Nähe zu Rechtsradikalen: Chemnitzer FC wirft Kapitän Frahn raus

Chemnitz  Kurz vor dem DFB-Pokalspiel gegen den Hamburger SV sorgt der Chemnitzer FC für Schlagzeilen. Erneut im Fokus: Kapitän Frahn. Der Verein hat ihn wegen vereinsschädigenden Verhaltens mit sofortiger Wirkung rausgeworfen.

Fußballer Daniel Frahn, hier noch im Trikot des Chemnitzer FC.

Fußballer Daniel Frahn, hier noch im Trikot des Chemnitzer FC.

Foto: Robert Michael

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Der Chemnitzer FC wirft Kapitän Daniel Frahn die Nähe zur rechtsradikalen Szene vor und hat sich mit sofortiger Wirkung vom Torjäger getrennt.

Der Fußball-Drittligist reagierte damit auf das Verhalten von Frahn beim Punktspiel des CFC am vergangenen Samstag beim Halleschen FC.

„Mit Entsetzen haben wir erkennen müssen, dass sich unser – nunmehr ehemaliger – Mannschaftskapitän Daniel Frahn als großer Sympathisant der rechtsradikalen und menschenverachtenden Gruppierung „Kaotic Chemnitz“ herausgestellt hat und damit großen Schaden für den Verein anrichtete. Es gibt Null Toleranz für dieses Verhalten“, teilte der Verein am Montag mit.

Der verletzt pausierende Frahn hatte während der Partie in Halle im Gästeblock zwischen CFC-Fans gesessen, die der mutmaßlich rechtsradikalen Szene zugeordnet werden.

Frahn hatte sich für ein offenes und buntes Chemnitz ausgesprochen

Bereits im März war der 32 Jahre alte Frahn vom Sportgericht des Nordostdeutschen Fußballverbandes in der Regionalliga Nordost für insgesamt vier Spiele gesperrt und mit einer Geldstrafe von 3000 Euro belegt worden. Er hatte beim 4:4 im Heimspiel am 9. März gegen die VSG Altglienicke nach einem Tor ein T-Shirt mit der Aufschrift „Support your local Hools“ (Unterstütze deine lokalen Hooligans) hochgehalten.

Frahn hatte damals versichert, er sei „kein Nazi“ und gesagt: „Mir war auch nicht bewusst, dass dieses Shirt so tief in der Neo-Nazi Szene verankert ist.“ Zuvor hatten Fans des CFC einen gestorbenen Rechtsextremisten mit einer aufwendigen Choreographie geehrt.

Frahn hatte sich wie der Verein und das Team danach für ein offenes und buntes Chemnitz ausgesprochen und sich von der rechten Szene distanziert. Das kauft ihm im Club nach dem Spiel in Halle aber niemand mehr ab. Vielmehr sahen die Gesellschafter der Fußball GmbH keinen Sinneswandel beim ehemaligen Profi von RB Leipzig. „Seine Reue damals war eine Farce. Er konnte und wollte die Verantwortung als Spieler und Mannschaftskapitän im Fußballclub nicht umsetzen, denn dazu gehört eines mehr, als nur Tore zu schießen und sich bejubeln zu lassen: Haltung“, hieß es im Statement der Gesellschafterversammlung, die hinzufügte: „Daniel Frahn, für Sie ist beim Chemnitzer FC kein Platz mehr.“

Verein als „Bollwerk gegen Rechtsradikalismus“

Nach dem Eklat um die Huldigung für den gestorbenen CFC-Fan hatte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer mit einem Besuch Ende März den Verantwortlichen im Verein den Rücken gestärkt und sprach von einer „bösartigen Minderheit, die rechtsextreme Positionen vertritt.“ Zugleich appellierte er an den CFC: „Entscheidend ist, welche Schlüsse aus den Fehlern und Ereignissen gezogen werden.“ Der Club hatte sich nach den Vorkommnissen im März von drei langjährigen Mitarbeitern getrennt. Nun musste auch Fan-Liebling Frahn gehen.

Der Chemnitzer FC steht bereits nach den Ereignissen im Sommer 2018 selbst unter Beobachtung. Damals war es nach einer tödlichen Messerattacke, für die Flüchtlinge verantwortlich gemacht werden, zu Protesten und Angriffen auf Ausländer in der sächsischen Stadt gekommen. Laut Verfassungsschutz sollen bei den Protesten vor einem Jahr rechtsextreme Hooligans beteiligt gewesen sein. Besonders aktiv soll damals die rechtsextremistische Hooligangruppierung Kaotic aus dem Umfeld des Regionalligisten Chemnitzer FC gewesen sein, wie ein Behördensprecher sagte.

In seinem Gesellschaftervertrag hat sich der CFC dazu verpflichtet, in Chemnitz ein Bollwerk gegen Rechtsradikalismus zu sein.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.