Max Langenhan : „Ich mache mir nie Druck“

Oberhof  Junioren-Weltmeister Max Langenhan feiert beim Rodel-Weltcup in Oberhof seine Heimpremiere bei den Männern.

Der 19 Jahre alte Friedrichrodaer Max Langenhan will die erfolgreichen Thüringer Rennrodel-Traditionen fortsetzen.

Der 19 Jahre alte Friedrichrodaer Max Langenhan will die erfolgreichen Thüringer Rennrodel-Traditionen fortsetzen.

Foto: Gerhard König/Imago

Gefeiert hat er ordentlich, etwas Schlaf nachgeholt inzwischen auch. Und so fühlt sich der frischgebackene Junioren-Weltmeister Max Langenhan für seine Heimpremiere im Rodel-Weltcup der „Großen“ gerüstet. Vor einer Woche hatte der 19 Jahre alte Friedrichrodaer in Innsbruck-Igls seinen Vorjahrestitel verteidigt, heute steht er in Oberhof im Nationencup am Ablauf, bei dem er sich für das morgige Männer-Rennen im Weltcup qualifizieren will.

Herr Langenhan, Gratulation zur Goldmedaille. Damit wird es ein glänzender Übergang zu den Männern. Wie war der Empfang zu Hause?

Großartig. Die Junioren-WM wurde ja im Livestream übertragen. Da gab es viele Reaktionen. Bürgermeister und Landrat haben gratuliert, die schreiben mir immer. Ich finde es schön, dass man so einen Rückhalt hat im Landkreis. Die Party war auch gut. Überhaupt haben wir in der Junioren-Trainingsgruppe einen mega Zusammenhalt. Wir gehen mit den Eltern essen, machen gemeinsam Saisoneröffnung, zur Weihnachtsfeier waren wir bow­len. Das ist ein tolles Miteinander von, Familien, Trainern, Sportlern. Nun geht es für mich bei den Großen weiter.

Bundestrainer Norbert Loch war in Innsbruck dabei. Was hat er zum Titel gesagt?

Kurz und knapp, dass ich der Favoritenrolle gerecht geworden bin. Dabei gab es einige Probleme mit dem Wetter. Der Föhnsturm hat einige Konkurrenten ganz schön durchs Feld gespült. Auch ich hatte im ersten Durchgang nicht meinen besten Lauf, hatte nur knapp geführt mit ein paar Hundertsteln, dann lief es im zweiten besser.

Da hatte sich Ihr Ausflug nach Igls ja gelohnt. Oder wären Sie lieber in Winterberg bei der WM der Großen mitgefahren.

Da wäre ich schon gern mitgefahren. Das war auch geplant. Aber durch mein Streichergebnis beim Weltcup im Dezember in Whistler, wo ich wegen 100 Gramm Übergewicht disqualifiziert worden war, konnte ich intern nicht mehr aufholen. Aber da in Winterberg ja gar nicht so viel los war, wie ich mitbekommen habe, freue ich mich nun umso mehr auf Oberhof.

Was macht Oberhof so besonders?

Es gibt kein anderes Rennen, das so stimmungsvoll ist. Kein Rennen, wo so viele Leute kommen. Natürlich auch welche, die man kennt. Ich freue mich riesig.

Trotzdem müssen Sie sich als Junioren-Weltmeister über den Nationencup qualifizieren. Warum?

Ich bin aus der Gesetztengruppe gerutscht, weil ich in Altenberg nicht dabei war. Dadurch fehlt mir ein Weltcuprennen. Aber sich in Oberhof zu qualifizieren, wird ja nicht so schwer sein. Hier kenne ich jeden Meter, hier kann ich mit den Großen mitfahren, Und vielleicht kann ich mir eine günstige Startnummer erobern, um im Rennen früher dran zu sein. Man weiß ja nicht, wie das Wetter wird, erst recht dreißig Starter später.

Wenn das Wetter unsicher ist, entscheiden Sie dann selbst, welche Kufen Sie fahren?

Ja. Ich bin der Fahrer, ich muss es runterbringen. Wenn es milder wird, muss man schauen, wie schnell das Eis anreift. In Oberhof finden wir aber eigentlich immer perfekte Bahnbedingungen vor. Nur bei Schneeregen wird es für alle schwer. Für uns könnte es Samstagmittag am schwierigsten werden, weil es dann wohl am wärmsten ist.

Was sind Ihre Stärken auf dem Schlitten?

Die Lockerheit. Ich mache mir eigentlich nie großen Druck am Wettkampftag. Meine Stärke am Start konnte ich bei den Senioren natürlich noch nicht so gut ausspielen, wie mir das bei den Junioren gelang. Und sicher muss ich noch viel aufholen. Rodeltechnisch sehe ich in den Videoanalysen noch die Unterschiede zu Johannes Ludwig oder zu Felix Loch. Aber ich habe ein perfektes Team um mich herum und fühle mich auf gutem Weg. Ich habe seit vergangenem Sommer jeden Tag etwas dazugelernt, seit ich in der Trainingsgruppe der Großen bin.

Von wem lernen Sie?

Von allen. Die Unterstützung ist riesig. Es gibt die hilfreichen Tipps der Trainer, aber eben auch die von Johannes, der dann sagt: Probier’s doch mal so. Zusammen ergibt das für mich eine gute Ausgangsposition.

Wie sind Sie einst zum Rodeln gekommen?

Durch meine Schwester, die war beim Rodeltraining. Ich habe Fußball gespielt. Nach dem DFB-Stützpunkttraining habe ich mit meiner Mutter oft meine Schwester abgeholt. Und da dachte ich, das sieht ja auch ganz cool aus. Dabei hat es am Anfang gar nicht so gut geklappt. Man eckt an, kriegt Banden, das tut weh.

Aber Sie sind dabeigeblieben.

Eigentlich wollte ich wieder aufhören. Doch all die Leute in Friedrichroda, die mich unterstützen, haben es geschafft, mich an diesen Sport zu binden.

Wie sehr spürt man auf dem Schlitteneigentlich die Kälte?

Ziemlich heftig. Trotz der Thermofunktionsunterwäsche, die wir tragen. Im Wettkampf merkt man sie weniger, da steht man unter Adrenalin, da ist der Körper wie ein Kraftwerk. Aber im Training, bei minus 25 Grad in Lake Placid, macht es keine Freude. Nur an den Händen friere ich nie.

In Thüringen scheint die Kette der Rennrodel-Talente einfach nie abzureißen. Was ist der Grund?

Die gute Nachwuchsarbeit. Mit Karsten Albert habe ich da den perfekten Trainer, den kenne ich seit meiner Kindheit, mit ihm kann ich über alles reden. Ihn muss man einfach erleben, wie er mit einem umgeht, wie er einen fordert. Das können nur wenige andere. Und mit dem Andi (Langenhan/d. A.) habe ich jemanden, der vergangenes Jahr selbst noch erfolgreich im Weltcup unterwegs war. Von ihm lerne ich auch sehr viel. Lernprozesse sind natürlich immer lang. Aber es ist wirklich schon krass, dass hier immer zur rechten Zeit Rodler nachwachsen.

Und in Ihrem Fall wird der eine Langenhan gleich vom nächsten abgelöst. Sie sind mit Andi, ihrem Vorgänger nicht verwandt, haben Sie trotzdem mal nach Verbindungen geforscht?

Das sollten wir wirklich mal machen. Es ist schon ein irrer Zufall, denn es gibt zwar in Zella-Mehlis viele Langenhans, bei uns in Friedrichroda kenne ich aber nur uns. Diese Namensdopplung ist schon kurios.