Saisonabbruch oder Geisterspiele? Die gespaltene Liga

Berlin.  Der Osten ist für Saisonabbruch, die Bayern für Geisterspiele – es herrscht Zoff zwischen den Fußball-Drittligisten.

Während der Tabellenletzte aus Jena zusammen mit sieben weiteren Vereinen die Liga vorzeitig beenden möchte, plädiert eine Mehrheit der Clubs für die Fortsetzung mit Geisterspielen.

Während der Tabellenletzte aus Jena zusammen mit sieben weiteren Vereinen die Liga vorzeitig beenden möchte, plädiert eine Mehrheit der Clubs für die Fortsetzung mit Geisterspielen.

Foto: Tino Zippel

Abbrechen, weiterspielen oder aufstocken? Der Kampf um das Überleben der Fußball-Drittligisten wird zur Glaubensfrage. Während das Coronavirus viele Vereine existenziell bedroht, haben sich die Clubs über die Lösung des Problems zerstritten. Eine Fraktion will mit Geisterspielen geringe Einnahmen erzielen, die anderen befürchten höhere Kosten und fordern den Saisonabbruch. Und dann wäre da noch die Idee der Liga-Reform.

Gegen Geisterspiele und für einen sofortigen Abbruch der Saison sprechen sich mit einer Erklärung acht Drittligisten aus, darunter der FC Carl Zeiss Jena. Signiert haben neben allen mitteldeutschen Klubs der Tabellenzweite Waldhof Mannheim und die Kellerkinder Preußen Münster und Sonnenhof-Großaspach. Sie plädieren einhellig dafür, dass trotz des Abbruches Aufsteiger benannt werden, aber keine Absteiger. Als Kompromiss soll je eine Mannschaft der Regionalligen aufsteigen und in einer aufgestockten Liga spielen.

„Wenn Ärzte und Pflegepersonal Tag und Nacht für ihre Patienten im Einsatz sind, wenn Kinder und Jugendliche nicht zur Schule oder zur Kita dürfen, wenn Gastronomen, Einzelhändler, Künstler und viele andere um ihre wirtschaftliche Existenz bangen, dann darf der Fußball – insbesondere in der dritten Liga mit der Verwurzelung der Vereine in den Regionen und Städten – keine Sonderrolle für sich beanspruchen“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Gesellschaftlich unverantwortlich sei, in Größenordnungen Corona-Tests in Anspruch zu nehmen oder auf eine Verfolgung von Infektionsketten bei Spielern zu verzichten.

Die Clubs führen praktische Probleme beim Trainingsbetrieb an und verweisen auf die Insolvenz­gefahr durch Geisterspiele. Rückforderungen von Sponsoren in Größenordnungen seien nach Aussetzung des Spielbetriebes nicht zu erwarten. Einige Sponsoren kündigten hingegen ihren Rückzug an, wenn der Fußball eine Sonderrolle in der Gesellschaft beanspruche.

Vor allem die bayerischen Vereine der 3. Liga plädieren dagegen dieser Tage stark für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs ohne Zuschauer, wenn es die Gesamtsituation zulässt. „Es ist klar, dass alle Vereine am liebsten mit Zuschauern spielen würden. Die zweitbeste Lösung wären die so genannten Geisterspiele“, sagte Michael Henke, Sportchef des FC Ingolstadt.

Er warnt eindringlich vor einem Abbruch: „Dann wäre die Liga aus meiner Sicht kaputt. Es gibt deshalb eine klare Mehrheit in der Liga, die Saison sportlich zu Ende zu führen.“ Zu der gehört auch Präsident Manfred Schwabl von der SpVgg Unterhaching. „Es gebietet der Sportsgeist, dass man sportliche Wettbewerbe grundsätzlich zu Ende bringt“, sagte Schwabl. Tatsächlich wären die Einbußen der Vereine bei einer vorzeitigen Beendigung der Saison offenbar erheblich. Im Schnitt 1,5 Millionen Euro Verlust gelten pro Verein als realistisch. Rund 600.000 Euro pro Klub wären es wohl bei Geisterspielen.

Über einen überraschenden Vorschlag für einen Weg aus der Krise berichtete derweil das Fachmagazin kicker. Demnach reichte ein Klub einen Vorschlag zur Umstrukturierung der Spielklasse beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) ein. Beim vorpreschenden Verein handele es sich allerdings um einen Regionalligisten, wie der DFB mitteilte. Die Drittligisten seien weiter für das eingleisige Modell.

Laut dem Vorschlag des Viertligisten würde die dritte Ebene des deutschen Fußballs ab der Saison 2020/2021 in eine 3. Liga Nord und eine 3. Liga Süd mit je 20 Teams unterteilt. Durch mehr Mannschaften, Spiele und attraktivere Lokalderbys erhielten die Klubs – so der Plan – mehr Einnahmen aus TV-Verträgen, um die wirtschaftlichen Folgen der Virus-Pandemie auszugleichen.

Unterhachings Präsident Schwabl hält auch davon wenig: „Wenn das Geld schon für 20 Vereine nicht ausreicht, wird es für 40 auch nicht langen. Dazu brauche ich doch keinen Taschenrechner. Mit einer Zweiteilung würden wir in die nächste Katastrophe schlittern“, sagte Schwabl: „Diese Meinung haben ausnahmsweise mal alle Drittligisten.“