Gothaer Handballverein auf Abschiedsreise

Gotha.  Handball-Verein Ernestiner SV Gotha zieht sich nach der Saison aus dem Spielbetrieb zurück.

Für Marcel Walger (links) und Dirk Liening ist nach der Saison in Gotha Schluss.

Für Marcel Walger (links) und Dirk Liening ist nach der Saison in Gotha Schluss.

Foto: Mike El Antaki

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Man merkt Johannes Sutor das Unbehagen an, wenn er über die wohl schwierigste Entscheidung der letzten Jahre spricht. Immerhin fällt es dem Präsidenten des Handball-Vereins Ernestiner SV Gotha mit rund einem Monat Abstand zur Veröffentlichung auf den sozialen Medien etwas leichter, über das Aus zu reden.

„Es stand schon zu Saisonbeginn fest, dass es das letzte Jahr sein wird“, sagt Sutor, der als Linksaußen selbst auf dem Parkett aktiv ist. Gänzlich überraschend kommt der Rückzug aus der Verbandsliga, Staffel 3, also nicht. Und dennoch bedeutet er, dass die Stadt Gotha um einen aktiven Club ärmer ist – wieder einmal.

Die Gründe sind vielschichtig und doch symptomatisch – leicht könnte man sie auf andere Mannschaften und Sportarten anwenden. Personalknappheit, fehlender Nachwuchs und sportliche Perspektive: die Schlagwörter wiederholen sich stetig. „Wir haben die Saison mit 12, 13 Leuten geplant. Aber einige mögliche Spieler sind dann doch nicht gekommen, im Pokal hat sich einer dann auch noch das Kreuzband gerissen. Wenn du dann keine Jugendarbeit drunter hast, wird es eben schwierig, dass du was aufbauen kannst“, sagt der frühere Goldbacher Sutor, der nun in Hörselgau wohnt.

Mit 6:14-Punkten aus zehn Spielen dümpelt der Club auf dem vorletzten Platz herum – eine Position hinter den Ballsportfreunden aus Gotha. Das mag wenig erbaulich wirken, doch ist der 33-Jährige froh, „dass wir noch kein Spiel absagen mussten. Wir werden die Saison auch auf jeden Fall ordentlich zu Ende bringen. Der Tabellenplatz ist für mich zweitrangig. Bis zum 5. April wird durchgezogen.“

Vier Spiele gilt es mit dem kleinen Kader noch zu überstehen, dann ist die Sparte vorerst Geschichte und die Wege werden sich trennen. Einige Akteure werden wohl nach Goldbach wechseln, andere aufhören. Sutor selbst hat zwei Optionen, will sich aber noch nicht festlegen.

Ob man den Verein hätte retten können? „Schwierig“, meint der Clubchef. Eine Spielgemeinschaft mit den Ballsportfreunden ist ebenso keine Option wie eine Rückkehr zur SG mit Goldbach/Hochheim, wie sie schon einmal bestand. „Das hat damals schon nicht gefruchtet“, sagt er.

Dass das letzte Heimspiel im April ausgerechnet gegen die Zweite des SV Goldbach/Hochheim stattfindet (15 Uhr), wirkt ein wenig wie die Ironie des Schicksals. Doch auch wenn der Anlass eher traurig ist, soll der Nachmittag mit Spaß verlaufen. Eine Spendenaktion zugunsten der Helping Angels Gotha hat der Verein geplant. „Wir wollen der Stadt etwas zurückgeben.“

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