Hermsdorfer Handball-Duo hält sich gemeinsam fit

Martin Ehm und Oleksandr Petrov vom SV Hermsdorf kämpfen mit Sport im Freien gegen überflüssige Kilos.

Trainieren während des Lockdowns zusammen: Martin Ehm (links) und Oleksandr Petrov.

Trainieren während des Lockdowns zusammen: Martin Ehm (links) und Oleksandr Petrov.

Foto: Martin Ehm

Hermsdorf. Das Kreuz mit dem Gewicht – auch Oleksandr Petrov kann davon ein Lied singen. Der Ukrainer in den Diensten des SV Hermsdorf muss durchaus darauf achten, dass sein Leibesumfang während des Lockdowns nicht zunimmt. „Ich habe nun einmal die Veranlagung, recht schnell zuzunehmen“, sagt der 34-Jährige und lacht. Ja, gerade die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr sei in puncto Gewicht für ihn sehr tückisch. Aufgrund des guten Essens und der generellen Entschleunigung würde sein Gewicht in die Höhe schnellen.

Doch damit sich das Gewicht des wahrlich kolossalen Rückraumakteurs nicht grenzenlos vermehrt, treibt er natürlich auch während des Lockdowns Sport – und zwar mit Martin Ehm. Die beiden Kreuzritter bilden, wenn man denn so will, dieser Tage eine stimmige Zweckgemeinschaft in Sachen Leibesübungen. Gemeinsam halten sich die beiden Handballer des SV Hermsdorf während des Lockdowns mit Intervall- und Krafttraining fit und absolvieren auch die eine oder andere Sprinteinheit. Tipps haben sie sich dafür indes von Marcel Waldau geholt, dem Kapitän der Fußballer des FV Bad Klosterlausnitz, der zudem noch der Schwager in spe von Martin Ehm ist.

„Ich bin Martin sehr dankbar dafür“, sagt Petrov, der seit der Saison 2019/20 für die Kreuzritter spielt. Gemeinsam gehe halt alles etwas einfacher. Der Ukrainer betont zudem, dass er längst in Hermsdorf angekommen sei und sich hier sehr wohlfühlen würde. Auch seine Frau und seine beiden Kinder leben nun schon seit geraumer Zeit in der Kleinstadt im Holzland. Mit seiner Familie wolle er sich in Hermsdorf etwas aufbauen, sagt Petrov, der in einer ortsansässigen Firma arbeitet. Auch im Team fühle er sich sehr geborgen. Alles sei sehr familiär, was wiederum eine ausgesprochene Stärke der Kreuzritter sei. Besagte Geschlossenheit würde sich nämlich auch auf das eigentliche Spiel der Hermsdorfer auswirken, betont Petrov, der damit auf die fulminante Hinrunde der Hermsdorfer verweist, die in der Thüringenliga den obersten Tabellenplatz für sich beanspruchen können.

Petrov beherrscht gleich mehrere Sprachen

Martin Ehm wiederum zeigt sich von den Sprachkenntnissen seines Teamkollegen sehr beeindruckt. Der Ukrainer beherrscht neben seiner Muttersprache noch Russisch, Slowakisch, Englisch und auch etwas Türkisch. Dass dem so ist, ist natürlich der Tatsache geschuldet, dass Petrov in diversen Ländern – Ukraine, Russland, Slowakei und der Türkei – bereits Handball gespielt hat. Auch mit der deutschen Sprache würde es bei ihm immer besser werden. „Er versteht fast alles“, sagt Ehm. Während der gemeinsamen Fitnesseinheiten würden sie sich überwiegend auf Deutsch verständigen.

Martin Ehm indes liebäugelte damit, nach der Saison 2020/21 in Sachen Handball etwas kürzer zu treten und nicht mehr für die 1. Mannschaft zu spielen. „Wenn wir Meister geworden wären, wäre das ein guter Zeitpunkt gewesen, um sich zu verabschieden. Das ist schon alles ein wenig ärgerlich“, sagt der 32-Jährige. Mitte März des vergangenen Jahres wurde er Vater einer Tochter, wollte künftig den Fokus mehr auf seine kleine Familie an den Wochenenden legen. Doch Ehm geht nunmehr davon aus, dass die Saison 20/21 annulliert werden wird. Das wiederum sei ein Abschied, der so gar nicht nach seinem Geschmack wäre, sagt die Stimmungskanone in den Reihen des SV Hermsdorf. Daher wolle er es nicht ausschließen, dass er womöglich noch eine weitere Spielzeit für die Kreuzritter absolvieren wird – natürlich nach Rücksprache mit seiner Frau Laura Ehm. „Ich denke aber schon, dass sie mir das erlauben wird“, sagt Martin Ehm.

Wann jedoch wieder Handball in klassischer Form gespielt werden kann, darauf hat Martin Ehm derzeit auch keine Antwort, will sich diesbezüglich gar nicht erst festlegen. Fakt sei nur, dass es wohl noch eine Weile dauern werde, bis er mit den Seinigen wieder dem kleinen, runden Leder frönen könne.

Miteinander im Verein fehlt an erster Stelle

Doch der reine Sport sei ja nur eine Seite der Corona-Medaille, vermisse er doch auch seine Teamkollegen sowie das generelle Miteinander im Verein. „Das ist schon komisch. Vor zwei Monaten haben wir uns alle noch dreimal in der Woche gesehen. Da vermisst man dann schon etwas“, sinniert der Ehminator. Da er aber ein kleines Kind zu Hause habe, sei die Gesamtsituation für ihn etwas erträglicher, schließlich könne er nun aufgrund des ruhenden Spiel- und Trainingsbetriebs mehr Zeit mit seiner Tochter verbringen – und das fühle sich richtig gut an.

Es ist nun auch jene ganz persönliche Erfahrung, die Martin Ehm zu dem Schluss kommen lässt, dass der Breitensport perspektivisch wohl den einen oder anderen Protagonisten verlieren wird – ob Volleyball, Handball oder Fußball. „Wenn man eine Familie hat und auf einmal die Wochenenden mit seiner Frau und den Kindern verbringt, fällt es dem einen oder anderen bestimmt schwer, die freien Tage dann wieder dem Sport zu opfern.“

Ach ja, von seiner Frau Laura hat man Martin Ehm bereits die Erlaubnis für eine weitere Saison erhalten. Denn als er am Telefon davon berichtete, dass er sich mit ihr diesbezüglich erst einmal beraten wolle, habe sie bereits ihr Einverständnis gegeben. „Sie nickt“, sagte Ehm gutgelaunt am anderen Ende der Leitung. So ist das eben, wenn die eigene Frau auch Handball spielt.