Alles auf Anfang im Thüringer Fußball: Neue Saison kann beginnen

Erfurt.  Die Fußball-Saison in Thüringen wird abgebrochen und nicht gewertet. Der Verbandstag kippt damit eine vorherige Entscheidung. Nun müssen schnellstmöglich Regeln in der Spielordnung verankert werden.

Im Gespräch (v.r.): TFV-Präsident Wolfhardt Tomaschewski, Sven Wenzel (Vorsitzender Spielausschuss) und Burkhard Pleßke (Vorsitzender Schiedsrichterausschuss).

Im Gespräch (v.r.): TFV-Präsident Wolfhardt Tomaschewski, Sven Wenzel (Vorsitzender Spielausschuss) und Burkhard Pleßke (Vorsitzender Schiedsrichterausschuss).

Foto: Sascha Fromm

Ein kurzes, zaghaftes Klopfen auf die breit über den Parksaal verteilten Tische - und der Neuanfang war eingeläutet. Der Außerordentliche Verbandstag des Thüringer Fußball-Verbandes (TFV) in Erfurt drehte mit seinen Abstimmungen alles auf Anfang. Eine neue Saison kann unter Vorbehalt der behördlichen Maßgaben beginnen, die nicht zu Ende gebrachte Spielzeit soll im Gegensatz zu den Entscheidungen in anderen Landesverbänden aber annulliert werden.

„Ich freue mich für meine Vereine, dass sie wieder ein Ziel vor Augen haben“, sagte Hans Hörnlein am Sonntag. Einen Tag, nachdem die Delegierten des höchsten Gremiums mehrheitlich den Beschluss des TFV von Anfang Mai zur Saisonfortsetzung gekippt hatten, war der Vorsitzende des Kreisfachausschusses Rhön-Rennsteig schon dabei, die Grundlagen für das neue Spieljahr zu planen. Für Dienstag steht die erste Sitzung an.

„Wir haben acht Wochen weniger Zeit als sonst“, meinte Hörnlein. „Aber diese Arbeit machen wir gern“, fügte er sogleich an. Der KFA-Chef aus dem Südwesten sprach vor allem denen aus der Seele, die mit darum gerungen haben, eine neue Fußball-Saison zu erwirken, statt die alte ab Herbst fortzusetzen. Etwa den KFA Südthüringen um Dittmar Börner, den Petitionsinitiator Lars Sänger von Kreisoberligist Marbach. Oder auch Matthias Springer. Der Vorsitzende von Eintracht Sondershausen hatte sich mit dem Rückhalt zahlreicher Landesligisten und -klässler ebenso für einen Abbruch starkgemacht. „Für uns ist es eine Freude, dass der Verbandstag dafür gestimmt hat. Das spiegelt, glaube ich, das Stimmungsbild wider“, sagte Springer. Für die komplette Saison, die die Teams von der Kreisklasse bis Verbandsliga nun erwartet, müssten schnellstmöglich die Regeln in der Spielordnung verankert werden. Um nicht zuletzt dann auch für einen Fall vorzubeugen, wenn eine zweite oder dritte Corona-Welle Thüringen erreichen sollte. Und vor allem auch, um eine neuerliche Krise zu vermeiden, die seit mehr als zwei Monaten den Verband weniger gut aussehen lässt und das Fußball-Land spaltet.

TFV-Präsident Wolfhardt Tomaschewski verteidigte den Beschluss der Saisonfortführung, sah das Votum dagegen allerdings nicht als Niederlage. „Ich hoffe, dass jetzt Ruhe einkehrt“, sagte er. Die Diskussionen, die teils in Betrugsvorwürfen und Beleidigungen gegenüber Vorstandsmitgliedern mündeten, sollen der Vergangenheit angehören. Umso mehr warb der Verbandschef, die demokratische Entscheidung anzuerkennen.

Mit 54 zu 41 Stimmen gegen den Fortführungsbeschluss

Danach wird die Saison 2019/20 wie zuvor für den Nachwuchsbereich auch für die Erwachsenen abgebrochen. Die Mehrheit der knapp einhundert Vertreter aus Vereinen, Kreisfachausschüssen und TFV-Vorstand votierte im Parksaal des Steigerwaldstadions mit 54 zu 41 Stimmen bei zwei Enthaltungen gegen den Fortführungsbeschluss und sorgte so für eine Kehrtwende.

Mit energischen Worten hatte Spielausschussvorsitzender Sven Wenzel zuvor noch vehement für eine Fortführung plädiert. Als gerechten Weg hatte er den Kurs verteidigt. Als einen, der Spielraum schaffe und Sicherheit verleihe, selbst wenn etwa auf territoriale Quarantänemaßnahmen reagiert werden müsse. „Wir werden alle erst Mitte Mai oder Juni wissen, was der richtige Weg ist“, sagte er. „Leider ist es nicht dazu gekommen, dass der Dachverband eine Empfehlung gegeben hat“, beklagte er.

Wenzel stützte sich nach wie vor auf die Meinungsabfrage Anfang Mai, in der die Mehrheit der Vereine dafür votierte, die Saison aufgrund der Corona-Krise bis Ende August aus- und sie danach fortzusetzen. Aufgrund der damit verbundenen sportlichen wie wirtschaftlichen Probleme und bestärkt durch die zunehmenden Lockerungen der Einschränkungen baute sich mehr und mehr Widerstand auf. Lange hielt der TFV an seiner Entscheidung fest, um dann einen Außerordentlichen Verbandstag einzuberufen und noch einmal den Beschluss bestätigen zu lassen.

Den Weg des Abbruchs gehen 19 von 21 Regional- und Landesverbänden. Thüringen schloss sich nun an und schuf zugleich ein Novum. Entgegen dem Juniorenbereich votierten die Delegierten mit 60 zu 35 überraschend dafür, dass die Spielzeit 2019/20 der Männer und Frauen ganz annulliert wird. Die Auf- und Abstiegsregel wird ausgesetzt.

„Wer will Ehrenhain verdeutlichen, an einem Mittwoch nach Teistungen zu müssen?“, fragte Wenzel in seinem Plädoyer. „Der Abbruch wird die Vereine, die Sie hier vertreten, im Juni erreichen, wenn der erhöhte Abstieg durchgesetzt werden muss“, warnte der Spielausschusschef in seiner Pro-Fortsetzungsansprache unter anderem vor wachsenden Staffelstärken.

Wie viel von den von Zweifel getragenen Worten beigetragen haben, dass sich die Mehrheit am Samstag entschied, komplett auf ei­ne Aufstiegsmöglichkeit zu verzichten, ist offen. So folgte der Verbandstag den Ausführungen aus dem KFA Mittelthüringen, der im einzigen Redebeitrag vor diesem Beschluss für Annullierung geworben hatte.

Die Ausnahme bildet Fahner Höhe und zieht Unmut von Vereinen nach sich, die ebenfalls auf das Aufstiegsrecht gehofft hatten.

Weil dem Antrag des Verbandsliga-Ersten auf Eingliederung in die Oberliga infolge der frühen Meldefrist des Nordostdeutschen Fußballverbandes schon vom TFV zugestimmt worden war und der Verein durch den Beschluss nicht benachteiligt werden soll, werde daran festgehalten. TFV-Vize Udo Penßler-Beyer stellte fragend in den Raum, dass der Verband in dem Punkt keinen Anlass für Handlungsbedarf sähe.

Im Saal ein kurzes Nicken. Eines von vielen...

Die Beschlüsse des Außerordentlichen Verbandstages im Überblick

- Mit 85 Ja-Stimmen beschloss der Verbandstag zum Auftakt Haftungseinschränkungen. Die zuständigen Entscheidungsträger haften demnach nicht für Schäden, die auf Entscheidungen im Zuge der Situation durch die Covid19-Pandemie beruhen.

- Klar fiel das Votum aus, den Vorstand des TFV zu ermächtigen, die zur Umsetzung der Beschlüsse notwendigen Änderungen in den Ordnungen, besonders der Spielordnung, zu treffen. 83 der 98 Delegierten stimmten zu.

- In der Hauptentscheidung bestätigten 41 Delegierte den Fortsetzungsbeschluss vom 5. Mai für den Erwachsenbereich, 54 lehnten die Saisonfortführung ab. Die Folge: Abbruch. Auf eine Wertung nach Quotientenregel entfielen in einer separaten Abstimmung 35 Stimmen, auf Annullierung 60.

- Den Landespokalwettbewerb nach dem 30. Juni fortzusetzen fand die Zustimmung von 84 Interessensvertretern. Damit ist die formale Voraussetzung geschaffen, dass Thüringer Vertreter an DFB-Pokalwettbewerben der Saison 2020/21 teilnehmen dürfen.

- Den mehrheitlich getroffenen Vorstandsbeschluss, die Saison 2019/20 im Nachwuchs abzubrechen, bestätigen 87 Delegierte.

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