„Tony hat viel investiert“: Manager über deutsche Erfolge bei der Tour

Erfurt  „Klar ist, dass Tony ganz vorne mitfahren will. Welche Arbeit er als Helfer leistet, zeigen auch die bislang vier Etappensiege seines Teams“, erklärt Radsport-Manager Jörg Werner im Interview.

Tony Martin gehört im Zeitfahren am Freitag zum Favoritenkreis.

Tony Martin gehört im Zeitfahren am Freitag zum Favoritenkreis.

Foto: Christian Hartmann/Reuters

Endlich Ruhetag: Nach zehn Etappen und damit knapp der Hälfte der Tour de France haben die

Radprofis am Dienstag eine willkommene Pause eingelegt. Denn für Tony Martin und Maximilian Schachmann stehen die schweren Etappen durch die Pyrenäen und die Alpen erst noch bevor. Ihr Manager Jörg Werner blickt im Gespräch mit unserer Zeitung auf die Leistung der deutschen Fahrer, die Zukunft von Marcel Kittel und die Deutschland-Tour mit dem Finale in Thüringen.

Was war aus Ihrer Sicht der deutsche Höhepunkt der ersten Tour-Etappen?

Eindeutig die Tatsache, wie sich Tony Martin präsentiert und wie er zum Auftakt sein Team Jumbo-Visma zum Sieg im Mannschaftszeitfahren geführt hat. Welche Arbeit er als Helfer leistet, zeigen auch die bislang vier Etappensiege seines Teams.

Kommen diese Erfolge für Sie überraschend?

Nein, Tony hat hart gearbeitet. Und die ganze Welt weiß ja, dass Tony ein sehr guter Zeitfahrer ist. Ich kenne keinen Rennfahrer, der so konstant fährt.

Was hat er denn getan, um nun so erfolgreich zu sein?

Einen Monat vor der Tour ist er nicht wie in der Vergangenheit bei der Tour de Suisse oder der Dauphine-Rundfahrt gefahren, sondern hat sich mit der Mannschaft im Höhentraining in der Sierra Nevada vorbereitet. Das war Neuland für ihn - und hat super funktioniert.

Nun ist er auch der Favorit im Zeitfahren am Freitag?

Abwarten. Tony hat bei dieser Tour schon viel investiert. Zeitfahr-Weltmeister Rohan Dennis hat sich da bislang eher zurückgehalten. Ich würde da keinen Druck aufbauen. Klar ist, dass Tony ganz vorne mitfahren will.

Maximilian Schachmann erlebt seine Tour-Premiere. Wie bewerten Sie seine Leistung?

Max ist bei der Tour, um zu lernen. Dass der Wechsel ins deutsche Team Bora-hansgrohe der richtige Schritt war, hat er ja selbst mit seinen vielleicht so nicht zu erwartenden Ergebnissen im Frühjahr bewiesen, als er zum Beispiel beim Klassiker Lüttich - Bastogne - Lüttich Dritter geworden ist.

Könnte er irgendwann einmal ein Kandidat für den Tour-Gesamtsieg sein?

Ein Fingerzeig, ob er das schaffen kann, könnte schon diese Tour de France sein, wenn es in der dritten Woche in die Berge geht und es richtig weh tut. Im Hochgebirge stundenlang auf dem Rad kämpfen, das ist noch einmal etwas anderes. Ich bin gespannt, wie er diese Herausforderung meistert.

Marcel Kittel wirkte bei seinem Tour-Besuch sehr aufgeräumt. Werden wir ihn bald als Radsportler wiedersehen?

Das weiß ich nicht. Diese Entscheidung muss er alleine treffen. Da mache ich ihm als Manager keinen Druck. Schließlich ist Marcel alt genug. Dass er demnächst zum ersten Mal Vater wird, verändert sicher vieles in seinem Leben. Es muss aber nicht bedeuten, dass er aufhört. Viele Sportler sind motivierter denn je nach der Geburt ihres Kindes zurückgekehrt.

Trotz aller deutscher Erfolge, ein Marcel Kittel etwa ist in Belgien bekannter als in Deutschland. Woran liegt das aus Ihrer Sicht?

Als wir mit Marcel Kittel, Tony Martin oder John Degenkolb erste Erfolge gefeiert haben, war uns von Anfang an klar, dass es einen kurzfristigen Effekt nicht so einfach geben wird. Trotzdem hat die Tour auf ihren Etappen durch die Vogesen gezeigt, dass sich viele deutsche Fans begeistern können. Es ist aber nicht einfach aus den Köpfen zu bekommen, welche Rolle einst Doping im Radsport gespielt hat.

War da nicht der Skandal um den festgenommenen Arzt Mark Schmidt ein Schlag ins Gesicht des Anti-Doping-Kampfes?

Das hat mich entsetzt, klar. Aber aus heutiger Sicht hat es nichts mit dem deutschen Radsport dieser Tage zu tun. Die Situation heute ist mit früher nicht vergleichbar.

Also wird auch die Deutschland-Tour, die am 1. September in Erfurt endet, in Thüringen würdig empfangen?

Kaum ein anderes Bundesland bietet solch gute Voraussetzungen für die Verbindung von Radfahren und Tourismus wie Thüringen. Und die Tour war ja schon im vergangenen Jahr ein Publikumsmagnet. Deshalb habe ich keine Bedenken, dass das diesmal auf den Etappen durch Thüringen anders sein wird.

Kann sie auch Motor sein, um die Thüringen-Rundfahrt der Männer wiederzubeleben, die Sie ja einst organisiert haben?

Ich glaube nicht, dass die Deutschland-Tour ein Motor sein kann. Die Rundfahrt mit dem Ziel in Erfurt kann aber zeigen, wie attraktiv der Radsport ist. Wenn sich dann Partner finden, die die Thüringen-Rundfahrt wieder aufleben lassen wollen, stehe ich für solch ein Projekt gerne zur Verfügung. Entscheidend ist der wirtschaftliche Faktor.

Deutschland-Tour stark besetzt

Bei der Deutschland-Tour (29. August bis 1. September) ist wieder mit einer sehr prominenten Besetzung zu rechnen. Wie der Veranstalter Aso bekannt gab, werden die maximal möglichen 15 von 18 Teams aus der World Tour, der höchsten Kategorie des Profiradsports, an dem Etappenrennen mit Ziel in Erfurt teilnehmen. Die deutsche Mannschaft Bora-hansgrohe will mit allen einheimischen Topfahrern antreten. „Die Deutschland-Tour ist einer der Höhepunkte. Stand jetzt planen wir mit einem komplett deutschen Team und unseren deutschen Spitzenfahrern. Pascal Ackermann, Emanuel Buchmann und Maximilan Schachmann haben den Termin im Kalender stehen“, sagte Teamchef Ralph Denk.

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