Hinfahren, genießen, gewinnen

Apolda.  Es wird wohl ihr letzter großer Auftritt auf internationaler Bühne: Maria Selmaier, Ringerin aus Apolda, nimmt an der EM in Rom teil.

Die Apoldaerin Maria Selmaier will bei der EM in Rom um eine Medaille kämpfen.

Die Apoldaerin Maria Selmaier will bei der EM in Rom um eine Medaille kämpfen.

Foto: imago/Kadir Caliskan

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Viele Wege führen nach Rom. Sagt der Volksmund. Für Maria Selmaier, Ringerin aus Apolda, führte der Weg nach Rom über Rom. Das Ticket für die Europameisterschaft nämlich, das löste sie bei einem internationalen Wettbewerb vor vier Wochen in der italienischen Hauptstadt. Gestern ging es los; am Donnerstag und Freitag steht sie auf der Matte.

Hinfahren. Genießen. Gewinnen? „Schön gesagt. Das unterschreibe ich“, sagt sie und lacht. Etwas Wehmut ist schon dabei. „Denn es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit meine letzte EM“, sagt sie. Am Ende des Jahres, so ist der Plan, soll Schluss sein. „Danach möchte ich mich auf meine berufliche Laufbahn konzentrieren.“ Ein Studium will sie beginnen – um in den gehobenen Dienst bei der Polizei zu kommen. Die Kriminalpolizei, da fühlt sie sich gut aufgehoben. „Dort habe ich schon zweieinhalb Jahre lang meinen Dienst verrichtet. Das ist etwas, was ich mir vorstellen könnte“, sagt sie. 29 Jahre alt wird sie im Dezember werden. Ein Alter, in dem man durchaus ans Aufhören denken kann. Der nächste olympische Zyklus geht wieder vier Jahre – und endet 2024 mit den Spielen von Paris. Nein, da müsse man realistisch sein, das ist nur schwierig zu bewerkstelligen.

Hach, es wäre ja auch zu schön gewesen: Tokio, Olympische Spiele in diesem Sommer. Und noch einmal mittendrin: Maria Selmaier, das Aushängeschild des KSC „Deutsche Eiche“. Doch daraus wird nichts. „Der Traum ist ausgeträumt“, sagt die gebürtige Magdeburgerin. In diesem Sommer wird sie nicht nach Japan reisen. Eine andere Ringerin hat sich im Limit bis 68 Kilogramm durchgesetzt, das Ticket für den Deutschen Ringerbund gelöst. „Wenn sie sich jetzt nicht verletzt oder etwas anderes außergewöhnliches passiert, werde ich nicht dabei sein“, sagt Selmaier. So gern hätte sie die Spiele von Tokio noch einmal mitgenommen, so gebührend Abschied vom internationalen Parkett genommen. Doch es hat nicht sollen sein. Man müsse akzeptieren, wenn jemand anderes besser ist – das ist der Sport, sagt sie.

In Rom in dieser Woche will sie es allen noch einmal beweisen. Nicht in ‘ihrer’ Gewichtsklasse, dafür im Limit bis 72 Kilogramm. Extra futtern im Schnellimbiss müsse sie dafür nicht – nein, nein, ganz im Gegenteil: „Ich muss einfach weniger abnehmen“, sagt sie und lacht. Im Alltag wiege sie nämlich sowieso immer etwas mehr als jene 72 Kilo, was das ‘Gewicht machen’ auf 68 Kilo stets zu einem Kraftakt werden ließ. Doch notwendig war es eben, da die 72, wie sie erzählt, nicht olympisch ist. Auch das Limit bis 76 Kilo ist bereits besetzt in Sachen Olympia. Bliebe, auf 62 Kilogramm zu gehen. „Und das wird dann eher schwierig“, sagt sie und grient. Nun, gut, dann lassen wir das.

Volle Konzentration also auf Rom, auf die kontinentalen Titelkämpfe in dieser Woche. Sturmtief Sabine hat auch da Wirkung gezeigt. „Wir mussten alle bereits am Sonntagabend in Frankfurt sein, damit wir Montag gemeinsam nach Italien fliegen können“, erzählt sie. Der Deutsche Ringer-Bund sei da auf Nummer sicher gegangen, damit niemand auf der Strecke bleibt. Vor Ort ist’s angenehm, erzählt Selmaier. Die Temperaturen sind durchaus frühsommerlich – die Bedingungen in der Halle top. Aus dem restlichen Europa sind ordentliche Kaliber angereist, darunter eine „bärenstarke Ukrainerin“, wie Selmaier berichtet.

Bange machen aber gelte nicht. Wer erfolgreich sein will, der muss jedes Hindernis überwinden. Schon auf dem Weg nach Rom habe es viele gegeben, deshalb schrecke sie vor jenen bei der EM selbst nicht zurück. Das habe sie in ihrer Laufbahn gelernt: immer mit der Ruhe. Jetzt will sie die Karriere noch ein letztes Mal krönen, noch einmal auf internationalem Parkett aufhorchen lassen. Vor allen Dingen aber es sich selbst beweisen. Eine Medaille, das wäre es, sagt Selmaier. Rom, die Stätte der altvorderen Gladiatoren, sei dafür doch bestens geeignet.

Acta est fabula, plaudite! Sagte weiland Kaiser Augustus. Aus ist das Spiel, applaudiert. Ein letztes Mal für Maria Selmaier.

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