Gibt es eine Zukunft für den FC Rot-Weiß Erfurt?

Erfurt.  Der FC Rot-Weiß Erfurt gerät immer mehr ins Aus. Spieler und Trainer warten auf ein Zeichen, ob und wie es weitergeht. Neue Geldgeber sind aber noch nicht gefunden.

Insolvenzverwalter Volker Reinhardt verkündet. dass die Zukunft des FC Rot-Weiß noch immer in der Schwebe ist.

Insolvenzverwalter Volker Reinhardt verkündet. dass die Zukunft des FC Rot-Weiß noch immer in der Schwebe ist.

Foto: Sascha Fromm

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Als Insolvenzverwalter Volker Reinhardt gestern um 14.55 Uhr das Trainingsgelände Cyriaksgebreite betritt, um mit Spielern und Trainern des Fußball-Regionalligisten FC Rot-Weiß Erfurt die dramatische Lage zu besprechen, steht sogar ein Wagen der Polizei vor dem Eingangstor.

Man ist sich offenbar nicht sicher, ob vielleicht die Situation eskalieren könnte, sollte Reinhardt das sofortige Aus in der vierten Liga verkünden. In den sozialen Medien kursierte schon am Wochenende ein Aufruf, sich an einem Fanmarsch zu beteiligen. Diesmal aber war nur eine Handvoll Anhänger als Beobachter vor Ort.

Nicht einmal eine halbe Stunde hat die Unterredung gedauert – und sie verlief ohne Ergebnis. „Ich habe der Mannschaft gesagt, dass wir alle Optionen prüfen und wir mit weiteren Investoren im Gespräch sind, die Interesse haben, hier einzusteigen“, sagte Reinhardt, der eine Entscheidung in Kürze ankündigte. Er erwartet noch in dieser Woche ein Ergebnis.

Spieler sind hin- und hergerissen zwischen Hoffen und Bangen

Seitdem der Insolvenzverwalter am vergangenen Donnerstag im Gespräch mit der Mannschaft die erheblichen finanziellen Turbulenzen einräumte, sind die Spieler hin- und hergerissen zwischen Hoffen und Bangen. Auf dem Trainingsplatz lenken sie sich ab von den Nerven aufreibenden Gedanken, ob und wie es für sie in den kommenden Wochen persönlich weitergeht.

Nicht jeder Spieler kann es einfach so verkraften, dass er einen Monat kein Gehalt bekommen hat. Die Gelder für Dezember, die spätestens zum 15. Januar fällig waren, konnten nicht fließen und offenbarten schließlich das finanzielle Desaster des FC Rot-Weiß Erfurt.

„Natürlich ist man enttäuscht, denn wir hätten uns heute eine Entscheidung gewünscht, egal in welche Richtung“, sagt Abwehrspieler Pierre Becken und stellt damit klar, wie sehr die Hängepartie alle in der Mannschaft belastet: „Wir müssen das jetzt so hinnehmen. Klar macht uns das verrückt. Aber was sollen wir machen?“

Gespräche mit möglichen neuen Investoren

Mindestens drei Spielern liegen längst Angebote von anderen Klubs vor, die auch lukrativer sind als ein Verbleib bei Rot-Weiß. Bis Mittwoch jedoch hatte sich noch niemand abgemeldet, auch wenn die Zeit drängt. Nur noch bis zum 31. Januar ist das Transferfenster geöffnet.

Reinhardt erklärte, dass es am Montag erste Gespräche mit möglichen neuen Investoren gegeben habe. Er stellt sich aber auch darauf ein, dass es eine Absage geben könnte. „Wir prüfen bis zuletzt, welche weiteren Optionen wir haben und wir hoffen nach wie vor, dass es uns gelingt, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten“, sagte der in die Kritik geratene Insolvenzverwalter.

Ob sich neue Geldgeber – zumal in der Kürze der Zeit – beim Viertligisten aber überhaupt engagieren wollen, scheint mehr als fraglich. Längst tobt eine heftige Auseinandersetzung zwischen ihm und zwei der drei Investoren, die im Oktober neu präsentiert worden waren. Reinhardt hatte der ASGV Grundbesitz- und Verwaltung GmbH aus Leipzig und der Millhouse Capital GmbH aus Erfurt vorgeworfen, sich nicht an die vertraglichen Abmachungen gehalten zu haben.

Gerade erst gegründete FC Rot-Weiß Erfurt Fußball GmbH ist gescheitert

Dadurch sei die gerade erst gegründete FC Rot-Weiß Erfurt Fußball GmbH gescheitert. Auch die Eintragung im Handelsregister kam letztlich nie zustande. Die beiden Geldgeber hatten daraufhin Strafanzeige gegen Reinhardt gestellt und ihm ihrerseits vorgeworfen, er habe die Zukunftspläne des FC Rot-Weiß zerstört.

Aber auch sonst regt sich inzwischen Widerstand gegen den seit Frühjahr 2018 regierenden Insolvenzverwalter. Der amtierende Präsident Frank Nowag hatte Überlegungen ins Spiel gebracht, das Insolvenzverfahren in Eigenregie fortzuführen und damit die Entscheidungsgewalt zurückzuerlangen. Allerdings wäre solch ein Schritt juristisch wohl kaum durchsetzbar.

Die Probleme des Regionalligisten jedenfalls sind gewaltig. Von stolzen 1,4 Millionen Euro ist die Rede, um überhaupt den Spielbetrieb bis zum Saisonende fortzuführen. Reinhardt hatte die Deckungslücke im aktuellen Etat mit dem schlechten Zuschauerzuspruch begründet, als nur noch knapp 2500 Fans und damit so wenige wie noch nie ins Steigerwaldstadion kamen. Unter all diesen Umständen erscheint es eher so, dass der FC Rot-Weiß nur Zeit gewonnen hat. Mehr nicht. Der Einstieg neuer Investoren käme überraschend.

Spielbetrieb im Kinder- und Jugendbereich soll fortgeführt werden

Dennoch soll der FC Rot-Weiß als Verein unbedingt erhalten bleiben, wie auch Volker Reinhardt betont hat. Das oberste Ziel ist es dabei, den Spielbetrieb im Kinder- und Jugendbereich mit dem Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des 1966 gegründeten Vereins bis zum Ende der Saison und darüber hinaus fortzuführen.

Die erste Mannschaft, könnte nicht weiterspielen, würde bei solch einem Szenario als erster Absteiger feststehen und einen Neubeginn in der Oberliga anstreben. Alle bisher ausgetragenen Spiele würden annulliert. Auch im Landespokal-Halbfinale im März könnte Erfurt nicht mehr antreten.

Trotz der völlig unklaren Zukunft bittet Trainer Robin Krüger die Mannschaft auch am Donnerstag zum Training auf den Platz. Das für Samstag geplante Testspiel im Sporthotel Grünberg gegen den Südwest-Regionalligisten FSV Mainz 05 II hat er ganz bewusst noch nicht abgesagt. „Sollte es weitergehen, brauchen wir das Spiel als Vorbereitung unbedingt“, sagt der 30-Jährige.

Als Reinhardt wieder verschwunden war, versammelten sich die Spieler bis zum Einbruch der Dunkelheit zur Übungseinheit auf dem gefrorenen Rasen. „Wir alle hoffen jedenfalls, dass die Sache gut ausgeht“, sagt Abwehrspieler Becken und dreht zum Trainingsplatz ab. Fußball ist in diesen Tagen beim FC Rot-Weiß die beste Ablenkung.

FC Rot-Weiß Erfurt droht Rückzug aus 4. Liga

Investoren von Rot-Weiß Erfurt stellen Strafanzeige gegen Insolvenzverwalter

So groß ist die Finanzlücke beim FC Rot-Weiß Erfurt wirklich

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren