Wacker Nordhausen will Rückzug verhindern: Die wichtigsten Antworten nach der Insolvenz

Die Zukunft von Wacker Nordhausen liegt in den Händen des Insolvenzverwalters. Wir beantworten die wichtigsten Fragen, wie es nun weitergeht.

Foto: FSV Wacker / AWV

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Was ist nach dem Insolvenzantrag beim Amtsgericht Mühlhausen passiert?

Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Peter Staufenbiel aus Mühlhausen bestellt. Er ist beauftragt, ein Gutachten zu erstellen und zu ermitteln, ob eine Fortführungsprognose besteht. Noch am Montag hat er erste Gespräche mit dem Wacker-Präsidium geführt. Staufenbiel bezeichnete die Zusammenkunft als kons-truktiv.

Hat er schon mit den Spielern gesprochen?

Nein, dieses Gespräch erfolgt am heutigen Mittwoch. Peter Staufenbiel wird die Mitarbeiter der betroffenen Spielbetriebs GmbH, in der Hauptsache die Spieler und Trainer, über die Lage informieren. Gestern hatte die Mannschaft trainingsfrei.

Was bedeutet der Insolvenzantrag für die Mannschaft konkret?

Die mehr als 30 Angestellten der FSV Wacker 90 Nordhausen Spielbetriebsgesellschaft mbH können ihre Verträge sofort auflösen und den Verein verlassen. Seit zwei Monaten war ihnen kein Gehalt mehr gezahlt worden.

Stellt Wacker Nordhausen aufgrund des Insolvenzantrages den Spielbetrieb sofort ein?

Nein. Es sei ganz klar das Ziel, den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten. Ein Rückzug aus der Regionalliga während der Saison soll verhindert werden. „Ich bin optimistisch, dass das gelingen wird, wenn das Präsidium die Dinge wie geplant umsetzt“, sagte der Insolvenzverwalter unserer Zeitung. Demnach gilt es als sicher, dass Wacker am Sonntag im letzten Heimspiel des Jahres gegen Babelsberg antreten wird.

Was bedeutet der Insolvenzantrag für den Verein?

In finanzielle Schwierigkeiten geraten ist die GmbH, nicht der Verein, für den etwa 250 Kinder und Jugendliche spielen. Man wolle künftig den Schwerpunkt der Arbeit auf den Nachwuchs legen, hatte Wacker Nordhausen bereits vor dem Insolvenzantrag angekündigt.

Wie kann Nordhausen bereits in
der Hinrunde pleite sein?

In der Regionalliga gibt es kein Lizenzierungsverfahren und damit auch keine Prüfung auf Wirtschaftlichkeit. Jede sportlich qualifizierte Mannschaft kann sich beim Nordostdeutschen Fußball-Verband (NOFV) für die Teilnahme am Spielbetrieb bewerben. Lediglich eine Kaution in Höhe von 15.000 Euro ist zu hinterlegen.

Welche Konsequenzen drohen nun Wacker Nordhausen?

Laut NOFV-Spielordnung in jedem Fall ein Abzug von neun Punkten, was bedeuten würde, dass Nordhausen mit dann 21 Punkten auf Rang elf zurückfällt. Jene Regelung greift aber erst, wenn Wacker seinen Insolvenzantrag beim Verband angezeigt hat. Dazu hat man zehn Tage Zeit. Bis gestern Mittag war der NOFV laut dessen Geschäftsführer Holger Fuchs aber noch nicht in Kenntnis gesetzt.

Hat der Insolvenzantrag eine Auswirkung auf den Landespokal?

Wenn der Spielbetrieb aufrechterhalten wird, dann nicht. Wacker Nordhausen, 7:0-Sieger im Viertelfinale gegen den FC Motor Zeulenroda aus der Landesklasse, kann zum Beispiel seinen Kader im Halbfinale (28./29. März) durch Spieler aus der zweiten Mannschaft auffüllen, wenn – wie zu erwarten ist – Spieler der Profimannschaft den Verein verlassen. Sollte Wacker den Regionalliga-Spielbetrieb einstellen, wird der Verband laut Staffelleiter Sven Wenzel eine Einzelfallentscheidung treffen, wer im Halbfinale statt Nordhausen antritt. Eine Regelung gebe ist nicht. Es sei seit Einführung des Landespokals in der Saison 1990/1991 noch nicht vorgekommen, dass eine Mannschaft während des Wettbewerbs den Spielbetrieb eingestellt hat.

Was sagt Vereinsboss Nico
Kleofas?

Nichts. Vor zwölf Tagen, am 29. November, äußerte sich der Vereinschef und zugleich Geschäftsführer der zahlungsunfähigen Spielbetriebs GmbH in einer Presseerklärung. Seitdem herrscht Funkstille. „Fakt ist, ich bin rund um die Uhr damit beschäftigt, diese Situation zu entschärfen, um endlich Ruhe in dieses Thema zu bekommen“, erklärte er damals. Aber inzwischen kam alles anders.

Hat Kleofas eine Zukunft?

Wenn der Verein einen Neuanfang starten will, ist das unwahrscheinlich. Schon im Januar stehen auf der Mitgliederversammlung Vorstandswahlen an, bei der die Weichen neu gestellt werden könnten. Kleofas war am 8. März 2010 zum Präsidenten gewählt worden.Wacker Nordhausen vor Insolvenz: „Kleofas hat alleinige Entscheidungsgewalt“

Wie reagieren die Anhänger?

Vor allem mit Unverständnis darüber, dass ein Regionalligist mit solch erheblichen Summen hantiert und nun mit mehr als zehn Millionen Euro verschuldet ist. „Ein Paradebeispiel eines Vereins, der über seine Verhältnisse gelebt hat und nur durch Sponsoren am Leben gehalten wurde, das Geld wurde verpulvert wie beim Monopoly ohne Weitsichtigkeit. Meiner Meinung nach muss es da eine höhere Kontrollfunktion seitens des NOFV geben“, kommentiert zum Beispiel Christian Töpfer auf der Facebook-Seite von Wacker die Entwicklung.

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