Bad Langensalzas Trainer Wirth: „Wir dürfen nie Gelassenheit aufkommen lassen“

Bad Langensalza.  Thomas Wirth, Trainer des Fußball-Verbandsliga-Tabellenführers Bad Langensalza, spricht im „Interview der Woche“ über den Saisonstart, die schwierige Vorbereitung und über die Taktik.

Hatte zuletzt viel Grund, um seiner Mannschaft zu applaudieren: Thomas Wirth, Trainer des Fußball-Verbandsliga-Spitzenreiters FSV Preußen Bad Langensalza.

Hatte zuletzt viel Grund, um seiner Mannschaft zu applaudieren: Thomas Wirth, Trainer des Fußball-Verbandsliga-Spitzenreiters FSV Preußen Bad Langensalza.

Foto: Klaus Dreischerf

Er führt mit seiner Mannschaft die Tabelle der Fußball-Verbandsliga nach dem zweiten Spieltag an: Thomas Wirth hat mit dem FSV Preußen Bad Langensalza aus den Duellen mit Schott Jena und seinem Ex-Klub FC Thüringen Weida ideale sechs Punkte geholt. Im Interview der Woche spricht Wirth unter anderem über den Traumstart, die Ziele für die Saison, seine Führungsspieler und seine Art als Trainer.

Zwei Spiele, zwei Siege – wie ist Ihnen mit dem Team der optimale Saisonstart geglückt?

Wenn man aus zwei Spielen sechs Punkte holt und ein Torverhältnis von 5:1 hat, muss man sehr zufrieden sein. Besonders die erste Halbzeit in Jena, war beeindruckend. Das habe ich nicht unbedingt so erwartet, aber es hat gezeigt, zu was die Mannschaft in der Lage ist. Gegen Weida haben wir sehr diszipliniert gespielt und völlig verdient gewonnen. Leider haben wir unsere guten Kontermöglichkeit nicht bis zum Ende ausgespielt, sonst wäre ein höherer Sieg möglich gewesen.

Setzt der FSV Preußen Bad Langensalza jetzt zum Höhenflug an?

Wir können die Ergebnisse gut einschätzen und wissen damit umzugehen. Für uns sind es sechs Punkte gegen den Abstieg. Wir dürfen nicht vergessen, dass ein Klassenerhalt nie eine Selbstverständlichkeit sein darf. Wir denken immer an das nächste Spiel, daran, wie wir, unabhängig vom Gegner, unsere Qualität auf den Platz bekommen.

Wie war es am vergangenen Wochenende, gegen Thüringen Weida zum ersten Mal im neuen heimischen Stadion um Punkte kämpfen zu dürfen?

Für mich war es das erste Spiel als Preußen-Trainer auf Rasen in Langensalza. Wir haben eine hervorragende Anlage bekommen und man kann sich nur bei denen bedanken, die dafür verantwortlich waren. Es ist aber auch eine Riesenumstellung zum Kunstrasen. Die Wege sind enorm weit und du musst als Team noch besser verschieben, sonst hast du keine Chance. Unser System hat uns dabei geholfen und die Jungs haben das über weite Strecken sehr gut gemacht.

War die Vorbereitung Corona-bedingt die schwierigste, die Sie bisher mit einer Mannschaft zu absolvieren hatten?

Wir sind davon ausgegangen, dass die Saison im September beginnt und haben so die Vorbereitung geplant und die Testspiele organisiert. Die Spieler haben sich mit Läufen fit gehalten, somit mussten wir nicht bei Null starten. Leider standen uns durch Urlaub und Verletzungen nicht immer alle Spieler zur Verfügung, daher müssen wir in den nächsten Wochen versuchen, alle auf ein konditionelles Niveau zu heben. Wir konnten unseren Kader fast komplett zusammenhalten, das war enorm wichtig. Die Vorbereitung war zwar anspruchsvoll, aber nicht die schwierigste.

Welche Spieler sollen als Führungsakteure vorangehen?

Wir habe eine gute Mischung im Team: Erfahrene Spieler wie Carsten Weis, Max Domeinski oder Martin Fiß auf der einen Seite und Tobias Sauerbier oder Gustav Wurschi auf der anderen. Aber es ist viel wichtiger, dass sich alle Spieler immer wieder selbst reflektieren, um Dinge zu erkennen, in denen man sich verbessern kann oder sich besser verhalten kann. Hierbei können die jüngeren Spieler von den älteren profitieren. Wir dürfen nie Gelassenheit aufkommen lassen.

Die Liga besitzt mit 18 Teams quantitative Bundesliga-Stärke. Wie kann man so ein straffes Programm händeln?

Die Saison ist extrem lang und du brauchst schon einen großen Kader, um gut durch das Jahr zu kommen. Das haben wir aber in der Planung berücksichtigt und gehen voller Zuversicht in die Spiele. Wir waren als Verein dafür, die Saison 19/20 abzubrechen und uns waren die Konsequenzen bewusst, deshalb können wir jetzt nicht jammern.

Würden Sie dafür plädieren, auch fünfmal auswechseln zu dürfen?

Ob wir drei-, vier- oder fünfmal wechseln dürfen, ist mir eigentlich egal, aber wir brauchen im Fußball einheitliche Regelungen, egal in welcher Liga. Alles andere halte ich für Blödsinn. Wenn wir so weiter machen, spielen wir irgendwann in der Verbandsliga 80 Minuten und in der Bundesliga 100. Das macht unseren Sport kaputt.

Wie lautet das Saisonziel des FSV Preußen Bad Langensalza?

Das Saisonziel ist eindeutig der Klassenerhalt. In der Liga können ja im ungünstigsten Fall sechs, sieben Mannschaften absteigen. Das bedeutet, dass du fast einen einstelligen Tabellenplatz belegen musst, um nicht bis zum Schluss zu zittern. Der Präsident hat mal zu mir gesagt, dass ein einstelliger Tabellenplatz für die Preußen wie die Meisterschaft ist. Diese Saison müssen wir die Preuß-Meisterschaft erreichen (lacht).

Für was für eine Art von Fußball wollen Sie als Trainer stehen?

Wir sind keine Mannschaft, die mit langen Ballbesitzphasen agieren kann. Ich möchte eine aggressive Vorwärtsverteidigung, mit der Umschaltsituationen erzwungen werden sollen. Wir wollen unsere Spielidee etablieren, so werden wir auf Dauer erfolgreich sein. Die Grundlage für jedes System ist aber der Teamgeist und die Leidenschaft. Wenn eine Mannschaft nicht miteinander und füreinander kämpft, wird sie nicht viele Spiele gewinnen können.

Wie entscheidend ist die Taktik?

Wir werden immer wieder Situation reflektieren: Was können wir besser machen? Aber auch berücksichtigen, was wir schon für eine Entwicklung genommen haben. Das gilt für die Mannschaft und auch für mich als Trainer. In der Vorbereitung habe ich oft mit Dreierkette spielen lassen, aber in der Auswertung haben wir festgestellt, dass sich die Mannschaft damit nicht so wohl fühlt. Es bringt daher nichts, sein System durchzuboxen. Spielidee und Mannschaft müssen zusammenpassen. Was ich aber absolut verlange, ist die Vorbildwirkung der ersten Mannschaft. Den Jungs wird es hier im Verein extrem leicht gemacht. Es kümmern sich eine Menge Menschen um die Organisation. Das ist nicht selbstverständlich – hier will ich absoluten Respekt.

Wie schätzen Sie die Gegner in den kommenden Wochen ein?

Mit Weimar, Sondershausen und Schleiz kommen in den nächsten Wochen drei Teams auf uns zu, die alle dasselbe Ziel verfolgen wie wir – den Klassenerhalt. Wir haben Respekt, aber ich will immer gewinnen. Es gibt neun Punkte zu vergeben – ich will alle neun.