Thüringer Fußballverband will wohl Berufung einlegen

Erfurt.  Nach dem Urteil zur Saison-Annullierung steht der Verband mit Präsident Wolfhardt Tomaschewski unter Druck.

Was nun, Herr Präsident? Wolfhardt Tomaschewski und der Thüringer Fußball-Verband kommen nicht zur Ruhe.

Was nun, Herr Präsident? Wolfhardt Tomaschewski und der Thüringer Fußball-Verband kommen nicht zur Ruhe.

Foto: Sascha Fromm

Gleiches Recht für alle. Das Sportgericht des Thüringer Fußballverbands (TFV) folgte dem Grundsatz, den Männerbereich wie den Nachwuchs zu behandeln und kippte am Dienstagabend aufgrund der Beschwerde des FC Gebesee den Beschluss der Saison-Annullierung vom Außerordentlichen Verbandstag am 18. Juli. Eine weitere Wende, nach der der Fußball in Thüringen nach dem coronabedingten Stopp zurück in den Spielbetrieb finden muss. Ein vielleicht weiterer Schritt zur Angleichung an das Verfahren vieler anderer Landesverbände. Und ein weiteres Problem für den TFV.

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Christian Müller hatte den Ostsee-Urlaub unterbrochen, um seinen Verein in der Beschwerdesache vorm Sportgericht zu vertreten. Der Vorsitzende des FC Gebesee aus dem Landkreis Sömmerda sprach von einer fairen, aufgeschlossenen Atmosphäre. Dass Bernd Kruse als Vorsitzender des Sportgerichtes den Einwänden stattgab und die Annullierung für nichtig befand, wollte der Gebeseer Klubchef jedoch nicht als Sieg bewerten: „Wie die Wertung erfolgt, steht im Raum.“ Deshalb sei es nur ein Teilerfolg, ob es der sportlichen Fairness entsprechend weitergehe, wie Müller meinte, werde sich zeigen.

Quotientenregelung wird im Nachwuchs angewendet

Das Sportgericht erklärte, dass der Annullierungsbeschluss vom 18. Juli unzulässig ist und beauflagte in seinem Urteil den TFV, eine andere Wertung der Saison 2019/20 des Erwachsenenbereiches zu treffen. Eine naheliegende Variante wäre die Anwendung einer Quotientenregelung. Danach werden die Punkte ins Verhältnis zu den Spielen gesetzt. Diese Art ging mit dem Abbruchs-Beschluss des TFV zum Nachwuchsbereich einher.

Gestern Abend traf sich der TFV-Vorstand per Videokonferenz und besprach das weitere Vorgehen. TFV-Vizepräsident Udo Penßler-Beyer meinte: „Wir warten auf die schriftliche Urteilsbegründung, die am Freitag oder Samstag fertig sein soll. Gibt es darin keine neuen Fakten, haben wir quasi die Pflicht zur Berufung vorm Verbandsgericht.“ Im günstigsten Fall würde dann eine Woche nach dem Einspruch verhandelt werden können. „Wir geraten auch zeitlich unter Druck. Alle Spielplan-Planungen sind auf Eis gelegt. Dabei wollen wir doch nur endlich wieder Fußball spielen“, meinte der designierte Nachfolger des vom Ur­laub zugeschalteten Präsidenten Wolfhardt Tomaschewski. „Nach meinem Rechtsverständnis ist ein Beschluss des Verbandstages, der zudem mit klarer Mehrheit gefasst wurde, bindend“, erklärte Penßler-Beyer.

22 Vereine legten Beschwerde ein

Das Urteil vom Dienstag besitze Grundsatzcharakter und damit Wirkung für alle Vereine, unabhängig ob von ihnen Rechtsmittel eingelegt worden seien, erklärte das Sportgericht. Zwischen Altenburg und Eisenach hatten 22 Vereine querbeet durch die Spielklassen Beschwerde gegen den Verbandstagsbeschluss der Annullierung eingelegt. Der größte Teil war laut TFV zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs Erster der Tabelle. Alle gingen davon aus, dass die Quotientenregel im Fall eines Saisonabbruchs angewandt wird und sie so aufsteigen können. Nach diesem Muster verfahren alle übrigen Landesverbände, die bundesweit für einen Abbruch entschieden hatten.

In Thüringen stimmte der Verbandstag nach langem Hin und Her mehrheitlich ebenso für Abbruch. Mit 60 von 98 Stimmen aber votierten die Delegierten im vierten Beschlusspunkt des Verbandstages für eine Annullierung der Spiele. Danach bestätigten sie mit großer Mehrheit erneut den Vorstandsbeschluss, der einen Abbruch der Saison im Nachwuchs mit dem Einsatz der Quotientenregel vorsah.

Weil im Nachwuchsfußball Erstplatzierten so das Aufstiegsrecht eingeräumt worden war und der TFV mit dem Aufstieg des FC An der Fahner Höhe in die Oberliga aus Meldetermingründen vorher eine Ausnahme zugelassen habe, sah das Sportgericht durch die Annullierung eine Verletzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes.