Wacker-Interimstrainer Peßolat: „Wir funktionieren von Tag zu Tag“

Nordhausen.  Trotz der bevorstehenden Insolvenz will Fußball-Regionalligist Wacker Nordhausen am Sonntag zum Punktspiel bei Chemie Leipzig antreten.

In Nordhausen versuchen sich die Kicker beim Training von den finanziellen Sorgen abzulenken.

In Nordhausen versuchen sich die Kicker beim Training von den finanziellen Sorgen abzulenken.

Foto: Marco Kneise

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Matthias Peßolat denkt nicht in zeitlich großen Dimensionen. „Wir funktionieren von Tag zu Tag“, sagte der Co-Trainer von Fußball-Regionalligist Wacker Nordhausen, der inzwischen mit Tino Berbig das sportliche Sagen hat. Angesichts der bevorstehenden Insolvenz der hoch verschuldeten Spielbetriebs GmbH mit ihren mehr als 30 Mitarbeitern sprach der 34-Jährige von einer gedrückten Stimmung: „Alle sind natürlich über die Entwicklung enttäuscht, aber im Training arbeiten wir professionell weiter.“

Das Nordhäuser Interimsduo hat beim Nordostdeutschen Fußball-Verband (NOFV) eine Sondergenehmigung beantragt, um im nächsten Punktspiel am Sonntag bei Aufsteiger Chemie Leipzig auf der Bank sitzen zu können. Beide besitzen nicht die dafür notwendige Lizenz. Jene Formalie ist in diesen Tagen aber das geringste Problem.

Es geht ums nackte Überleben

Matthias Peßolat rechnet aktuell fest damit, dass die Mannschaft in Leipzig antreten wird. Ein Bus sei bestellt: „Der wird auch fahren.“ Er geht ebenso davon aus, dass elf Spieler zur Verfügung stehen werden, obwohl im Oktober zum letzten Mal die Gehälter gezahlt worden waren. Bleibt das dritte Gehalt im Dezember aus, könnten die Spieler ihre Verträge kündigen.

Ohnehin geht es für den Tabellenfünften statt um den Staffelsieg nur ums nackte Überleben. Sollte die Spielbetriebs GmbH wie erwartet einen Insolvenzantrag stellen, werden dem Viertligisten gemäß der NOFV-Spielordnung neun Punkte abgezogen. Weil damit zu rechnen ist, dass ein Großteil des Kaders nicht zu halten sein wird, droht der sportliche Abstieg in die Oberliga, wo aktuell die Zweite spielt.

Nachdem der Schuldenberg der Spielbetriebs GmbH auf mehr als neun Millionen angewachsen war, hatte der Vorstand den Geschäftsführer und zugleich Vereinsvorsitzenden Nico Kleofas aufgefordert, einen Insolvenzantrag zu stellen, da die Gesellschaft zahlungsunfähig sei. Möglicherweise wird dieser Schritt an diesem Freitag vollzogen.

Spielbetrieb soll bis zum Saisonende fortgeführt werden

Nach der Zusammenkunft von Präsidium und Ehrenrat erklärte der Verein, den Spielbetrieb der Regionalliga-Mannschaft unter den neuen Bedingungen bis zum Saisonende fortführen zu wollen. Allerdings ist unklar, welche Spieler in der Winterpause überhaupt bei Wacker Nordhausen weitermachen wollen. Wer bleibt, muss mit erheblich reduziertem Gehalt rechnen.

Viele Spieler, wie zum Beispiel der vor der Saison vom Drittligisten 1. FC Kaiserslautern gekommene Jan Löhmannsröben, dürften kein Problem haben, in der Winterpause einen neuen Verein zu finden, wenn sie denn wollen. „Hier erwarten wir eine offene und ehrliche Kommunikation“, sagte Wackers Vizepräsident Hans-Joachim Junker.

Während die Spielbetriebs GmbH ins Schlingern geraten ist und wohl bald in den Händen eines Insolvenzverwalters liegt, will der Verein die Nachwuchsarbeit sichern. Dort trainieren 250 Kinder und Jugendliche, für die man eine soziale Verantwortung habe, erklärte das Präsidium. Schon im Januar wird ein neuer Vorstand gewählt.

In diesen Tagen aber ist der kommende Monat in weiter Ferne. Es geht schlicht darum, dass am Sonntag überhaupt der Ball rollt.

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