THC-Handballerin Lydia Jakubisova: Talent für Tore und Torten

Bad Langensalza.  Zu Hause kreiert Lydia Jakubisova feines Naschwerk, auf dem Handballfeld zaubert sie Bälle ins Netz.

Je älter desto wertvoller: Lydia Jakubisova ist im THC-Spiel eine verlässlich Größe. 905 Treffer in 270 Pflichtspielen belegen das.

Je älter desto wertvoller: Lydia Jakubisova ist im THC-Spiel eine verlässlich Größe. 905 Treffer in 270 Pflichtspielen belegen das.

Foto: Sascha Fromm

Halb drei ist gewöhnlich nicht die Zeit, um große Augen zu machen. Auch nicht für Lydia Jakubisova. Ein Trompetenbaum hat das jedoch geschafft. Aufgekratzt und geschafft vom Last-minute-Sieg in Oldenburg kommt die Handballerin heim. Und ohne es zu ahnen, steckt da dieses Stämmchen in der Erde.

Es ist das Geschenk von ihrem Mann Miroslav zu ihrem 39. Seit einer Woche schlägt es vorm schicken Eigenheim in Bad Langensalza Wurzeln. Und täglich, wenn die Rechtsaußen des Thüringer HC den Baum anschaut, leuchten ihre Augen. „Die Überraschung ist ihm echt gelungen“, schwärmt sie, „so einen wollte ich immer haben. Und dann hat es noch stundenlang geregnet, als er ihn gepflanzt hat, der Arme“.

Schweinchen im Schokobad

Lydia Jakubisova lässt sich gern überraschen. Aber vor allem überrascht sie gern. Torleute nicht nur in der Bundesliga können ein Lied davon singen, wenn die Bälle der Linkshänderin präzise links unten, rechts oben, durch die Beine oder nur durch einen Spalt ins Netz sausen. Der Freundeskreis hingegen macht Augen, wenn die Torgarantin in ihrer Küche zur Hochform aufläuft. Dann backt sie, formt aus Zuckermasse Spitze, Blätter, Blüten und setzt alles zu Torten zusammen. Ob passend zur Hochzeit oder für Geburtstage, Naschwerk mit persönlicher Note. Mal ein halber Fußball, mal ein Comic, mal on top süße Schminke. Die Details sitzen wie die Schweinchen im Schokobad auf einer der Motivtorten.

Der süße Zauber ist für Jakubisova Hobby und slowakische Tradition. „Zum Geburtstag gibt es bei uns immer eine Torte“, erklärt sie. Ihre letzte ist ein herbstlicher Gruß mit Sonnenblumen gewesen. Auch am Wochenende, nach dem Spiel gegen Leverkusen am Freitag, wird gebacken, ein dekorierter Apfelkuchen soll’s werden. Einige Zeit geht dafür hin, manchmal sogar ein Tag. „Bis jetzt haben die Torten immer geschmeckt. Toi, toi, toi“, sagt die Zuckerbäckerin und klopft dreimal auf den Esstisch im offenen Wohnbereich. Hell, modern und funktional ist er gehalten. Das Gegenteil von dem, was sie aus Fondant für ihre bunten Torten modelliert.

Im zehnten Jahr beim THC

Verspielt auf der einen Seite, geradlinig auf der anderen. Das muss kein Widerspruch sein. Das scheint sich bei der Frau aus Kamenec pod Vtáčnikom in Leidenschaft und Ehrgeiz zu bündeln. Zusammen baut es auf viel Talent auf, das ihr den Weg im Handball bereitete, das sie zum Dauerbrenner beim THC und nun zur Kapitänin machte.

Sie ist im zehnten Jahr beim siebenmaligen deutschen Meister, ein Fixpunkt, verlässlich, 270 Pflichtspiele, 905 Tore – und mitten im Leben. In einem ausgefüllten.

Halbtags arbeiten, abends täglich Training mit der Bundesliga-Mannschaft, am Wochenende Spiel, oft auch unter Woche, Kindertraining, Mutterdasein, Familie. „Manchmal frage ich mich, wie ich das früher gemacht habe“, sagt „Nemo“, wie sie von allen gerufen wird.

„Nemo passt perfekt zu uns“, sagte Helfried Müller erst, nachdem die Bundesliga-Älteste in Oldenburg ein extrem wichtiges Tor zur THC-Führung kurz vor Ende erzielt hatte. „Sie ist ein ganz besonderer Mensch“, ergänzt Herbert Müller. Sie selbst ticke ein bisschen wie beide, sagt Lydia Jakubisova von sich.

Verrückt nach Handball eben. Auch mit 39. Vielleicht wird sie die erste sein, die 300 Einsätze beim THC vollmacht; vielleicht die, die mit 40 noch erste Liga spielt. Anlass, mal selbst eine Torte zu bekommen. Große Augen wären sicher.

Thüringer HC – Bayer Leverkusen, Freitag, 19.30 Uhr, Eurosport 1