Thüringen Weida-Präsident tritt überraschend zurück

Weida.  Der Präsident des FC Thüringen Weida, Heinz-Josef Rungen tritt zurück. Ursache sind zwei Redebeiträge des Bürgermeisters

Weidas Präsident Heinz-Josef Rungen hat seinen Rücktritt erklärt.

Weidas Präsident Heinz-Josef Rungen hat seinen Rücktritt erklärt.

Foto: Jens Lohse / OTZ

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Überraschend hat der Präsident des FC Thüringen Weida, Heinz-Josef Rungen auf der Mitgliederversammlung des Vereins am vergangenen Mittwoch gemeinsam mit Schatzmeister Patrick Leutloff seinen Rücktritt bekanntgegeben.

2015 hatte der Rechtsanwalt das Amt übernommen. „Das ist keine Entscheidung gegen den Verein, dem wir beide erhalten bleiben werden. Ich kann mir gut vorstellen, im Vorstand und auch als Sponsor weiterzumachen. Aber als Ehrenamtler kann man sich nicht alles gefallen lassen“, so Heinz-Josef Rungen.

Ursache für den Rücktritt waren letztlich zwei Redebeiträge von Weidas Bürgermeister Heinz Hopfe erst auf der Weihnachtsfeier im Dezember und dann bei der Mitgliederversammlung, in denen das Stadtoberhaupt dem Vereinsvorstand vor versammelter Mitgliederschaft Inkompetenz vorwarf. „Das haben wir mit Sicherheit nicht verdient, zumal wir alle im Ehrenamt tätig sind und viel Zeit investieren. Da steckt viel Herzblut drin. Wenn dann Respekt und Wertschätzung Fremdworte sind, dann muss ich irgendwann meine Konsequenzen ziehen. Dieser Punkt war jetzt erreicht“, so der Weidaer Präsident, dem es nicht um sich selbst, sondern um den Verein geht und ergänzt: „Vielleicht gelingt es einer anderen Person, mehr zu bewegen. Ich denke, wir haben den Verein in den letzten Jahren wieder zu einem Aushängeschild Weidas gemacht. Nur wird das eben nicht honoriert.“

Der FC Thüringen Weida - im Spielbetrieb in einer Spielgemeinschaft mit dem ThSV Wünschendorf stehend - hat mit seiner Verbandsliga-Vertretung nach einem holprigen Saisonstart und der Trennung von Trainer Rico Pellmann zum Ende der Hinrunde den Anschluss ans untere Mittelfeld hergestellt. Die Reserve steht als souveräner Herbstmeister vor dem Aufstieg in die Kreisoberliga. Zudem stehen fünf Nachwuchsmannschaften im Spielbetrieb. Mit dem in vielerlei Hinsicht sanierten Sportplatz Roter Hügel, der auch über einen Kunstrasenplatz verfügt, herrschen eigentlich beste Bedingungen. Man hat sechs Schiedsrichter ausgebildet und 60 Kinder als Mitglieder hinzugewonnen.

In Sachen Zusammenarbeit mit der Stadt hapert es aber seit dem Bürgermeister-Wechsel im April 2018. „Wir werden nicht mehr in Entscheidungen und Termine einbezogen. So erfolgte die Sportplatz-Einweihung nach der energetischen Sanierung eine Viertelstunde vor dem Anpfiff eines Thüringenliga-Spiels. Dann wurde der Rasenplatz vor dem letzten Spieltag im Dezember am Mittwoch vor der Partie gegen Ehrenhain von der Stadt gesperrt, obwohl wir uns auf ein Weihnachtssingen samt Gospelchor unter dem Tribünendach eingerichtet hatten und die Witterungsverhältnisse ein Spiel durchaus zugelassen hätten“, erzählt Heinz-Josef Rungen.

In Bezug auf die Schaffung einer hauptamtliche Stelle in der Geschäftsstelle, die mit Fördermitteln und geringen Eigenanteilen möglich wäre, gibt es trotz diverser Vorschläge des Vereins keine Reaktion seitens der Verwaltung. Ähnlich sieht es bei einer Aktion aus, bei der der FC Thüringen Weida die ausbildenden Unternehmen, die Stadt und den Verein an einen Tisch bringen wollte, um junge Fußballer über Lehrstellen oder ein duales Studium an Weida zu binden. Auch bei der Pflege des Kunstrasens gäbe es große Probleme. „Wir haben im Vorstand viele Ideen angeschoben. Jetzt reicht es. Das sind zu viele Windmühlen, gegen die wir gerade kämpfen“, so der Weidaer Präsident, der den Verein bis zu einer neuen Mitgliederversammlung samt Vorstandswahl Ende März oder Anfang April noch führen wird.

In Weida läuft unterdessen die Suche nach einem Nachfolger auf Hochtouren. „Unsere Generation ist jetzt gefragt. Wir müssen uns zusammenraufen. Vielleicht hätte es ein Weidaer im Präsidentenamt leichter. Jetzt geht es erst einmal darum, den Verein vor weiterem Schaden zu bewahren“, sagt Hendrik Pohland, der als Spieler, Sportlicher Leiter und zuletzt Co-Trainer den Verein aus dem Effeff kennt. Selbst Präsident werden will er aber nicht. „Dafür fehlt mir die Zeit“, so der 37-Jährige.

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