Kommentar: Der Abpfiff naht

Marco Alles über Bundestrainer Joachim Löw.

Die Ablösung von Joachim Löw ist unumgänglich. Bis zum 4. Dezember soll er die Ursachen der Schmach von Sevilla darlegen und die Entwicklung der Fußball-Nationalelf in den zwei Jahren erläutern. Geschieht dies ehrlich und schonungslos, kann es nach dem Rapport gar kein anderes Ergebnis als die Abberufung des umstrittenen Bundestrainers geben.

Kein anderes Land hätte an seinem obersten Fußball-Lehrer nach einer derart desaströsen WM wie 2018 festgehalten. Ein Vertrauensbeweis, der sich als Fehler herausstellt hat. Hinter uns liegen zwei verlorene Jahre. Löws Konzept ist vollkommen gescheitert; von Fortschritten beim proklamierten Umbruch auf dem Feld nichts zu erkennen. Ganz im Gegenteil: Dass die DFB-Elf in der Gunst der Fans dramatisch gesunken ist, liegt sicher auch an deren exzessiven Vermarktung, in erster Linie jedoch an den schwachen Darbietungen.

Ideenlos, willenlos, lautlos – so präsentierte sich das Team gegen Spanien. Ein Offenbarungseid, der nicht mehr mit Experimenten schöngeredet werden kann – und für den Löw die Verantwortung trägt. Hält der Verband trotzdem an ihm fest, müsste Löw diesen Ballast durch das Frühjahr schleppen; eine unbeschwerte EM-Vorbereitung könnte es so gar nicht geben.

Aber wer soll übernehmen? Jürgen Klopp und Hansi Flick haben verständlicherweise bereits abgewunken. Wer verlässt Liverpool und die Bayern schon freiwillig, um ein Leck geschlagenes DFB-Schiff wieder auf Kurs zu bringen? Dann schon eher Thomas Tuchel. Der spielt mit Paris zwar auch im Konzert der großen Clubs mit, scheint dort aber nicht sonderlich glücklich. Oder Ralf Rangnick, der detailversessene Architekt des Leipziger Erfolgsprojekts. Oder der „menschelnde“ Stefan Kuntz, der dank seiner Arbeit mit der U 21 einen glänzenden Ruf im DFB genießt.

Gute Alternativen gibt es also einige. Und schlechter kann es ohnehin nicht mehr werden.