SWE-Trainer Sauermann: „Wir müssen noch wachsamer sein“

Erfurt.  Dirk Sauermann, Trainer der Volleyballerinnen von Schwarz-Weiß Erfurt, spricht im Interview über das neue Team, Tests und die Aufgabe, auch Unwägbarkeiten begegnen zu können.

In knapp zwei Wochen geht es für Trainer Dirk Sauermann und den Volleyballerinnen von Schwarz-Weiß Erfurt in der Bundesliga los

In knapp zwei Wochen geht es für Trainer Dirk Sauermann und den Volleyballerinnen von Schwarz-Weiß Erfurt in der Bundesliga los

Foto: Marco Schmidt

Der Saisonstart für die Bundesliga-Volleyballerinnen von Schwarz-Weiß Erfurt rückt näher. Am 3. Oktober beginnt für sie bei Straubing ein neuer Kampf um den Klassenerhalt. Nach fünf Wochen Vorbereitung bescheinigt Neu-Trainer Dirk Sauermann dem Team Fleiß. Nun ist er mitten im sportlichen Feinschliff.

Sechs Tests liegen zurück, zuletzt bei Zweitligist Leverkusen und Staffelkonkurrent Wiesbaden. Was nehmen Sie knapp drei Wochen vor Saisonbeginn daraus mit?

Nachdem wir bei einer guten Leverkusener Mannschaft 3:1 gewonnen hatten, hat man einen Tag später in Wiesbaden gemerkt, dass wir noch Anpassungsschwierigkeiten an das Erstliga-Tempo haben. Vier Sätze zu verlieren, ist nicht einfach. Aber ich bin zufrieden, wie die Mannschaft auf den Druck reagiert und tags darauf beim 2:2 mit diesmal zwei gewonnenen Sätzen Gleichwertigkeit erzielt hat. Ich bin froh über jede Woche, die wir noch haben.

Sie selbst sind seit Anfang Juli in Erfurt. Haben Sie sich schon eingelebt?

Wenn man als Trainer schon in mehreren Orten war, ist es recht einfach, sich einzuleben. Jedenfalls, was das Training, die Halle oder die Bedingungen angeht. Das Wetter hat es leicht gemacht, auch etwas das Umfeld zu erkunden. Ein bisschen kenne ich Erfurt ja schon aus Besuchen mit anderen Mannschaften, wenn wir hier gespielt und übernachtet haben.

Leverkusen, Stuttgart, Hamburg, zwischendurch und zuletzt Finnland, nun Erfurt. Warum Schwarz-Weiß?

Erfurt deshalb, weil es eine Herausforderung ist. Sie besteht darin, den Weg des Vereins fortzusetzen, die Mannschaft weiter zu entwickeln und – vorsichtig gesprochen – schrittweise nach oben zu kommen. Es geht nicht darum, Wunder zu erreichen, sondern den Verein weiter in der ersten Liga zu etablieren. Dazu gehört das Sportliche, in Zusammenarbeit mit dem Management aber auch, nach und nach die Voraussetzungen im Umfeld weiter anzupassen. Es ist nicht so, dass man sich ins gemachte Nest setzt und hier und da an ein paar Stellschrauben dreht, dass es so läuft, wie man es gern hätte. Das alles zusammen ist eine interessante Aufgabe.

An welchen Stellschrauben müsste gedreht werden?

Meine Aufgabe als Trainer bezieht sich vor allem auf das Sportliche. Die Spielerinnen, die ich vorgefunden habe, sind alle sehr fleißig. Das ist eine gute Voraussetzung, um die Neuen zu integrieren und ihnen klarzumachen, worum es geht. Die Integration ist, glaube ich, bisher ganz gut gelungen. Darauf gilt es aufzubauen und zu versuchen, aus den Bedingungen sportlich und organisatorisch das Beste herauszuholen; hier und da aber auch Anpassungen vorzunehmen, um die Trainingseffektivität noch zu erhöhen.

Wo gibt es Verbesserungsbedarf?

Wir haben ausreichend Trainingszeiten. Bitte nicht falsch verstehen. Damit können wir gut arbeiten. Das ist im Vergleich zu anderen Mannschaften in der Liga dennoch ein Punkt, an dem sich sicher noch etwas drehen ließe. Dass man etwa gerade in der Spielhalle versucht, auch vormittags trainieren zu können. Aber nochmal: Es geht nicht darum, etwas zu bejammern oder zu kritisieren. Allein durch Corona haben wir eine Ausnahmesituation. Wir müssen innerhalb des Systems kleine Wege finden, um das optimale Ergebnis zu erzielen.

Zur Hälfte ist das Team nach Ihren Vorstellungen zusammengestellt worden. Wie ist Ihr Eindruck?

Es ist natürlich klar, dass die Spielerinnen, die neu in eine andere Stadt kommen oder noch nie in einem anderen Land gespielt haben, etwas Eingewöhnungszeit benötigen. Aber die haben wir hinter uns. Ich sehe, dass alle in dieselbe Richtung gehen und an demselben Strang ziehen. Jetzt geht es um die sportliche Feinarbeit.

Inwieweit wirkt sich die Corona-Lage auf die Arbeit mit der Mannschaft aus?

Vor allem war sie eine Herausforderung bei der Zusammenstellung der Mannschaft, Wege zu finden, die Spielerinnen ins Land zu bekommen oder dann auch Quarantäne-Vorgaben einzuhalten. Logistisch war das nicht alles einfach. An die alltäglichen Dinge wie Temperatur messen, Listen führen, Abstand halten, Masken tragen und so weiter hat man sich schnell gewöhnt.

Mit Mariia Levanova wartet eine Spielerin noch in Russland, um einreisen zu können?

Sie bekommt aufgrund der coronabedingten Einschränkungen kein Visum. Sollte sich das ändern, wird sie sicher noch kommen. Sie hält sich fit und wartet.

Aber?

Unsere Sorgfaltspflicht ist es, sich auch nach Alternativen umzusehen. Für den Fall, wenn wir die Spielerin wirklich längerfristig nicht nach Erfurt bekommen.

Sie denken über eine Neuverpflichtung nach?

Wir kümmern uns aktiv um Alternativen, allein deshalb, um nicht überrascht zu sein. Aber die muss man erstmals haben. Momentan sucht jeder Verein Spielerinnen, die einfach ein Visum bekommen. Dann ist die Außenposition bekanntermaßen zusätzlich eine, die ohnehin jeder sucht. Insofern ist es schon eine Herausforderung unabhängig von Corona.

Erwarten Sie eine komplizierte Saison?

Kompliziert, ich weiß nicht. Klar, dass sich der Spielplan verschieben könnte und dass wir unter Umständen vor weniger Zuschauern spielen müssen. Ich gehe so heran, dass wir vorbereitet sind, was auch immer kommt. Vor allem auch mental. Dass wir uns nicht aus der Bahn werfen lassen, weil Dinge anders geplant werden müssen, als sie gewohnt sind. Wir müssen noch wachsamer sein.