HSV Bad Blankenburg schimpft über „einen katastrophalen Spielplan“

Bad Blankenburg.  Beim Handball-Oberligisten begann die Saisonvorbereitung und die Diskussion über eine hammerharte Saison

HSV-Zugang Deividas Grusauskas.

HSV-Zugang Deividas Grusauskas.

Foto: Peter Scholz

Vor dem fröhlichen Kicken fließt der Schweiß: Bei der ersten offiziellen Trainingseinheit drehen ein Dutzend HSV-Spieler ihre Runden auf dem Gelände der Landessportschule. 4000 Meter stehen auf dem Programm, genau mit Stoppuhr kontrolliert von Marcel Werner: „Ich habe das Pensum schon vor dem Training absolviert“, beruhigt der Spielertrainer, der in der bevorstehenden Spielzeit gemeinsam gleichberechtigt mit Igor Ardan die sportliche Verantwortung bei Handball-Viertligisten trägt. Es ist das alljährliche Procedere zum Trainingsstart, dass zunächst Kondition gebolzt wird, der Handball noch im Schrank bleibt. Doch in diesem Jahr dürften die konditionellen Grundlagen so wichtig werden wie noch nie.

Denn vor den Bad Blankenburgern steht eine Mammut-Saison in der Mitteldeutschen Oberliga: Durch das Aussetzen der Abstiegsregelung in der vergangenen Spielzeit nehmen insgesamt 17 Teams den Kampf um die Punkte auf. Zudem beginnen die Punktspiele erst Ende September, so dass es knüppelhart wird für die Lavendelstädter, aber auch für ihre Kontrahenten. Dabei bringt der Spielplan die Bad Blankenburger jetzt schon auf die Palme, auch wenn der bislang erst vorläufig ist und es wohl noch zu einigen Änderungen bei der bevorstehenden Staffel-Terminkonferenz in Naumburg am kommenden Samstag kommen dürfte.

Vier Doppelspieltage

Der vorgestellte Plan sieht nämlich für die Bad Blankenburger vier Doppelspieltage vor. Außerdem steht zu befürchten, dass der HSV acht der insgesamt 16 Heimspiele in Saalfeld austragen muss, weil die Halle der Landessportschule bereits anderweitig belegt ist. „Bleibt das so, wäre das eine Katastrophe für uns“, nimmt Tobias Jahn, der Sportliche Leiter der Blankenburger, kein Blatt vor dem Mund.

Das Ausweichen in die andere Heimspielstätte hätte nach seiner Ansicht nicht nur sportliche, sondern auch gravierende wirtschaftliche Folgen: „Einerseits ist der organisatorische Aufwand viel höher, andererseits drohen deutliche Einbußen bei den Zuschauerzahlen“, so Jahn, der ausdrücklich die Gastfreundschaft der Saalfelder lobt: „Wir haben nichts gegen zwei, drei Spiele in Gorndorf, aber nicht gleich die Hälfte aller Heimspiele.“ Deutlich sind seine Worte auch in Bezug auf die Doppel-Spielwochenenden: „Das ist Wahnsinn. Ich befürchte, dass gerade gegen Ende der Saison auch deshalb die Verletzungsgefahr deutlich zunimmt.“

Jetzt setzt man beim Tabellendritten der vergangenen Saison alle Hoffnung auf ein Gespräch mit Staffelleiter Ralf Seidler Anfang dieser Woche und vom Verband vorsorglich festgelegte Corona-Nachholtermine. Zwar sollen bei der bevorstehenden Staffeltagung bei den vakanten Heimspielen zunächst Saalfeld Spielort eingetragen werden. Seidler habe aber zugesagt, dass ein Teil der Spiele dann aber an eben jenen Nachholterminen auch in Bad Blankenburg über die Bühne gehen könnten – vorausgesetzt, diese Termine werden nicht wegen der Corona-Pandemie als normale Spieltage genutzt. Und so hofft man beim HSV, dass man die Begegnungen gegen Oebisfelde, Halle, Aschersleben und Glauchau vielleicht doch noch in der heimischen Halle durchführen kann.

Zwei Staffeln abgelehnt

Ein anderer Vorschlag, den der HSV bereits Anfang Juni machte, wurde dagegen vornehmlich von den Verbänden, aber auch von den Vereinen mehrheitlich abgelehnt: „Wir hätten uns auch gut vorstellen können, in zwei Staffeln zu spielen. Und dann die Entscheidungen am Ende der Saison mit Playoff- bzw. Playdown-Runden zu finden“, erzählt Tobias Jahn. Bei diesem Vorschlag hätten alle Mannschaften in der Saison lediglich 22 bzw. 24 Spiele, jetzt sind 32. Damit hätte man im Notfall auch auf einen möglichen zweiten Lockdown reagieren können. Doch dem HSV-Vorschlag folgten nur vier der insgesamt 17 Teams.

Und so steht nicht nur den Blankenburgern eine Saison bevor, bei denen die letzten Spiele erst im Juni 2021 stattfinden sollen. Dennoch hofft man beim HSV, mit einem 14-Mann-Kader die Spielzeit erfolgreich zu bestehen. Ein großer Vorteil dürfte sein, dass das Gros der Mannschaft zusammenbleibt: Bislang begrüßten die Lavendelstädter mit Deividas Grusauskas und Til Scherer nur zwei neue Akteure, während mit David Misovych, Max-Florian Köthe und Tom Ebert drei Akteure das Team verließen.

Sprachproblem beim Zugang

Derzeit das größte Handicap für den Litauer, der bislang in der Baden-Württemberg-Oberliga für die SG H2Ku Herrenberg spielte, ist die Kommunikation. Der ehemalige Junioren-Nationalspieler spricht kaum Deutsch, will aber in den kommenden Wochen und Monaten dies in einem Deutsch-Kurs schnell erlernen. „Derzeit reden wir mit ihm Englisch“, sagt Tobias Jahn, der optimistisch ist: Der 19-jährige Linkshänder passe gut in das Team, hatte sich bereits früh für einen Wechsel nach Thüringen entschieden.

Scherer wiederum ist mit seinem 17 Jahren für die Bad Blankenburger ein Perspektivspieler. Der Kreisläufer, der bislang für im Apoldaer Nachwuchs in der Mitteldeutschen Oberliga spielte, soll erst einmal Erfahrungen im Männerbereich sammeln.

Etwas schwierig gestaltet sich derzeit noch die Suche nach einem Rechts-Außen, „aber auch hier führen wir einige erfolgversprechende Gespräche“, so Tobias Jahn. Ist diese letzte Baustelle geschlossen, sei man gut für die Saison und für das Auftaktspiel vorbereitet: „Und mit Apolda in der Landessportschule kann es eigentlich nicht besser losgehen“, sagt Jahn, der sich sichtlich auf das Thüringenderby freut. Insofern hat es der Spielplan zumindest in dieser Hinsicht gut mit den Bad Blankenburgern gemeint.