Stets ein gutes Händchen

Erfurt  Hans-Günter Hänsel ist seit 60 Jahren im Fußball tätig und übergibt nun die Verantwortung für die RWE-Traditionsmannschaft

Obwohl Hans-Günter Hänsel Chef die Traditionsmannschaft des FC Rot-Weiß Erfurt nun in die Hände von Ronny Hebestreit und Jürgen Heun legt, bleibt er dem Fußball treu.

Obwohl Hans-Günter Hänsel Chef die Traditionsmannschaft des FC Rot-Weiß Erfurt nun in die Hände von Ronny Hebestreit und Jürgen Heun legt, bleibt er dem Fußball treu.

Foto: Volker Brix

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Bereits mit 15 Jahren war Hans-Günter Hänsel dem Fußball verfallen. Zu Beginn kickte er in Altenburg, war nebenbei trotz seiner jungen Jahre auch noch Übungsleiter, kümmerte sich um die Leipziger Bezirksauswahl, war Schiedsrichter in der Bezirksklasse und kam einfach nicht vom runden Leder weg. Bereits mit 22 Jahren wechselte der „Fußballverrückte“ dann hauptberuflich als Jugend- und später Sektionsleiter für elf Jahre zu Chemie Leipzig.

Ende der siebziger Jahre ging es für Hänsel dann zum FC Rot-Weiß Erfurt. Als stellvertretender Vereinpräsident half er mit, dass die Blumenstädter unter anderem mit dem späteren Erfurter Jahrhundertspieler Jürgen Heun, Armin Romstedt und Martin Iffarth 1980 das Pokalfinale erreichten. Die 1:3-Finalniederlage gegen Carl Zeiss Jena schmerzt ihn noch heute. In dieser Zeit glänzten die Rot-Weißen in der sommerlichen Inter-Toto-Runde nach Siegen gegen Fortuna Düsseldorf (6:1), Twente Enschede (4:2) und Standard Lüttich (3:0) als Gruppensieger.

Nach vier Jahren als Chef bei Union Berlin vermittelte Hänsel 1990 den Zusammenschluss vom Oberligaaufsteiger Chemie Böhlen mit seinem früheren Verein Chemie Leipzig zum FC Sachsen als Sportdirektor für wenige Monate. Nach der Arbeitslosigkeit war der Fußballfachmann ab 1993 bis zur Rente 16 Jahre als Hauptgeschäftsführer des Thüringer Fußball-Verbandes tätig. Schon 1992 übernahm Hänsel die Traditionsmannschaft des FC Rot-Weiß von Jürgen Kräuter zusammen mit Trainer Manfred Schuster, dem früheren RWE-Oberligaspieler, und Schatzmeister Dieter Keil.

Die Traditionself wurde zur neue Heimat der älter gewordenen Rot-Weißen. Hänsel besaß das nötige Geschick, den „alten Herren“ neuen Spaß mit etwa 20 Spielen im Jahr zu vermitteln. Einhundert Spiele war die Truppe ununterbrochen ohne Niederlage, absolvierte auch zehn Jahre lang einmal im Jahr ein Spiel gegen die Insassen der Justizvollzugsanstalt Gräfentonna und einige Male auch im Arnstädter Gefängnis. Mit einem bemerkenswerten Unentschieden gelang den Insassen das beste Ergebnis. Dazu machten die „Oldies“ auch einige Benefizspiele in Heiligenstadt und Mühlhausen, um mit den Einnahmen die veranstaltenden Vereine zu unterstützen. Ehrenmitglied der Traditionsmannschaft ist auch der Silbermedaillengewinnen über 5000 und 10.000 Meter bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom, Hans Grodotzki, ein glühender Fan des FC Rot-Weiß.

Auch neben dem Fußball bewies Hänsel, etwa mit einer Dreitagesfahrt mit den Spielerfrauen und gemeinsamen Weihnachtsfeiern, stets ein gutes Händchen. Nach 26 Jahren ist nun für den 74-Jährigen Schluss bei der Traditionsmannschaft. Sein Nachfolger ist Erfurts „Fußballgott“ Ronny Hebestreit mit dem neuen Trainer Jürgen Heun.

Hänsel ist trotzdem noch nicht im Ruhestand angekommen. Seit 1978 organisiert er den monatlichen Erfurter Fußballstammtisch und führt dabei die früheren Rivalen, wie die Erfurter Heun, Albert Krebs und Martin Busse mit den Jenaern Peter Ducke, Jürgen Raab oder Bernd Stange, in großer, informativen Runde zusammen.

Na dann, Prosit!

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