Profis nach Feierabend

Nordhausen.  Bei Wacker Nordhausen endet nach dreieinhalb Jahren die Ära teuer bezahlter Fußballer in der Regionalliga. Neue Verträge für Kammlott und Co

Zum Trainingsauftakt standen 25 Spieler aus dem Regionalliga- und dem  Oberliga-Kader auf dem Nordhäuser Kunstrasen

Zum Trainingsauftakt standen 25 Spieler aus dem Regionalliga- und dem Oberliga-Kader auf dem Nordhäuser Kunstrasen

Foto: Christoph Keil

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

In Nordhausen wird wieder gelächelt. Nach dem November-Schock mit der Insolvenz der Spielbetriebs-GmbH war die Erleichterung auf dem Rasen spürbar, endlich wieder Fußball spielen zu können. Zudem dürfen die Regionalliga-Profis und die Trainer bald auf ein paar Euro auf dem Gehaltskonto hoffen. Insolvenzverwalter Peter Staufenbiel erklärte: „Ich versuche mit dem Wacker-Vorstand die Eröffnung des Insolvenzverfahrens so schnell wie möglich vorzubereiten, damit die Spieler, die ja auch Gläubiger sind, zu ihrem Ausfallgeld kommen.“ In ein oder zwei Wochen soll es dann soweit sein.

Parallel arbeitet Präsident Nico Kleofas mit dem alten Präsidium und neuen Mitstreitern wie dem Ehrenrat an einem Neubeginn, hält sich dabei öffentlich aber strikt im Hintergrund. Kleofas weiß, dass er vom Umfeld für das Scheitern der hochfliegenden Pläne verantwortlich gemacht wird. Die zunächst noch für Januar geplante Mitgliederversammlung und Neuwahl ist wohl auf das Frühjahr verschoben. Vize-Präsident Hans-Joachim Junker erklärte beim Auftakttraining den rund 30 anwesenden Fans, man benötige derzeit mehr Zeit für die Vorbereitung einer solchen Versammlung. Auch Insolvenzverwalter Staufenbiel braucht die aktive Mitarbeit des alten Präsidiums bei der Aufarbeitung der Pleite.

Wie das Finanzierungsmodell für die neue Wacker-Elf nach dreieinhalb Jahren mit Millionenetats aussehen soll, ließ Junker offen. Man habe sich mit den Spielern, die bleiben wollen, geeinigt. Neue Verträge würden geschlossen. Beim Training am Mittwoch, das wegen einiger berufstätiger Oberligaakteure unter Flutlicht angesetzt war, konnten sich Kammlott und Co. schon mal an ihre neue Rolle als Feierabendprofis gewöhnen.

Am Spielfeldrand stand der nach einem Innenbandriss noch verletzte Christoph Göbel. Der Eichsfelder lebt mit seiner Familie wie die Kollegen Pichinot, Beil oder Kammlott in der Region und möchte auch deshalb bei Wacker bleiben. Göbel glaubt trotz der „Flucht“ vieler Topverdiener an seine Truppe. „Wir werden auf keinen Fall absteigen“, so der 30-Jährige. Auch Nils Pfingsten-Reddig, der die Oberliga-Jungs anführte, will bleiben. „Es ist die Zeit, dem Verein auch etwas zurückzugeben“, so der 37-Jährige.

Zwischen 100.000 und 200.000 Euro wird Wacker aufbringen müssen, um die Saison ins Ziel zu bringen. Er hoffe auf Signale aus der Region, dass man den Regionalliga-Fußball in Nordhausen erhalten wolle, so Junker. Nach dem Millionenloch wird bei Wacker nun wieder mit jedem Euro gerechnet.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.