Thüringer HC zeigt gegen Most das bessere Gesicht

Nordhausen.  Wie ausgewechselt fegt der Thüringer HC im EHF-Cup Most mit 40:24 vom Belag

Emily Bölk (rechts) marschierte in einem von Most unaufhaltbaren THC voran, um die Enttäuschung nach dem Freitag vergessen zu machen.

Emily Bölk (rechts) marschierte in einem von Most unaufhaltbaren THC voran, um die Enttäuschung nach dem Freitag vergessen zu machen.

Foto: Christoph Keil

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Wie groß kann der Jubel nach einem Sieg ausfallen, wenn die Meisterschaft einen Gutteil den Bach runtergegangen ist? Wie sehr kann gefeiert werden, wenn die ersehnte Champions Lea-gue noch weiter in die Ferne gerückt ist? Wie groß kann die Freude sein, wenn man zwei Tage nach so einer empfindlichen Niederlage wie ge-gen Leverkusen (25:34) sicher unter den besten Acht im EHF-Cup ist – und als einziges Team bisher fünf Gruppenspiele gewonnen hat?

Eine Woche, nachdem die THC-Handballerinnen in der Nordhäuser Wiedigsburghalle den Einzug ins EHF-Cup-Viertelfinale klargemacht und den Triumph hüpfend im Kreis gefeiert hatten, klatschten sie sich unter tosendem Beifall der 1300 Zuschauer ab. Emily Bölk stimmte einen kurzen Jubelkreis an. Hier ein Lachen, dort ein erleichtertes Durchatmen, glückliche Mienen rundherum.

Für den Moment gab es kein Anzeichen, dass sich der herbe Rückschlag im Bundesliga-Titelkampf vom Freitag auf die Stimmung gelegt haben könnte. Vielmehr genossen es die THC-Frauen, international am ersten Ziel ihrer Wünsche angekommen zu sein. „Wir haben Charakter gezeigt“, sagte Bölk nach dem 40:24 (18:8) gegen Most.

Der fünfte Sieg im fünften Spiel der EHF-Cup-Gruppenphase, makelloser Erster. „10:0 Punkte, wenn mir das vorher einer gesagt. Eine tolle Leistung. Ich freue mich heute über ein fantastisches Spiel“, geriet Trainer Herbert Müller ins Schwärmen. Innerlich saßen Enttäuschung und Ärger dennoch tief. „Das war schrecklich“, ließ ihn der Auftritt am Freitag immer noch nicht los. Alles, was sich die Mannschaft vorgenommen hatte, habe sie im Fernsehspiel beim Fünften vermissen lassen. „Das Spiel wird uns lange nachhängen“, ahnt der THC-Trainer.

Mängel im Abschluss, zu wenig Bereitschaft in der Abwehr, kein Aufbäumen in der Schlussphase. Dass die halbe und ohnehin dezimierte Mannschaft verschnupft ist, wollte Herbert Müller wie Bruder Helfried nicht als Ausrede gelten lassen. „Das Gute ist, dass wir heute gleich die Möglichkeit haben, es besser zu machen“, hatte der Co-Trainer vorm Duell gegen Most gesagt. Ohne Iveta Koresova, die weiter wegen Schulterproblemen aussetzt, zeigten die Thüringerinnen ein anderes Gesicht, ein Stück weit auch ein böses, das „unsere Freunde aus Most leider zu spüren bekamen“, wie Herbert Müller fand. Die Deckung packte zu und gewährte den quirligen Tschechinnen kaum eine Lücke. Im Aufbau und Angriff drehte vor allem Bölk auf. Die Nationalspielerin, die nach dem „rabenschwarzen Tag“ selbstkritisch davon gesprochen hatte, dass so ei-ne Leistung alles andere als „unser Anspruch“ sein könne, marschierte voran. Nach drei Treffern glänzte sie mit zwei Zuckerpässen übers halbe Feld auf Meike Schmelzer. Die Kreisspielerin dankte und stellte mit ihrem dritten Treffer einen Acht-Tore-Abstand her (10:2/16.).

Eine Manndeckung gegen Bölk und selbst eine 4:2-Abwehr danach half Most nicht. Vielmehr nahm der THC-Express Fahrt auf, legte mit Gegenstößen nach. So schuf er sich ein Zehn-Tore-Polster zur Pause.

Der Trainer nutzte die Gelegenheit, allen Spielpraxis zu gewähren. Mikaela Mässing rückte in der zweiten Hälfte in den Rückraum und fügte sich nach der Verletzungspause mit dem 19:8 und dem 21:12 (36.) prächtig ein. Vier Treffer steuerte die Schwedin bei und machte die 40 mit dem Schlusspunkt voll. Als Bonbon durfte sich auch Torhüterin Jana Krause mit ihrem 33:21 (52.) in die Liste der erfolgreichen Schützinnen eintragen.

Aus der ragte Emily Bölk mit sieben Treffern heraus. „Wir haben uns heute vorgenommen, einfach wieder zu uns zu finden, wieder unsere ‚normale‘ Leistung zu zeigen“, sagte sie. „Ich finde, das ist uns sehr gut gelungen. Alle haben sich reingeworfen, die richtige Einstellung gezeigt, um unseren Fans und uns selber zu beweisen, dass Freitag ein absolut einmaliger Ausrutscher war.“

Der aber wiegt schwer, weiß auch Emily Bölk, zumal sie die Meisterschaft mit ihrem Team nicht mehr selber in der Hand hat. „Aber wir sind keine Maschinen und können nicht immer den Knopf anmachen und laufen dann auf hundert Prozent. Da sind eben auch Tiefpunkte da. Das war am Freitag eben leider durchweg in der Mannschaft so.“

Das gestrige THC-Gesicht gefiel umso mehr, das böse, das bessere.

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