Kommentar: Herz, Wille und ein Schutzengel

Christian Albrecht
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Christian Albrecht

Christian Albrecht

Foto: Marco Schmidt

Christian Albrecht über den Frankfurter Triumph in Sevilla.

Eintracht Frankfurt spielt in der kommenden Saison in der Champions League. Als der RTL-Reporter am Mittwochabend diese nicht für möglich gehaltene Tatsache Vereinspräsident Peter Fischer noch einmal ins Gedächtnis rief, wusste selbst der redselige 66-Jährige kaum, was er sagen sollte und packte sich nur an den Kopf.

Fast genau ein Jahr ist es her, da wurde die Eintracht vom Main Fünfter, hatte einen Vorsprung im Saisonendspurt verspielt, gar gegen Absteiger und nun Rückkehrer Schalke 04 verloren. Adi Hütter, Fredi Bobic und Bruno Hübner hatten ihre Abgänge bereits erklärt, zudem verlor man mit André Silva den Top-Torjäger. Als die Saison 2021/2022 dann eher durchwachsen begann, die zwei Neuen, Trainer Glasner und Sportvorstand Krösche, zusammen mit einigen Spielern schon kritisiert wurden und man im DFB-Pokal in der ersten Runde an Waldhof Mannheim scheiterte, war im Stadtwald an solch einen historischen Triumph wie Mittwoch nicht zu denken.

Im Laufe der Saison folgten im Bundesliga-Alltag gute wie schlechte Spiele, die Konstante allein aber blieben die Europapokal-Auftritte. Man hatte das Gefühl, die Frankfurter springen in der Liga nur so hoch wie sie müssen und werfen dafür in Europa alles rein. Angetrieben von ihren Fans, von denen sie in Barcelona jahrelang Alpträume haben werden, spielten sie sich ins Finale von Sevilla, in einem der kleineren Stadien der Stadt, wo schon vor Anpfiff alle Getränke leer waren – bei 30 Grad im Schatten. In den 120 Minuten hatte Vereinslegende Jürgen Grabowski seine schützende Hand über der Truppe, die auch mit etwas Glück den Erfolg von vor 42 Jahren wiederholte. Und die Fans sangen: „Für den Jürgen, für den Jürgen..!“