Torjäger aus der Tiefe des Raumes

Bad Langensalza.  Florian Engel führt im Mittelfeld bei Fußball-Verbandsligist Preußen Bad Langensalza Regie. „Er ist ein begnadeter Fußballer“, lobt sein Trainer.

Immer nah am Mann: Bad Langensalzas Florian Engel (rechts), hier im Verbandsligaspiel gegen Wismut Gera.

Immer nah am Mann: Bad Langensalzas Florian Engel (rechts), hier im Verbandsligaspiel gegen Wismut Gera.

Foto: Jens Lohse

Vielleicht liegt es ja daran, dass seine Lieblingsspieler Lionel Messi (FC Barcelona) und Erling Haaland (Borussia Dortmund) sind. Florian Engel von Fußball-Verbandsligist FSV Preußen Bad Langensalza ist nach der Hinrunde der treffsicherste Akteur seines Teams – und das als defensiver Mittelfeldspieler. Immerhin sechsmal gab der 22-Jährige den gegnerischen Keepern bislang das Nachsehen.

„Dass ich damit die Torschützenliste der Mannschaft anführe, spricht nicht so sehr für mich, sondern eher gegen unsere Stürmer“, sagt Engel und lacht. Die Aussage des Mannes mit der Rückennummer 21 ist nicht ernst gemeint und deshalb auch mit einem Augenzwinkern versehen.

„Er ist ein begnadeter Fußballer“

Zum Lachen ist seinen Gegenspielern in der Regel nicht zumute, wenn sie es auf dem Feld mit Engel zu tun bekommen. Denn der Mühlhäuser vereint Torgefahr mit immenser Laufstärke, großer Kampfkraft und technisch versierten Aktionen. „Er ist ein begnadeter Fußballer. Ich habe selten einen so guten gesehen“, lobt sein Trainer Thomas Wirth.

Ende der vergangenen Saison lief Engel, der mit vier Jahren mit dem Fußball begann, in der D-Jugend von Eintracht zum FC Union Mühlhausen wechselte und sich in der A-Jugend dem FSV Zwickau anschloss, noch als rechtes Glied der Vierer-Abwehrkette auf.

Doch sein neuer Trainer Wirth, der seinen Mittelfeldmotor abseits aller sportlicher Qualität zudem noch als „Riesenmensch“ adelt, stellte den RW Erfurt-Fan ins defensive Mittelfeld - ein gelungener Schachzug.

„Der Trainer war der Meinung, dass es mir entgegenkommt, wenn ich zentraler agiere und das Spiel vor mir habe“, erklärt Engel, der momentan eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolviert. In seiner neuen Rolle blühte der 22-Jährige auf – auch, weil ihm das positionsspezifische Anforderungsprofil einfach liegt. „Mir macht es Spaß, viele Bälle zu bekommen, das Spiel aufzuziehen und entscheidende Ideen geben zu können“, unterstreicht er.

Weltklasseakteure dienen als Inspiration

Vielleicht hilft Engel ja auch, dass er gerne und genau auf dem Bildschirm beobachtet, wie die Weltklasse-Spieler auf seiner Position agieren. „Aktuell gefällt mir Georginio Wijnaldum vom FC Liverpool im Zentrum mit am besten. Er schaltet sich viel mit nach vorne ein“, erklärt er. Der Niederländer sicherte sich mit dem englischen Traditionsverein im vergangenen Jahr den Champions-League-Titel.

Weiteres Plus des Preußen-Mittelfeldmannes, der sich selber als „Fußball-Romantiker“ bezeichnet: Er ist eine Kämpfernatur, gibt nie auf. „Auch wenn wir nach 80 Minuten 0:2 hinten liegen, glaube ich immer noch daran, dass es am Ende 3:2 für uns stehen wird.“

Trainer Wirth weiß, was er an seinem Schützling hat. „Auch wenn er zwei Elfmeter hintereinander verschießt, hat er den Mut, auch beim dritten noch hinzugehen und diesen auszuführen“, verrät der Bad Langensalzas Coach, der ob dieses Selbstvertrauens gern „den Hut zieht. Wenn er weiter an sich arbeitet, muss in der Thüringenliga nicht Schluss für ihn sein.“

Zuckerbrot und Peitsche

Allerdings sei Engel beileibe fußballerisch „noch nicht fertig“. „Er hat bei mir keinen Freifahrtschein und es nicht einfach, ich verlange viel von ihm“, unterstreicht Wirth, der bei seinem Strategen das Prinzip „Zuckerbrot und Peitsche“ walten lässt – aus gutem Grund. „Ich bin manchmal etwas schlampig“, gesteht Engel: „Dann brauche ich auch mal eine Ansage vom Trainer, damit ich wieder Gas gebe.“

Für die Rückrunde – die Hinserie haben die Kurstädter mit 17 Punkten auf dem elften Platz abgeschlossen – hat sich Engel mit seinem Team noch einiges vorgenommen. „Das Potenzial ist da, um weiter oben zu stehen. Leider haben wir in einigen Spielen unsere Stärken nicht ausgenutzt, außerdem haben wir zu viele Gegentore kassiert.“ In der Rückrunde müsse die Mannschaft „zu 100 Prozent“ da sein, „dann bin ich optimistisch“, verkündet Engel, bei dem der Fußball auch in der Freizeit eine große Rolle spielt.

Gerne sieht im TV gemeinsam mit seiner Freundin („Sie ist ebenfalls begeistert vom Fußball“) zu, wie der Ball rollt. Für die Rückrunde hat sich der 1,76-Meter-Mann, der das Kopfballspiel zu seinen Schwächen zählt („Da fehlen mir Präzision und Timing“), keine bestimmte Tore-Marke gesetzt. „Ich hoffe, wir stehen am Ende über dem Strich und beim Team und bei mir kommen noch einige Treffer hinzu.“ Es muss ja nicht gleich die Quote eines Lionel Messi oder Erling Haaland sein.