Radsport, Wackernagel

„Inzwischen müssen die Jungs auch auf den Trainer warten“

Gera.  Lars Wackernagel führt das Team P&S-Metalltechnik erfolgreich in die erste Profisaison

Robert Jägeler bejubelt den ersten Doppelsieg für das Team P&S-Metalltechnik im Bundesligarennen "Rund im Düren", dahinter auf Platz zwei John Mandrysch.

Robert Jägeler bejubelt den ersten Doppelsieg für das Team P&S-Metalltechnik im Bundesligarennen "Rund im Düren", dahinter auf Platz zwei John Mandrysch.

Foto: h.o.photo

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Lars Wackernagel, sportlicher Leiter im Continental-Team P&S Metalltechnik, blickt auf eine besondere Saison. Das Thüringer Radteam startete bei der Deutschland-Tour, konnte sich als Profiteam verstärkt auch international beweisen.

Das erste Jahr als Profiteam ist gelaufen. War es ein erfolgreiches in der neuen Umgebung?

War es. Wir haben uns als Continental-Team präsentieren können, sind die Bundesliga erfolgreich gefahren.

Selbst das ZDF ist auf das Thüringer Team aufmerksam geworden.

Richtig. Wir haben es geschafft, dass wir bei der Deutschland-Tour fahren durften. Als zu dem Zeitpunkt führendes Team in der Bundesliga haben wir uns qualifiziert, und das ZDF hat einen kleinen Film mit und über uns gedreht. Das war schon eine tolle Plattform, um uns bekannt zu machen.

Das hilft sicher auch bei den Planungen für die neue Saison?

Ich hoffe. Wir haben im abgelaufenen Jahr den ersten Tritt getan, jetzt müssen wir unsere Leistungen stabilisieren, uns weiterentwickeln. Das erste Jahr ist gut gelaufen, doch es geht von vorn los. Wir müssen im Winter wieder hart arbeiten – das ist alles nicht selbstverständlich.

Die Deutschland-Tour 2020 ist wieder ein Thema?

Auf jeden Fall. Wir warten auf die Nominierungskriterien und gehen es an. Neben der Deutschland-Tour streben wir weitere Starts bei internationalen Rennen an.

Gibt es ein Rennen, das Sie mit ihrem Team gern bestreiten würden?

Die Luxemburg-Rundfahrt wäre so ein Rennen, top organisiert, stark besetzt.

Noch einmal zurück zur Deutschland-Tour mit Zielort Erfurt. Wie haben Ihre Renner das Aufeinandertreffen mit den Teams der World Tour verkraftet?

Gut. Wir sind ja nicht blauäugig in die Rundfahrt gegangen. Wo es möglich war, haben wir unsere blauen Trikots zeigen können. Für unsere überwiegend noch jungen Renner war es ein Erlebnis, sich auch mal Rad an Rad mit Top-Fahrern im Peloton zu bewegen. Und in manch einer abgehängten Gruppe fand sich auch ein bekannter Profi, was zeigt, dass auch die richtig guten Leute mal einen schwachen Tag haben können.

Eine feste Größe in der Saisonplanung ist die Bundesliga?

Ja, die Bundesliga läuft durch die komplette Saison. Die Serie ist ja nicht mehr eine reine U-23-Liga, ältere und auch ausländische Sportler sind startberechtigt. Da kocht man nicht mehr im eigenen Saft, die Konkurrenz ist größer, das ist gut so.

Die Ergebnisse können sich sehen lassen?

Wir sind Dritter in der Mannschaftswertung geworden und John Mandrysch Gesamtzweiter. Bei der deutschen Meisterschaft im 6er-Teamzeitfahren sind wird Vierter geworden, sieben Sekunden fehlten nach den 50 Kilometern an Bronze. Tobias Nolde ist DM-Fünfter im Straßenrennen der U 23 geworden. Die Titelkämpfe werden gemeinsam mit der Schweiz und Luxemburg ausgetragen, sind also international ausgerichtet. John Mandrysch hat in Polen den ersten Sieg für uns bei einem 1.2 UCI-Rennen eingefahren.

Wird es in der neuen Saison personelle Veränderungen geben?

Das Gros der Mannschaft bleibt zusammen. Mit Luke Wilk und Tim Oelke rücken zwei Fahrer aus dem Thüringer Juniorenteam ins Team auf. Das freut mich besonders, weil wir ein Team für die Talente der Region sein wollen. Auch Tom Linder aus Sachsen wird zu uns stoßen. Er ist ein vielversprechender Fahrertyp, der sein Talent schon im Querfeldeinsport unter Beweis gestellt hat und in der Juniorenklasse mehrfacher deutscher Meister im Cyclocross geworden ist.

Auch der Senior bleibt der Mannschaft erhalten?

(lacht) Meinen Sie mich?

Ich dachte an Robert Retschke.

Robert fährt ein weiteres Jahr für uns. Auch mit 38 Jahren ist er noch fit und eine große Hilfe für uns. Nach seiner schweren Verletzung in diesem Jahr wollte ich nicht verantworten, dass er so abtreten muss. Er weiß, wie ein Radrennen funktioniert, hat Ruhe und Übersicht, kann die jüngeren Fahrer Richtung Ziel bringen und dann müssen sie zeigen, was sie können, müssen ihren Renninstinkten folgen.

Und Sie sitzen selbst auch noch im Sattel?

Ich fahre die Trainingseinheiten mit, da hat sich nichts geändert. Inzwischen müssen die Jungs auch mal auf mich warten. Wäre auch schlimm, wenn es nicht so wäre.

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