Ex-Nationaltrainer: "Volleyballer sind reif für eine WM-Medaille"

Kattowitz. Zur WM-Generalprobe in Nordhausen (3:2 gegen die USA) hatten die deutschen Volleyballer ihr Medaillen-Ziel selbstbewusst verkündet. Nun stehen sie vor kurz vor dem großem Erfolg.

Die deutschen Volleyballer um Lukas Kampa (Bild) brauchen noch einen Sieg gegen Frankreich oder den Iran für den Einzug ins Halbfinale. Foto: dpa

Die deutschen Volleyballer um Lukas Kampa (Bild) brauchen noch einen Sieg gegen Frankreich oder den Iran für den Einzug ins Halbfinale. Foto: dpa

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Mit dem 3:0 (28:26, 25:22, 25:23) gegen Kanada haben die Schützlinge von Vital Heynen den Sprung unter die besten sechs Teams der Welt geschafft. Dort müssen die Männer um Weltklasseangreifer Ge-org Grozer gegen Frankreich am Dienstag (20.25 Uhr) und gegen Iran am Mittwoch (20.25 Uhr) antreten. Ein klarer Sieg reicht für den Einzug ins Halbfinale. In der anderen Gruppe duellieren sich Brasilien, Russland sowie WM-Gastgeber Polen.

Für den Suhler Rolf Hornschuch, der 1987 ein Jahr die DDR-Nationalmannschaft der Männer trainierte, ist das Abschneiden der deutschen Vol-leyballer keine Überraschung. "Diesmal haben sie sich durchgesetzt und damit ihre Klasse unter Beweis gestellt", sagte der 68 Jahre alte Thüringer Volleyball-Experte im Gespräch mit unserer Zeitung.

Hornschuch hat die Entwicklung der DVV-Mannschaft lange beobachtet. "Früher waren sie Individualisten, jetzt überzeugen sie endlich auch als Mannschaft." Das seien nicht nur Häuptlinge, sondern auch In-dianer, wie beispielsweise Denis Kalibdera. "Solche Jungs sind ganz wichtig für das Mannschaftsgefüge. Ich glaube, die deutschen Volleyballer sind jetzt reif für eine WM-Medaille", prophezeite der Fachmann.

Hornschuch holte in den frühen 80iger-Jahren mit dem DDR-Nachwuchs zweimal Medaillen bei Junioren-Weltmeisterschaften. "Damals habe ich schon geahnt, dass uns die Westeuropäer überholen werden", sagte er. Als er 1987 als Coach des SC Leipzig auch ein Jahr als Nationaltrainer aushalf, scheiterte das DDR-Kollektiv in der WM-Qualifikation an den Niederländern und Bulgarien. "Der Inzucht-Volleyball in der DDR, wo nur wenige Klubs gegenein-ander spielten, internationale Vergleiche fehlten, führte letztlich zum Ausbleiben des Erfolges bei großen Meisterschaften", so Hornschuch, der später Thüringens Nachwuchs trainierte und von 2011 bis 2013 als Geschäftsführer beim Damen-Bundesligisten VfB Suhl arbeitete.

Die aktuelle deutsche Nationalmannschaft besteche durch ihre internationale Erfahrung, denn fast alle Spieler haben Verträge bei internationalen Topklubs. "Das ist ein großer Wert, der sich in kritischen Situationen auszahlt", so Hornschuch.

Aus Thüringen kommt leider keine Verstärkung für den deutschen Spitzenvolleyball. "Die Talente fehlen zur Zeit trotz des Erfurter Sportgymnasiums völlig. Die Leistungszentren arbeiten auch nicht gut zusammen", findet jedenfalls Hornschuch.

Im Internet auf sportdeutschland.tv wird der grauhaarige Trainer-Fuchs nun wie Tausende Volleyball-Fans die entscheidenden Spiele gegen Frankreich und den Iran verfolgen. "Diese Gruppe ist zwar leichter, aber auch viel gefährlicher. Denn viele denken, wer ist schon der Iran", äußert Hornschuch sich über den unbekannten Weltranglisten-11. aus Asien.

Der Vorstoß unter die besten Sechs bedeutet für den Olympia-Fünften bereits das beste WM-Ergebnis seit 40 Jahren. Damals wurde die DDR Vierter. Außenangreifer Georg Grozer erklärte: "Eine Medaille ist unser Ziel, und das wollen wir schaffen." Es wäre erst das zweite Stück Edelmetall in der deutschen Historie - nachdem die DDR 1970 als Weltmeister triumphiert hatte.

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