Thüringer HC: Zeichen an die Konkurrenz

Erfurt.  Nach dem überraschenden Punktgewinn in Bietigheim fehlen THC- Trainer Herbert Müller für einen gelungenen Saisonstart noch zwei Siege.

Schlussjubel: Trainer Herbert Müller und Josefine Huber freuen sich über das 29:29 beim Meisterschaftsfavoriten Bietigheim.

Schlussjubel: Trainer Herbert Müller und Josefine Huber freuen sich über das 29:29 beim Meisterschaftsfavoriten Bietigheim.

Foto: Marco Wolf

Alles kommt zu dem, der warten kann. Liebend gerne hätte Herbert Müller schon vor zwei Jahren Marketa Jerabkova zum Handball-Bundesligisten Thüringer HC gelotst. Aber die tschechische Nationalspielerin wechselte 2018 zum ungarischen Club Erd NK. Als dieser vor kurzem von finanziellen Turbulenzen heimgesucht wurde, gelang der Transfer doch noch.

„Marketa hat genau die Qualität, wo wir mit unseren jungen Spielerinnen hinkommen wollen“, sagte der Trainer nach dem überraschenden 29:29 (14:17) seiner Mannschaft beim Titelfavoriten in Bietigheim. In jenem Duell demonstrierte die 24-Jährige nicht nur wegen ihrer zwölf Tore, was sie zu leisten imstande ist. „Wir haben sie nie in den Griff bekommen“, sagte SG-Trainer Markus Gaugisch.

Jerakbova spielte einst beim tschechischen Meister Banik Most. Dort absolviert der THC schon seit Jahren sein Trainingslager. Die Rechtshänderin war durch die zahlreichen Testspiele beider Vereine in den Fokus von Müller geraten. Ein Wechsel vor zwei Jahren scheiterte jedoch an finanziellen Hürden. Jerakbova besaß einen laufenden Vertrag. Die Ablöse und die damals noch fällige Ausbildungsentschädigung waren nicht zu stemmen. Vor ein paar Monaten allerdings war der Weg frei für die zwei Chance. Wohl auch der Kontakt zu Landsfrau Iveta Koresova hat die letzten Barrieren aus dem Weg geräumt.

Den Punktgewinn in Bietigheim feierte der Thüringer HC derweil wie einen Sieg. Die Wettquoten von 1:8 auf einen Auswärtstriumph sahen den früheren Meister in einer seit Jahren nicht mehr gekannten Außenseiterrolle. „Das war von uns ein Zeichen an die Konkurrenz. Jeder muss mit uns rechnen. Und vor allem hat uns dieser Teilerfolg richtig gut getan“, sagte Geschäftsführer Maik Schenk. Immerhin musste der THC im Sommer unter anderem mit Emily Bölk und Alicia Stolle zwei deutsche Nationalspielerinnen ins Ausland ziehen lassen und befindet sich mit acht neuen Gesichtern mitten im Umbruch.

Unter diesen Umständen war das Duell in Bietigheim auch eine Standortbestimmung. „Unser Kader ist schwächer geworden. Aber wie die Mannschaft das kompensiert hat, war einfach toll“, sagte Müller. Von einem perfekten Saisonstart aber wollte er nach zwei Spielen noch nicht sprechen. Am 20. September spielt der THC beim 1. FSV Mainz 05, dann wartet am 26. September nach dem Umbau der Salza-Halle das Heim-Comeback gegen Aufsteiger Buchholz-Rosengarten. „Wenn wir danach 7:1 Punkten haben, dann wäre es für mich ein gelungener Saisonstart.“