„Mucci, du sollst bleiben“: JFC Gera kämpft gegen Abschiebung eines 19-Jährigen

Gera  Der Fußballverein JFC Gera kämpft dafür, dass ein junger Mann aus Guinea nicht abgeschoben wird. Am Montag gibt es den entscheidenden Termin vor der Härtefallkommission.

Mouctar Diallo mit seiner Trainingsgruppe beim JFC Gera. 

Foto: Andreas Rabel

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Der Trainer hebt die Arme: „Jungs, das ist nur Boogie, was ihr da macht. Ihr müsst aktiver zum Ball gehen.“ Mouctar Diallo, den sie auf dem Kunstrasenplatz in Heinrichsgrün nur „Mucci“ rufen, fordert einiges von den Kickern der Altersklasse U13. Der 19-Jährige, geboren in Guinea, aufgewachsen in der Elfenbeinküste und seit knapp vier Jahren in Gera, bringt sich ein, als Trainer, als Spieler der A-Junioren des JFC Gera, der Stürmer hat auch schon die ersten Einsätze beim Landesklasseteam der SG TSV Westvororte, hat beim Fanshop Winkler ausgeholfen, besucht die neunte Klasse der Berufsschule in Gera-Bieblach Ost.

„Von seinem Schlag hätten wir gern noch ein paar mehr, freundlich und zuverlässig“, sagt Steffen Hadlich, der Vorsitzende des JFC Gera. Doch geht es nach dem Willen der Politik, soll Mouctar Diallo abgeschoben werden. Am Montag hat er die Möglichkeit bei der Beauftragten für Integration, Migration und Flüchtlinge in Thüringen einen Härtefallantrag bei der Härtefallkommission zu stellen. Nur noch über diesen Weg kann er den Geraern erhalten bleiben. „Wir wollen, dass Mucci bei uns bleibt“, sagt Steffen Hadlich und legt einen dicken Ordner auf den Tisch. Im Hefter Blatt für Blatt Statements pro Mouctar Diallo. Trainer, Betreuer, Spieler des Vereins, vom TSV Westvororte, die Roschützer mit Sven Poschart und Steve Tlusty, Jana Oertel von den Wasserspringern und Oberbürgermeister Julian Vonarb – sie alle wollen, dass Mouctar Diallo in Gera bleiben kann.

Der junge Mann hat schon einiges hinter sich, bevor nach Europa kommt. Er hat in Libyen im Gefängnis gesessen, ist zwei Wochen mit dem Boot nach Italien gefahren. Vater und Mutter sind tot, er ist Waise. In Deutschland möchte er sich ein neues Leben aufbauen. „Ich möchte hier bleiben, das ist mein größter Wunsch.“ Und der Fußball spielt dabei eine wichtige Rolle. Als er fünf war, hat ihm sein Vater einen Ball geschenkt. „Den habe ich gehütet, jahrelang habe ich ihn gehabt.“ Und auch als er zum Probetraining beim JFC Gera vorspielte, erkannten die Trainer das Talent des Stürmers. Nach der Schule möchte er eine Ausbildung zum Physiotherapeuten beginnen – und natürlich weiter Fußball spielen, als Trainer arbeiten. Inzwischen neigt sich die Trainingseinheit dem Ende entgegen und es war viel mehr als nur Boogie und einer der Jungs kommt auf ihn zu, klopft ihm auf die Schulter und sagt: „Mucci, du bleibst bei uns.“

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