TSV 1860 Ranis errichtet Kunstrasenplatz in nur zehn Wochen

Ranis.  Aus der Not eine Tugend gemacht: TSV erneut alten Hartplatz mit Kunstrasen – und geht dafür an die finanziellen Grenzen.

Auch für den Nachwuchs ist der nicht neue, aber neu verlegte Kunstrasen ein Gewinn. Hier sind die F2-Junioren des JFC Saale-Orla beim Training zu sehen.

Auch für den Nachwuchs ist der nicht neue, aber neu verlegte Kunstrasen ein Gewinn. Hier sind die F2-Junioren des JFC Saale-Orla beim Training zu sehen.

Foto: Alexander Hebenstreit

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Das nennt man dann wohl einen Coup. Beim FC Thüringen Weida wurde eine kleine Ewigkeit darauf hingearbeitet, bis im November 2017 der Kunstrasenplatz am Roten Hügel eingeweiht werden durfte. Andere regionale Fußball-Schwergewichte wie Motor Zeulenroda oder der FSV Schleiz mühen sich seit Jahren gar vergeblich, ein tragfähiges Konzept für einen solchen Sportplatzumbau auf die Beine zu stellen. Und was macht der TSV 1860 Ranis? Der sagt sich: „Wir errichten jetzt einen Kunstrasenplatz“, erteilt den Auftrag und trainiert zehn Wochen später erstmals auf dem neuen Geläuf.

Nun – ganz so einfach war es dann doch nicht. Und es ist auch nicht wirklich vergleichbar mit den Projekten anderer Vereine beziehungsweise Städte. Oberhalb der Burg Ranis wurde kein solches Schmuckstück wie in der Pößnecker Griebse oder der Bad Lobensteiner Poststraße geschaffen; Nein, es ist ein reiner Trainingsplatz mit einem gebrauchten Untergrund, der die Bedingungen aber erheblich verbessert.

Mehrere Varianten durchgespielt

„Es ging uns darum, akzeptable Trainingsverhältnisse zu schaffen, da auf dem alten Hartplatz nach 25 Jahren einfach nichts mehr ging. Wir sind verschiedene Varianten durchgegangen, haben aber keine andere Möglichkeit gesehen“, erklärt der Vereinsvorsitzende des TSV Ranis, Marcus Pavel. Mit dem Kauf eines gebrauchten Geläufs, das aus der Braunschweiger Region kommt, und der Platzherrichtung in Eigenregie wurde zwar eine verhältnismäßig günstige Variante gefunden, einschließlich der geförderten Erneuerung dreier Flutlichtmasten steht dennoch eine Gesamtinvestition von rund 30.000 Euro in den Büchern.

„Für uns ist es das größte Projekt der letzten 25 Jahre und ein erheblicher Kostenfaktor“, so Marcus Pavel, dessen Verein vorab einige Spendenzusagen für das Projekt erhielt. „Das war wichtig, aber es bleibt dennoch ein ganz schöner Rest übrig und den musst du erst einmal aufbringen.“ Deswegen wirbt der Verein aus der finanziell klammen Burgstadt um weitere Unterstützung.

TSV 1860 Ranis wirbt um Spenden zur Refinanzierung

„Um die Möglichkeit einer Spende so einfach wie möglich zu gestalten, haben wir einen virtuellen Kunstrasenplatz angelegt. Auf dem Platz kann sich jeder ein Feld erkaufen, auf dem er dann als Unterstützer dieses Projektes verewigt wird“, wirbt Vorstandsmitglied Marcus Wagner um Hilfe. Zu finden ist das virtuelle Spielfeld über die Internetseite des TSV 1860. Nicht virtuell, sondern ganz real ist indes das Trainingsgeschehen, das sich bereits seit dem Spätherbst auf dem Geläuf abspielt.

Nicht nur die Männermannschaften der SG Ranis/Krölpa profitieren von den besseren Bedingungen, auch für die Kinder und Jugendlichen des JFC Saale-Orla ist es ein Gewinn. „Es ist für alle Beteiligten eine runde Sache. Durch die neuen Möglichkeiten können wir wetterunabhängig trainieren, die Verletzungsgefahr ist deutlich geringer und der Spaß ist gewachsen“, lobt der Trainer der ersten Mannschaft, Martin Querengässer.

Platzvergrößerung hätte den Rahmen vollends gesprengt

In den Genuss von Punktspielen auf dem erneuerten Spielfeld werden er und seine Mannen jedoch nicht kommen, da angesichts der Maße von 56 mal 43 Metern allenfalls Kleinfeldpartien in Betracht kämen. Die Überlegung, den Platz im Zuge der Umbauten gleich zu vergrößern gab es zwar, sie mussten aber schnell wieder verworfen werden. „Wir hätten dafür unter anderem ein Stück des angrenzenden Felds kaufen müssen. Noch problematischer wäre es aber gewesen, die Höhenunterschiede von mehr als einem Meter auszugleichen. Das wäre für uns nicht bezahlbar“, klärt Marcus Pavel auf.

Einschließlich 22 Tonnen Sand bringt das Geläuf, das ohne schwere Technik, dafür aber mit viel Muskelkraft bewegt und in Rekordzeit verlegt wurde, rund 60 Tonnen auf die Wage. Ausgehend von einer Lebensdauer von 20 Jahren hat der andernorts ausgemusterte, halb so alte Belag noch eine rosige Zukunft vor sich. Marcus Pavel ist sicher: „Bei unserer Trainingsauslastung hält der Kunstrasen locker noch zehn Jahre, vermutlich sogar länger.“

www.tsv1860ranis.de

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