Kampf gegen Windmühlen: Warum Hassine Refai für Rot-Weiß Erfurt noch kein Punktspiel bestritt

Erfurt.  Hassine Refai steht seit Sommer beim Fußball-Regionalligisten FC Rot-Weiß Erfurt unter Vertrag. Spielen durfte der 20 Jahre alte Tunesier bislang aber nicht.

Hassine Refai (links) blickt in eine ungewisse Zukunft.

Hassine Refai (links) blickt in eine ungewisse Zukunft.

Foto: Frank Steinhorst

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Hassine Refai würde liebend gerne wieder spielen. Aber seine Karriere ist aus dem Tritt geraten. Im vergangenen Sommer wechselte er zum FC Rot-Weiß Erfurt und glaubte, es müsse nur noch eine Formalie erledigt werden, um auf dem Platz anzugreifen. Seitdem jedoch wartet der Tunesier in Diensten des Fußball-Regionalligisten auf die notwendige Arbeitserlaubnis der Behörden. „Die vergangenen Monate waren sehr hart für mich. Es ist sehr schwer, angesichts der unsicheren Zukunft an den Fußball zu denken“, sagt Refai.

Im Juli war seine auf zwei Jahre ausgestellte Aufenthaltserlaubnis in Deutschland abgelaufen. Sie wurde verlängert, jedoch nur bis März 2020. Trotzdem erhielt Refai bei den Thüringern einen Vertrag bis zum 30. Juni 2020. Er bildet die Voraussetzung, um von den Behörden auch die notwendige Arbeitserlaubnis zu erhalten. Eigentlich.

Für den 20 Jahre alten Verteidiger allerdings begann damit erst der Kampf gegen Windmühlen. Zunächst habe ihm die Ausländerbehörde in Erfurt mitgeteilt, es würden noch Unterlagen fehlen. „Als ich die dann zur Verfügung gestellt habe, habe ich nichts mehr gehört. Auf Anrufe reagiert niemand. Es gibt keinen Rückruf, keine Reaktion, nichts“, sagt Refai: „Mir ist nicht klar, welche Voraussetzungen ich nicht erfülle.“ Auch die Anfrage unserer Zeitung, warum der Fall bislang liegen geblieben ist, ließ die Behörde bis heute unbeantwortet.

Dabei ist er hier längst angekommen. Auch neben dem Fußballplatz. Bereits seit fünf Jahren lebt der Tunesier in Deutschland. In seiner Heimat spielte er im Nachwuchs für die Nationalmannschaft. Sein großer Traum: Refai will Profi werden. Dafür war ihm keine Hürde zu hoch. In Düsseldorf ging er zur Schule, legte dort sein Abitur ab und beherrscht längst perfekt die deutsche Sprache. In Bonn nahm er ein Fernstudium auf. Mehr Integration geht nicht.

Auch auf dem Fußballplatz startete der 1,89 Meter große Abwehrspieler durch. Für Fortuna Düsseldorf und Fortuna Köln spielte er in der Junioren-Bundesliga und irgendwann einmal auch gegen den Sohn von Thomas Brdaric. So wurde der einstige Trainer des FC Rot-Weiß auf ihn aufmerksam und lotste ihn vor einem halben Jahr nach Erfurt, als dieser dort noch als Chef das Sagen hatte. Die Gewissheit jedoch nicht spielen zu dürfen, egal wie gut er im Training auch sein mag, zehrt an seinen Nerven.

Hassine Refai musste aber auch als Fußballer schon kämpfen. Als er im vergangenen Jahr zum Niederrhein-Oberligisten Schonnbeck gewechselt war, fehlte der Linksfuß fast ein halbes Jahr aufgrund einer Schambeinentzündung – und schaffte trotz seiner Leidenszeit die Rückkehr auf den Fußballplatz.

In Erfurt liegen die Dinge viel komplizierter. Ruhe, wie sie vielleicht bei einer Verletzung gut tut, ist genau jener Zustand, der Hassine Refai langsam, aber sicher verzweifeln lässt. Er wartet auf eine Antwort der Behörde – welche, das ist ihm inzwischen egal. „Dann wüsste ich, woran ich bin“, sagt Refai. Er hat die Hoffnung nicht aufgegeben, sich endlich für einen Einsatz anbieten zu können, wenn nach der Winterpause der Ball wieder rollt.

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