„Ich kenne jetzt jede Gasse in Saalfeld“

Saalfeld.  Die Verbandsliga-Fußballerinnen der Saalfeld Titans hielten sich mit einem virtuellen Lauf zum Wembley-Stadion fit

Die Kickerinnen der Saalfeld Titans - hier ein Archivfoto - liefen im November zum Wembley-Stadion - rein virtuell, versteht sich.

Die Kickerinnen der Saalfeld Titans - hier ein Archivfoto - liefen im November zum Wembley-Stadion - rein virtuell, versteht sich.

Foto: Lisa Schumann

Angekommen. Angekommen, wenn auch nur virtuell, im Londoner Wembley-Stadion. Und das sogar schneller als von Stephanie Pelz, der Trainerin von Fußball-Verbandsligist Saalfeld Titans, gefordert: „Das Ziel war der 30. November, wir haben die Strecke aber schon am 25. November abgespult“, erzählt Spielerin Lisa Schumann.

Die Idee: Nach dem corona-bedingten Spielabbruch Anfang November sollten sich die Kickerinnen vom Stadion an den Saalewiesen fit halten. Und um das stupide Laufen durch die Wälder etwas abzumildern, setzte die Trainerin der Mannschaft ein Ziel: Das Team sollte – natürlich nur symbolisch – von der Kreisstadt bis in die englische Hauptstadt laufen. Eigentlich sind das etwas mehr als 900 Kilometer, „doch nachdem unser Vorhaben in der Zeitung und dort etwas von 1057 Kilometern stand, wollten wir natürlich auch diese 1057 Kilometer schaffen“, erzählt Schumann. Die größere Entfernung kam übrigens dadurch zustande, weil bei Googlemaps die Auto-Fahrroute in den Planer eingegeben wurde.

Am 9. November ging es dann los., zunächst etwas schleppend. „Doch dann entwickelte sich die Sache schnell von ganz allein, nachdem die ersten Fotos und Videos posteten sowie erste Statistiken bekannt wurden“, sagt Lisa Schumann. Es entbrannte ein Konkurrenzkampf, zwischen einzelnen Spielern, aber auch zwischen Gruppen: „Manche waren gleich zwei Mal täglich unterwegs, die älteren Spieler wollten sich nicht von den jüngeren vorführen lassen“, sagt Schumann lachend.

Die jeweiligen Distanzen waren dabei ganz unterschiedlich: Die eine lief zwei Kilometer am Stück, die andere auch mal 15 Kilometer. Fast alle Spielerinnen beteiligten sich, jeder mit so vielen Kilometern, wie es auch zeitlich passte. „In Saalfeld kenne ich jetzt jede Gasse, kann die Saale eigentlich nicht mehr sehen“, erzählt Lisa Schumann. Die Saalfelderin spulte fast jeden Tag ihre Strecke ab, kam am Ende auf insgesamt 88,21 Kilometer. Das reichte für einen Spitzenplatz, doch eine Rudolstädterin lief ihr noch knapp den Rang ab: Celina Storch sammelte die meisten Meilen bzw. Kilometer innerhalb der 16 sportlichen Tage, aber eben 410 Meter mehr als Lisa Schumann. Platz drei in diesem internen Ranking belegte Franziska Hille mit 84,04 Kilometern. Insgesamt beteiligten sich 23 Fußballerinnen des Vereins an dem „Run to Wembley“.

Abgesehen von der sportlichen Herausforderung, mit der die Titans weiterhin fit bleiben sollten und sollen, winkt den Teilnehmern noch eine ganz besondere Belohnung. „Eigentlich wollte das Trainerteam die Mannschaft bei einer Weihnachtsfeier überraschen, aber die kann ja leider nicht stattfinden“, sagt Lisa Schumann. Die Belohnung gibt es trotzdem, nun aber etwas später.

Die Hoffnung, dass im Dezember wieder mit dem Training begonnen werden kann, ist seit einigen Tagen auch bei den Saalfelderinnen dahin. Doch Ausruhen werden sich die Kickerinnen nicht, vielmehr steht schon die nächste Teamaufgabe auf dem Programm: Seit gestern, dem 1. Dezember, wird an einem „Fitness-Weihnachtsbaum“ täglich ein Türchen geöffnet. Hinter jeder warten für die Kickerinnen zwei Grund-Workouts und eine Spezialaufgabe. Und natürlich geht es auch hier um den sportlichen Wettstreit, um Motivation und einen Hauch von Team-Sport zu erreichen.