Rot-Weiß-Torhüter Flückiger: „Mich macht selten etwas nervös“

Axel Lukacsek
| Lesedauer: 5 Minuten
Torhüter Franco Flückiger reitet mit dem FC Rot-Weiß Erfurt auf einer Erfolgswelle.

Torhüter Franco Flückiger reitet mit dem FC Rot-Weiß Erfurt auf einer Erfolgswelle.

Foto: Tino Zippel

Erfurt.  Beim Regionalliga-Aufsteiger FC Rot-Weiß Erfurt ist Torhüter Franco Flückiger der Oldie im Team. Im Video-Interview erklärt er die Gründe für den Erfolg und warum er in der Kabine die Musikauswahl den Kollegen überlässt.

Auf dem Rasen ist Franco Flückiger die Ruhe in Person. „Mich macht selten etwas nervös“, sagt der Torhüter des FC Rot-Weiß Erfurt beim Redaktionsbesuch. Dass ihm mit seinen 31 Jahren der Blick für die Dinge abseits des Platzes nie verloren geht, hilft nun auch dem Überraschungs-Aufsteiger: „In gewissen Lebenssituation ist der Fußball nicht alles. Das habe ich gelernt und deshalb bin ich eben in manchen Situationen entspannter als ein jüngerer Kollege.“

Franco Flückiger, Torwart des FC Rot-Weiß Erfurt, im Interview

Wohl auch deshalb genießt er nun den Augenblick in Erfurt, wo er mit seiner Mannschaft schon 30 Punkte aus 14 Spielen geholt hat und zumindest bis zum Nachholspiel des Berliner AK am Mittwoch gegen Lok Leipzig überraschend an der Tabellenspitze thront.

Vorerst als ersten Schritt, den Klassenerhalt absichern

Dass auch er wie seine Mitspieler trotz des von vielen nicht für möglich gehaltenen Höhenfluges auf dem Boden bleibt, hängt wohl mit seiner Erfahrung zusammen. Flückiger verweist auf die Saison 2016/2017 in der 2. Bundesliga und führt den damaligen Aufsteiger Würzburger Kickers als warnendes Beispiel an. Der Neuling lag nach der Hinrunde mit 27 Zählern verheißungsvoll und mit Kontakt zur Spitze auf Rang sechs, gewann aber nach der Winterpause kein einziges Spiel mehr und musste wieder absteigen. Deshalb gilt für ihn, vorerst als ersten Schritt, den Klassenerhalt abzusichern: „Wir sollten die Ziele noch nicht ändern, denn wir haben sie noch nicht erreicht.“

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Über allem aber steht der Erfolg der Mannschaft

Er selbst nannte aber schon mal ein persönliches Vorhaben: „Es ist für jeden Torhüter schön, wenn er die wenigsten Gegentore in der Liga bekommt.“ Erst elfmal – wie sein Kollege bei Ligarivale Jena – musste der 1,95 Meter große Schlussmann in dieser Saison den Ball in einem Regionalligaspiel aus dem eigenen Netz holen.

Nur der Berliner AK mit bislang zehn Gegentoren ist im Augenblick besser. Über allem aber steht der Erfolg der Mannschaft. So konnte es Flückiger locker verschmerzen, dass er beim jüngsten 6:2-Triumph gegen Babelsberg erstmals in dieser Serie zwei Gegentreffer in einem Spiel kassierte.

So wichtig es im Leben ist, stets miteinander zu reden, so sehr steht die Kommunikation zwischen Torhüter und Abwehrspielern auch für den Erfolg des FC Rot-Weiß in diesen Tagen. „Viele Tore lassen sich verhindern, wenn ich Anweisungen gebe, die kurz und knapp sind. Dann wissen die Innenverteidiger, wo sich die Gegenspieler in ihrem Rücken gerade befinden.“

Lob für die oft zehn Jahre jüngeren Mitspieler

In der Kabine überlässt er es indes gerne den Kollegen, den Ton anzugeben. „Meine Musikauswahl ist wohl zu alt für sie. Da kommen auch mal 80er oder die 90er und Songs aus dem Jahr 2000. Da waren einige noch gar nicht auf der Welt“, sagt Flückiger, der gerne die australische Hardrock-Band AC/DC hört.

Er lobte seine oft zehn Jahre jüngeren Mitspieler für deren Einstellung. Nicht nur sei es gelungen, ähnlich erfolgreich zu sein wie in der Oberliga, als 19 Siege am Stück den Weg zurück in Liga vier ebneten: „Viele von ihnen haben einen großen Schritt vorwärts getan, tun auch abseits des Platzes noch mehr für sich. Dazu zählen zum Beispiel zusätzliche Fitnesseinheiten oder die Frage, wie ich mich gesund ernähre. Ich bin stolz, dass die jungen Spieler die Bedeutung solcher Themen begriffen haben.“

Auch mal vom Fußball abschalten

Für ihn spielt aber nicht nur die gesunde Ernährung eine wichtige Rolle: „Du musst dich einfach wohlfühlen. Der Kopf spielt ebenso eine Rolle.“ Auch damit ist wohl zu erklären, warum Flückiger auf dem Rasen in sich ruht. Mit seiner Freundin lebt er vor den Toren von Erfurt, ganz bewusst abseits des Trubels der Großstadt. Die beiden Hunde – ein Appenzeller Sennenhund und ein American Staffordshire Terrier – sorgen für Abwechslung und dafür, dass der Erfurter Torhüter vom Fußball auch mal abschalten kann.

Am Sonntag steht unterdessen mit dem Heimspiel gegen Energie Cottbus die nächste schwierige Prüfung ins Haus. Aber so, wie der erfahrenen Torhüter die gewiss nicht leichte Aufgabe einordnet, beschreibt ganz gut die Leichtigkeit und den Schwung, mit dem der FC Rot-Weiß im Augenblick auf der Erfolgswelle reitet: „Die werden uns viel abverlangen. Aber es ist eine Herausforderung, die Spaß machen wird. Jeder freut sich darauf.“