Großherzogliche Beamte als Weimarer Tennis-Pioniere

Weimar.  Ein Blick ins Fotoalbum: Der älteste Nachweis in Weimar stammt aus dem Jahre 1890.

Bisher unbekannt ist dieses Foto der Tennisspieler des Sportclubs (SC Weimar 03), das 1905 aufgenommen wurde.

Bisher unbekannt ist dieses Foto der Tennisspieler des Sportclubs (SC Weimar 03), das 1905 aufgenommen wurde.

Foto: Hans-Georg Kremer

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Es ist dem Tennis Club Weimar 1912 zu verdanken, dass die regionale Geschichte des Tennissports bis in seine Anfänge um 1900 aufgearbeitet wurde. Der älteste Nachweis über Tennis in Weimar stammt aus dem Jahre 1890, als ein Dr. L. v. Scheffler beim Hofmarschallamt die Nutzung eines Tennisplatzes am Stern beantragte.

Insgesamt standen dort sieben nebeneinanderliegende Spielfelder zur Verfügung, die jeweils zum Beginn des Jahres für eine Saison gepachtet werden konnten. Für 1891 sind als Nutzer in Archivunterlagen eingetragen: der Maler Oswald, Fr. v. Scheffler, Fräulein Batsch für deren Pension, v. Wassileffski, v. Gross, v. Hadeln und v. Krieger. Bei den Nutzern handelt es sich zum Teil um hochrangige großherzogliche Beamte, wie den Kammerherrn H. v. Hadeln (Hofmarschall des Großherzoglichen Erbprinzen) oder R. v. Groß (Vorsitzender der Großherzoglichen Staatsminister).

Für einen der Plätze gründeten 1892 mehrere Herren einen Lawn-Tennisclub. Nach dessen Satzung sah man sich als Herrenclub, der das Tennisspiel pflegen wolle. Zum Spiel wurden auch Gäste und einzelne Damen, aus den „am Hofe verkehrenden Familien“ zugelassen. Vorsteher des Clubs war ein Herr v. Coumany. Nach Archivunterlagen ist ein enger Kontakt zum Tennisclub in Jena, der ab 1894 in der Oberaue über eigens für das Tennisspiel hergerichtete Spielfelder verfügte, verbrieft. Als Experte, der in ganz Deutschland Tennisanlagen besichtigte und bis 1889 in Jena zwölf Sandplätze baute, gilt der Gymnasiallehrer Hermann Peter. Um 1900 konnte er berichten, dass jährlich rund 150 Personen regelmäßig Tennis spielen würden, was nur wegen der Opferwilligkeit des Spielplatzvereins, zu dessen Vorstand er gehörte, möglich wäre, da dieser die Verwaltung unentgeltlich leisten würde. 1903 wurde in Jena dann ein „Tennishaus“ mit Umkleide- und Sanitärräumen sowie einer Haus- Platzmeisterwohnung gebaut. Da die Plätze auf dem Weimarer Stern ab 1905 nicht mehr nutzbar waren, beantragte der Landgerichtspräsident Emil Bachmann beim Großherzog die Genehmigung zum Neubau einer Tennisanlage auf der Hospitalwiese (heute Sportplatz an der Falkenburg) „...entsprechend den Jenaer Plätzen...“. Der Bau wurde noch im gleichen Jahr fertig. Gemeinsam organisierten dann die Jenaer und Weimarer Tennisspieler ab 1907 ein „Internationales Tennisturnier“, das bis 1913 abwechselnd in Weimar und Jena ausgetragen wurde. 1907 fand es auf den neuen Plätzen an der Falkenburg statt. Die Professoren der Kunsthochschule Theodor Hagen und Paul Tübbecke stifteten wertvolle Bilder als Preise.

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