Ostderby.

Ronny Thielemann (r.) blickt gern auf die Zeit in Jena zurück.

Ronny Thielemann (r.) blickt gern auf die Zeit in Jena zurück.

Foto: Tino Zippel

Herr Thielemann, Sie haben mit dem FC Carl Zeiss Jena ein sehr erfolgreiches Kapitel mitgeschrieben. Mit Ihnen marschierte der Club von 2004 bis 2006 von der 4. Liga in die 2. Bundesliga. Was verbinden Sie mit der Rückkehr an diesem Sonntag nach Jena?

Mit Magdeburg bin ich vorher auch schon ein-, zweimal wieder in Jena gewesen. Insofern ist es nichts ganz Neues für mich. Aber ich bin immer wieder gern dort. Es war meine erfolgreichste Zeit im Paradies. Wir hatten eine sensationelle Mannschaft mit Torsten Ziegner, Mark Zimmermann, Alexander Maul. Und mit Heiko Weber war damals der richtige Trainer am richtigen Platz.

Die Vorzeichen am Sonntag sind ganz andere und könnten unterschiedlicher kaum sein. Hansa ist als Sechster drei Punkte vom Spitzenplatz entfernt, Carl Zeiss steckt als Schlusslicht mit zwei Zählern in einer schweren Krise. Was für ein Spiel kommt auf die Besucher zu?

Ich denke, dass die Zuschauer in jedem Fall ein interessantes Duell sehen werden. Die Tabellensituation ist kein Indiz dafür, wie sich ein Spiel entwickelt. Alle Mannschaften haben Qualität. Wer die Liga verfolgt, der sieht, dass jede Mannschaft jede schlagen kann. Aber auch, dass jede verlieren kann. So lässt sich kein Ergebnis vorhersagen.

Viel Qualität bringt gerade Hansa aufs Feld. Seit acht Spielen ungeschlagen. Was macht die Rostocker Stärke aus?

Wir haben die passende Grundordnung gefunden, und die Mannschaft hat sich gefunden. Sie versteht es, die Vorgaben von Trainer Jens Härtel sehr gut umzusetzen. Wichtiger Bestandteil sind dabei die Verpflichtungen zum Ende der Transferperiode. Der Konkurrenzkampf innerhalb der Mannschaft ist sehr hoch. Das wirkt sich leistungsfördernd aus.

Ist Hansa reif, um vom Sprung in die zweite Liga sprechen zu können?

Davon kann keine Rede sein. Ein Drittel der Saison ist gespielt. Da kann so viel passieren. Das sieht man an solchen Beispielen wie Uerdingen. Erst hieß es, die Mannschaft spiele gegen den Abstieg. Und nun hat sie 13 Punkte in sieben Spielen geholt, ist Zehnter und liegt nur drei Punkte hinter uns. Die Liga ist sehr ausgeglichen.

Für Jena geht es darin ums nackte Überleben. Empfinden Sie Mitleid mit der Mannschaft, die noch keinen Sieg vorweisen kann?

Mitleid würde ich nicht sagen. Es gibt immer Gründe für so eine Situation. Allerdings bin ich zu weit weg, als dass ich mir ein Urteil erlauben könnte. Es ist schade, dass der Abstand so groß ist. Aber manchmal reicht ein Funke. Das hat Jena in der vergangenen Saison gezeigt.

Das musste Ihre Elf im Rückspiel in Rostock beim 1:2 anerkennen.

Und danach hat Jena am Stück, sechs, sieben Spiele gewonnen und den Klassenerhalt geschafft.

Sie sind seit 2014 an der Seite von Jens Härtel als Co-Trainer. Zunächst bei Magdeburg, von Januar an bei Hansa Rostock. Im vergangenen Jahr haben Sie ihre Fußball-Lehrer-Lizenz erworben. Wird man Sie bald als Chef-Trainer sehen?

Das kann ich nicht ausschließen. Aber ich könnte auch nicht sagen, so sieht mein Karriereplan aus. Es gibt sehr viele gute Trainer und ein begrenztes Maß an Vereinen. Ich bin mit der Aufgabe hier bei Hansa voll ausgefüllt und fühle mich sehr wohl damit. Das ist ein toller Verein.

Ein Tipp für Sonntag.

Ich möchte schon, dass wir in der Erfolgsspur bleiben. Wir wollen auf jeden Fall etwas mitnehmen.

FC Carl Zeiss Jena – Hansa Rostock, Sonntag, 3. November, 14 Uhr.

Youtube Querpass Folge 6

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