Radsport: Irgendwie ein verlorenes Jahr

Gera.  Nicht nur den Nachwuchssportlern fehlen die Wettkämpfe. Zumindest öffnet am 12. Mai die Geraer Radrennbahn

Die mehrfachen Landesmeister Enie (links) und Gwen Böttcher zählen zu den Radtalenten des SSV Gera.

Die mehrfachen Landesmeister Enie (links) und Gwen Böttcher zählen zu den Radtalenten des SSV Gera.

Foto: Andreas Rabel

Bei der Ostthüringen Tour 2019 zeigten die Geschwister Gwen und Enie Böttcher, was sie können. Enie wurde in der Altersklasse U11 Gesamt-Dritte und Gwen erkämpfte sich in der U13 Platz zwei.

In diesem Jahr musste die Etappenfahrt ausfallen – Corona-Krise. Für die jungen Radsportler fühlt sich das schon irgendwie wie ein verlorenes Jahr an. „Die Wettkämpfe fehlen“, sagt Gwen. „Ich starte in der U15 im jüngeren Jahrgang, da wollte ich mir von den Älteren noch einiges abschauen, lernen – das geht nun nicht.“ Gwen ist Allrounderin, sieht sich als Straßenfahrerin, kam in der vergangenen Saison auf 18 Siege, wurde achtmal Landesmeisterin. Enie, elf Siege, zweimal Landesmeisterin, dreht am liebsten auf der Bahn ihre Runden.

„Da kann ich die dicken Gänge fahren und die verschiedenen Disziplinen gefallen mir auch“. Doch müssen die Geschwister mit den öffentlichen Straßen vorlieb nehmen. Eine Ausnahme gibt es. Max und Felix Jerzyna haben in ihrer Ecke einen Geschicklichkeitsparcours aufgebaut. In der U11 ist das Beherrschen des Rennrads ein zentraler Trainingsinhalt. Die Trainer versorgen ihre Schützlinge mit Trainingsplänen, die Sportler schicken ihre Daten wie gefahrene Kilometer, Puls und Trittfrequenz zur Auswertung zurück.

Einmal in der Woche "sieht" man sich per Videokonferenz. "Wir können schon ordentlich trainieren", sagt Enie. Doch der eine oder andere aus der Trainingsgruppe fehlt schon sehr. Das Handy und die sozialen Dienste sind eben nicht alles. Die Tage in der Corona-Krise beginnen später und dauern viel länger. Hausaufgaben und Training bestimmen den Alltag. Auf den Trainingsrunden begleiten die Eltern aus Sicherheitsgründen ihre Kinder.

Am Dienstag standen für Gwen 40 Kilometer und für Enie 20 km Straßentraining auf dem Programm. Nach der ersten Runde stieg die Jüngere aus, manches Mal begleitet auch die Oma auch Enie auf dem E-Bike die letzten Kilometer. Die Böttchers meistern die Corona-Krise in Familie, durch die Töchter sind auch die Eltern aufs Rad gekommen, drehen ihre Runden. Dass die Sportstätten so nach und nach wieder öffnen, sehen alle als Erleichterung.

Radrennbahn öffnet

Ab Dienstag, 12. Mai, soll das Training auf der Geraer Radrennbahn wieder starten. „Wir beginnen mit Einzeltraining oder in kleinen Gruppen. Grundlage unserer Festlegungen ist die Allgemeinverfügung der Stadt Gera vom 5. Mai“, sagt Geschäftsführer Reinhard Schulze.