Halbzeit: Zurück in die Zukunft

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Axel Lukacsek über Thüringens Biathlon-Talente zwei Jahre vor der Heim-WM.

Axel Lukacsek

Axel Lukacsek

Foto: Peter Michaelis

Zurück in die Zukunft? Marco Danz jedenfalls hat einen Traum. „Vielleicht schafft ja die deutsche Männerstaffel bei der Heim-Weltmeisterschaft 2023 den Titelgewinn – genauso wie 2004“, sagt der Leitende Stützpunkttrainer der Biathleten in Oberhof. Damals, vor 17 Jahren, hatten mit Sven Fischer und Frank Luck zwei Lokalmatadore dem siegreichen Quartett angehört.

Bei jener WM zählten vier Männer und drei Frauen aus Thüringen nicht nur zum deutschen Aufgebot, sondern fast alle starteten als Medaillenkandidaten. Inzwischen ist mit dem 32 Jahre alten Erik Lesser – trotz seines missglückten WM-Starts auf der Pokljuka – nur noch ein Skijäger mit Weltklasseformat übrig geblieben.

Immer schwieriger fällt es den Talenten, nahtlos bei den Erwachsenen anzugreifen – auch in Thüringen. „Es ist definitiv so, dass wir etwas lange brauchen, um die Junioren dann bei den Senioren in die Weltspitze zu entwickeln“, sagt Bernd Eisenbichler, der Sportliche Leiter der Biathleten im Deutschen Skiverband (DSV).

Andere Nationen sind wesentlich weiter. Die Saisonsieger Sturla Holm Lägreid und Johannes Dale (beide Norwegen) sowie der Schwede Sebastian Samuelsson sind erst 23. Inzwischen hat der DSV reagiert. Mit Zibi Szlufcik wurde ein neuer Nachwuchschef installiert. Dazu begleitet Engelbert Sklorz als Schießtrainer des A-Teams jeden Nachwuchslehrgang.

Dass Thüringens Junioren am Stützpunkt in Oberhof auch mit den Arrivierten wie Erik Lesser, Arnd Peiffer oder Benedikt Doll das Training bestreiten, ist ein Glücksfall. „Die reißen die Jungen mit, das hat durchaus eine enorme Wirkung“, sagt Stützpunkttrainer Danz, der mit Bundestrainer Mark Kirchner das Training koordiniert.

Offenbar mit Erfolg. Bei der Junioren-WM vor einem Jahr in Lenzerheide gelangen einige Achtungszeichen. Max Barchewitz vom SV Eintracht Frankenhain holte sogar Einzel-Gold. Für die Nachwuchs-Titelkämpfe in diesem Winter sind vier junge Männer vom Oberhofer Stützpunkt nominiert. Mit Danilo Riethmüller (Causthal-Zellerfeld), Simon Kaiser (WSV Oberhof), Moritz Seeber (SWV Goldlauter) und Benjamin Menz (Motor Tambach-Dietharz) ist ein Quartett bei den am 27. Februar in Obertillach beginnenden Wettbewerben dabei.

Die Heim-Weltmeisterschaft in zwei Jahren soll nun als zusätzlicher Motor die Entwicklung forcieren. Die Infrastruktur stimmt, erst recht nach den Umbaumaßnahmen in der Arena. „Wir haben in Oberhof perfekte Bedingungen“, sagt Trainer Danz. Zudem sei man mit den Stützpunkten in den Regionen wie etwa Tambach-Dietharz, Luisenthal oder Scheibe-Alsbach sehr gut aufgestellt.

Aber allein das ist keine Garantie für Erfolge und der Weg nach ganz oben ist oft steinig. Selbst der Sprung in den Weltcup bietet Talenten angesichts der internationalen Konkurrenz keine Garantie für Erfolge. Lucas Fratzscher (WSV Oberhof) und Philipp Horn (Eintracht Frankenhain) als WM-Bronzemedaillengewinner mit der Staffel vor einem Jahr, müssen sich inzwischen wieder im zweitklassigen IBU-Cup einreihen.

Bei den Frauen haben die Skijägerinnen aus dem Thüringer Wald sogar schon vor längerer Zeit den Anschluss an die Weltspitze verloren. Luise Kummer als letzte Thüringer Starterin im Weltcup hat 2019 aufgehört – mit 25. Im vergangenen Jahr zog sich Marie Heinrich aus Großbreitenbach, 2014 und 2015 jeweils Junioren-Weltmeisterin geworden, ebenfalls im Alter von 25 Jahren vom Leistungssport zurück und ist inzwischen Mutter geworden.

Nun wird mit Nathalie Horstmann vom WSC 07 Ruhla immerhin eine Athletin zur Junioren-WM fahren. Möglicherweise beendet sogar eine Thüringerin noch in diesem Winter die Thüringer Weltcup-Abstinenz. Nach ihren beiden IBU- Cuperfolgen in Osrblie und EM-Silber in der Mixed-Staffel darf Vanessa Voigt (22) vom SV Rotterode von ihrem Debüt in der obersten Liga beim Finale in Östersund (16. bis 21. März) träumen.

Olympiasiegerin Kati Wilhelm nimmt auch die Athleten in die Pflicht. „Viele scheinen einfach zu früh zufrieden zu sein. Da sind ein Manager, Instagram-Filmchen und ein Ausrüstervertrag mit ein paar tausend Euro wichtiger als alles andere“, kritisierte die Steinbach-Hallenbergerin jüngst in einem Interview mit unserer Zeitung.