Nordhausen gegen Jena: Alle Fakten zum vorgezogenen Endspiel im Thüringenpokal

Nordhausen/Jena  Wacker Nordhausen will diesen Mittwoch zum ersten Mal im Fußball-Landespokal gegen den FC Carl Zeiss Jena gewinnen und damit ins Finale einziehen. Alles rund ums Spiel.

Entscheidung vom Punkt: Am 27. April 2016 trafen der FC Carl Zeiss und Wacker zuletzt im Landespokal aufeinander. Jenas Marcel Bär trug im damaligen Halbfinale mit diesem verwandelten Foulelfmeter für den 2:0-Endstand Sorge. Der Nordhäuser Torhüter Tino Berbig streckte sich vergeblich.

Foto: Sascha Fromm

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In Nordhausen grassiert das Pokalfieber. Fußball-Viertligist Wacker will am Mittwochabend vor über 2000 Fans gegen den FC Carl Zeiss Jena ins Finale des Thüringenpokals einziehen und damit seine mäßige Saison retten. Doch der Drittligist selbst hat seine Schwächephase überwunden.

Der Favorit

„Das ist ganz klar Jena als das höherklassige Team“, sagt Wackers Trainer Heiko Scholz. „Jena hat jetzt mal ein Lebenszeichen mit seinen zwei Siegen abgegeben. Doch wir sind der aussichtsreiche Außenseiter, wenn wir auf die Leistung gegen Chemnitz noch Tore drauflegen. Es wird ein 50:50-Spiel“, sagt der Ex-Nationalspieler. Für seinen Kollegen Lukas Kwasniok spielt es „gar keine Rolle, wer der Favorit ist. Es geht darum, das Spiel zu gewinnen“.

Die Historie

Wacker hat gegen Jena im Pokal noch nie gewonnen. Im FDGB-Pokal hieß es 1976 im Albert-Kuntz-Sportpark 1:6, weil Hartmut Molata in den letzten 15 Minuten noch drei Tore machte. Nach dem Mauerfall hatte Carl Zeiss 1995 im Halbfinale mit 2:1, 1999 im Finale mit 3:1, 1999 im Viertelfinale mit 9:8 nach Elfmeterschießen und 2016 im Halbfinale mit 2:0 die Nase vorn.

„Das ist nur Statistik, aber auch wenn Wacker noch nie gewonnen hat, wollen wir das am Mittwoch ändern“, sagt Scholz. Sein Jenaer Trainerkollege will die riesengroße Fußball-Geschichtskiste gar nicht erst anrühren: „Spielt man Mittwochabend Pokal in Nordhausen, braucht man keinen Aufhänger“, bemerkt der 37 Jahre alte Fußball-Lehrer.

Die Taktik

Wacker hat Jena in Rostock noch einmal beobachten lassen. „Das war gut, denn sie haben sich zuletzt auch taktisch stabilisiert, spielen Dreierkette, wenn sie angreifen, Fünferkette, wenn sie verteidigen. Wir haben das alles auf Video für die Mannschaft vorbereitet. Es sollte keine Überraschungen geben“, sagt Scholz. Daraus macht auch Lukas Kwasniok keinen Hehl: Man bleibe sich treu. „Darauf kann sich Nordhausen auch einstellen“, sagt Jenas Trainer.

Motivation

Für Lukas Kwasniok ist der Pokal genauso wichtig wie die Liga. „Weil wir im Fluss bleiben wollen“, sagt er. „Die Chancen, auf einen Bundesligisten in der ersten DFB-Hauptrunde zu treffen, machen jedem Fußballer Beine“, sagt Scholz, der mit Germania Windeck zweimal das große Pokal-Spiel erreichte. „Wir spielten gegen Bayern München vor 50.000. Das vergisst man nicht – und gegen Hoffenheim“, sagt Scholz.

Druck

„Wir freuen uns auf dieses Spiel, gehen es voller Lust an und sehen es nicht als Belastung“, sagt Kwasniok. Es mache dabei keinen Unterschied, dass es hier im Pokalwettbewerb weitergeht oder um Ligapunkte am Wochenende. Auch Scholz spricht lieber vom Genießen des Spiels. „Druck hast du immer. Aber klar, es ist ein wichtiges Spiel. Schon im Januar, als ich kam, wurde davon geredet. Es ist unsere große Chancen, ins Finale einzuziehen und Pokalsieger zu werden“, sagt der gebürtige Görlitzer.

Prämie

„Ich weiß nicht, wie viel es für den Pokalsieg gibt. Aber mit einem tollen Gegner in der ersten Runde ist das für jeden Verein finanziell hochinteressant“, sagt Scholz. Kwasniok entgegnet, dass die Euro, die bei einem Klassenerhalt ins Vereinssäckel fließen, deutlich mehr sind als jene, die durch den Pokal gewonnen werden können. Für ihn als Trainer sei das aber schnuppe – er will auch Pokalsieger werden.

Elfmeter

Wacker hat zuletzt zwei Elfer verschossen. „Unser Pech vom Punkt sollte damit eigentlich abgearbeitet sein“, sagt Scholz.

Personal

Julian Günther-Schmidt ist zurück in Jena, trainiert mit dem Athletikcoach noch extra und soll im Laufe der Woche zur Mannschaft stoßen. Die Signale sind durchaus positiv, erklärt Kwasniok, dass man den Angreifer in dieser Saison noch einmal sieht. „Für Nordhausen ist er aber keine Option“, sagt Kwasniok. Für die Partie heute sehe es allerdings bei Abwehrspieler Dominic Volkmer und Phillip Tietz nicht rosig aus, die beide noch mit Blessuren aus dem Rostock-Spiel zu kämpfen haben. Ebenfalls fehlen wird Dominik Bock, der zuletzt krank war. Wacker muss derweil auf Felix Müller wegen Gelbsperre verzichten. Dafür rückt Maurice Pluntke wieder auf die Innenverteidiger-Position. Man darf durchaus die Chemnitz-Besetzung erwarten.

Hintergrund: Historische Chance für Büßleben

Im zweiten Halbfinal-Duell spielen Blau-Weiß Büßleben (Landesklasse) und Verbandsligist Preußen Bad Langensalza um den erstmaligen Einzug ins Finale. Beide Mannschaften lieferten in ihren Ligen erfolgreiche Generalproben ab. Während die Gastgeber gegen Sondershausen II 5:1 die Oberhand behielten, stürzte Bad Langensalza Spitzenreiter Geratal vom Thron.

Für Büßleben bietet sich indes eine historische Chance: Noch nie stand ein Siebtligist im Thüringer Pokalendspiel. Anpfiff ist Samstag, 14 Uhr, in dem Erfurter Vorort, wo 600 Zuschauer erwartet werden.

Nordhausen – Jena, heute 19 Uhr, Kuntz-Sportpark

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