Große Sorge um den Nordhäuser Fußball

Nordhausen  Nico Kaspersky, Trainer des SV Bielen, sieht dem Nordhäuser Fußballer mit großer Sorgen entgegen. Ein Situationsbericht

Nico Kaspersky, Trainer in Bielen, ist ein Mann der klaren Worte, der aber ebenso Taten folgen lässt.

Nico Kaspersky, Trainer in Bielen, ist ein Mann der klaren Worte, der aber ebenso Taten folgen lässt.

Foto: Christoph Keil

Der SV 1926 Bielen hat schon einige Jahre auf dem Buckel. 95 Jahre wird er in diesem Jahr. Der in der Landesklasse spielende Fußballverein ist der am zweithöchsten spielende im Landkreis Nordhausen - hinter dem FSV Wacker Nordhausen.

Die Nordhäuser sind bekanntlich in der Oberliga zu Hause und stehen dort mit dem Rücken zur Wand. Im schlimmsten Falle steigt Wacker in die Thüringenliga ab. Eine Situation, die für den Raum Nordhausen nicht unbedingt positiv ist. Der zweitbeste Verein spielt in der siebten Liga. Da ist durchaus Luft nach oben. Ein Umstand, der keinen zufrieden stellen kann, der aber auch aktuell nicht abstellbar ist.

Aber woher kommt das? „Es fehlt an der Einstellung. Keiner will sich über ein gewisses Maß hin anstrengen und sich opfern. Zwei-, dreimal in der Woche Training kommt für einen Großteil nicht infrage. Wir haben im Sommer so viele Spieler gefragt und haben ohne Ende Absagen bekommen. Und immer mit derselben Aussage“, sagt Nico Kaspersky, Trainer des SV Bielen.

In dieser Aussage steckt drin, dass man doch lieber bei seinem unterklassigen Heimatverein bleiben wolle, sich die weiten Auswärtsfahrten nicht antun wolle oder deutlich mehr trainieren müsse.

„Früher war das irgendwie anders. Wenn mich jemand gefragt hätte, ob ich höherklassig spielen möchte, dann hätte ich gar nicht überlegt und sofort 'Ja' gesagt. Wir haben junge Spieler, allen voran Paul Thelemann, die eine andere Einstellung an den Tag legen und eben auch bereit sind, etwas zu opfern beziehungsweise für den höherklassigen Fußball und die sportliche Herausforderung auch bereit sind zu investieren. Also sich auch mal zu quälen. Doch das ist heutzutage leider nicht mehr wichtig. Und dann kommt es eben so, wie es bei uns im Kreis der Fall ist. Leider. Das wird ein langer Prozess, diesen Trend umzukehren“, weiß Kaspersky, der sich im Vereinsheim des SV Bielen nach wochenlanger Abstinenz mal wieder die alten Mannschaftsbilder anschaut und schmunzeln muss.

Auch wenn Kaspersky erst seit gut zwei Jahren im Verein ist, man kennt sich untereinander in „Fußball-Nordhausen“ und Umgebung. Er denkt als ehemaliger Trainer in Großwechsungen auch gerne an die Zeit zurück, als beide Mannschaften noch in der Landesklasse spielten.

Kreisderbys liegen zurück

„Das waren schöne Spiele. Damals saß ich noch auf der anderen Seite. Solche Kreisderbys haben es schon immer in sich gehabt. Da waren mehrere hundert Zuschauer da. Leider gibt es sie nicht mehr. Wann das wieder der Fall sein könnte, steht in den Sternen und darum kümmern wir uns auch nicht“, sagt Kaspersky.

Großwechsungen stieg 2019 in die Kreisoberliga ab - mit Nico Kaspersky als Trainer. Das war genau das gleiche Problem, wie es aktuell noch besteht. Einige Spieltage vor Saisonende wurde ausgesprochen, dass das Thema Landesklasse in Großwechsungen fraglich sei. Die Belastung, der Aufwand, die Spieler wollte zum Teil nicht immer wieder gegen den Abstieg spielen ... .

Eine Frage der Einstellung

„Ich möchte den Jungs von damals keinesfalls unterstellen, dass sie mit Absicht verloren haben, damit wir absteigen. Mich hat eben die Einstellung geärgert, dass kein Biss da war, alles dafür zu tun, auch weiterhin Landesklasse zu spielen. Wir sind dann runter, auch wenn wir es als Vorletzter durch den Rückzug von Schlotheim nicht gemusst hätten“, erinnert sich Kaspersky an die Zeit und kündigte damals sofort an, dass er aufgrund dieses Umstandes nicht länger Trainer in Großwechsungen sein wollte.

Eine schwere Situation für alle Beteiligten damals. Aber eben genau diese spiegelt auch die aktuelle Situation wider. Der Aufwand will im Großteil nicht mehr getan werden. Geht es so weiter, wird es wohl auch für Bielen schwer, seine Mannschaft zu halten in der Landesklasse. Es kommt kaum ein Nachwuchsspieler nach und die gestandenen Jungs werden nicht jünger.

Ein schleichender Prozess, der teilweise unbemerkt bleibt, aber auch teilweise für Aufschreie sorgt, wie bei Kaspersky, der alles dafür tun würde, damit es wieder anders wird. Diese Probleme haben die Verantwortlichen der Randnordhäuser erkannt und werden alles daran setzen, dass es nicht so kommt, wie befürchtet. "Wir wollen allen Jungs die Angst nehmen, auch Landesklasse zu spielen. Das ist alles kein Hexenwerk vor dem man sich nicht scheuen muss", sagt Kaspersky abschließend.