Thüringer Volleyballvereine in der Schwebe

Erfurt.  Die Zukunft der beiden Thüringer Volleyball-Bundesligisten ist aufgrund der Corona-Epidemie ungewiss.

Die Volleyballvereine aus Suhl und Erfurt, hier Barbara Dapic, können noch  lange nicht für die neue Saison planen.

Die Volleyballvereine aus Suhl und Erfurt, hier Barbara Dapic, können noch lange nicht für die neue Saison planen.

Foto: Sascha Fromm

Guido Reinhardt hat Sorgenfalten auf der Stirn. Dem Suhler Zahnarzt fehlen wie so vielen seiner Kollegen die Masken, um die Patienten in Corona-Zeiten gefahrlos zu behandeln. Daneben beschäftigt ihn das Schicksal seines Volleyball-Vereins VfB Suhl, dem Reinhardt als Präsident und nach der Trennung von Stefan Mau als Geschäftsführer vorsteht. „Wie bei den Unternehmen, wissen auch wir nicht, wie es weitergeht, ob es überhaupt eine neue Saison gibt", sagt Reinhardt, der alle seine Spielerinnen, Trainer und Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt hat, nachdem die Saison abgebrochen wurde. Alle aktuellen Infos im kostenlosen Corona-Liveblog

„Für viele Vereine ist die Situation bedrohlich. Die Beeinträchtigung trifft unsere kleine Liga mit ihren Vereinen hart", sagte André Wehnert, VBL-Vizepräsident, Sprecher der Frauen-Bundesliga und Geschäftsführer der Roten Raben Vilsbiburg. Zu diesem Verein ist vor wenigen Tagen Erfurts Trainer Florian Völker gewechselt. Es sei keine Flucht vor einer ungewissen Zukunft in Thüringen gewesen, aber Völker habe bei dem ambitionierten Verein in Bayern die einmalige Chance, international zu spielen, so Schwarz-Weiß-Geschäftsführer Christian Beutler. „Wir waren über das Angebot informiert und wollten Florian natürlich keine Steine in den Weg legen", so Beutler.

Inzwischen ist das SWE-Team in weit gediehenen Gesprächen mit einem Nachfolge-Kandidaten. „Doch es ist einfach schwierig, zu sagen, mit welchen Spielerinnen und Mitteln der Neue planen kann", erklärte Beutler die aktuelle Situation in den Verhandlungen.

Wie in Suhl wurde auch in Erfurt für alle Spielerinnen, Trainer und Mitarbeiter bis zum Geschäftsführer Kurzarbeit beantragt. „Es gibt nichts mehr zu tun. Keine Spiele, keine Trainingsmöglichkeiten, keine Sponsorentermine", sagte Beutler, der die Stellung im Büro hält. Das Ende der Saison ausgerechnet vor dem Derby gegen Suhl wird dem Profiteam von Schwarz-Weiß einen niedrigen fünfstelligen Verlust bringen. Ähnlich sieht es in Suhl aus. „Wir hatten nur bis zum Ende der Hauptrunde geplant. Die Playoffs wären ein Bonus gewesen. Anders als bei den großen Vereinen ist unser Minus somit nicht so hoch. Doch das ausgefallene Derby, zu dem wir mit den Fans in einem Sonderzug reisen wollten, tut auch finanziell richtig weh", erklärte Suhls Präsident Reinhardt.

„Wir wollten da den Klassenerhalt endgültig klarmachen. Nun endet unsere erfolgreichste Saison ausgerechnet so“, ärgert sich Beutler, der wie sein Suhler Kollege vor der Last des Klassenerhalts steht.

Beutler: „Ohne staatliche Hilfen wird es für uns alle nicht gehen:“

„Das Bedrohliche ist die Ungewissheit, wie es in zwei, vier oder acht Wochen aussieht. Wie stark unsere Sponsoren und Partner betroffen sein werden. Wie viel Geld sie noch für den Volleyball übrig haben", meint Beutler. Schmetterlinge im Schwebezustand. „Das ist eine andere Dimension als im Fußball. Aber ohne staatliche Hilfen wird es für uns alle nicht gehen", sagte Beutler, der bereits nach Formularen für Soforthilfe für das Volleyball-Unternehmen Schwarz-Weiß fahndet. Gespräche mit Sponsoren seinen im Augenblick schwierig. Beim Derby wollte man potenziellen Geldgebern in der Halle den Volleyball auf höchstem Niveau vorstellen. Sein Suhler Kollege baut auf die weitere Unterstützung von Lotto Thüringen. „Darüber hinaus waren wir in Kontakt mit größeren Firmen. Was nun daraus wird, wissen wir nicht“, so Reinhardt.

Immerhin ist im Frauen-Volleyball noch Zeit. Los geht es erst wieder im Oktober. Die Lizenzierung wurde auf Juli verschoben. Doch, ob bis dahin wirklich ein belastbarer Saisonetat steht, wissen sie weder in Erfurt noch in Suhl.