Widerstand gegen Fortführung der Fußball-Saison in Thüringen

Erfurt.  Eine Initiative hat eine Online-Petition nach dem Verbandsbeschluss gestartet und drängt für den Nachwuchsbereich auf einen Saisonabbruch statt einer Fortführung.

Die Nachwuchs-Spielklassen im Thüringer Fußballverband, hier ein D-Junioren in Schleiz, wird fortgesetzt.

Die Nachwuchs-Spielklassen im Thüringer Fußballverband, hier ein D-Junioren in Schleiz, wird fortgesetzt.

Foto: Alexander Hebenstreit

Gegen den Beschluss des Thüringer Fußball-Verbandes (TFV), im Nachwuchsbereich wie in dem der Erwachsenen die Saison auf das Ergebnis der Meinungsumfrage hin fortzuführen, regt sich heftiger Widerstand. Eine Initiative hat eine Online-Petition gestartet und stößt auf breite Zustimmung. Bis Donnerstagnachmittag fanden sich fast 1700 Unterstützer, die für den Jugendbereich keine Fortsetzung im September wollen, sondern einen Neubeginn. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Eine Woche läuft die Petition zunächst. Ziel ist, viele Stimmen zu sammeln, für ein Umlenken beim Thüringer Fußball-Verband für den Jugendbereich zu erwirken und im Herbst mit einer neuen Saison beginnen zu können. Entwicklungstechnisch sei eine Fortführung der Saison „ein Riesenproblem für den Nachwuchs“, sagt Andreas Ludwig.

Aus Unmut über die Gleichsetzung mit dem Erwachsenenbereich hat der Vorsitzende der TSG Stotternheim mit anderen Vereinen am Dienstag gleich nach Bekanntwerden des Beschlusses die Unterschriftensammlung ins Leben gerufen. „Alle haben gesagt, wir müssen etwas dagegen machen“, sagt der Stotternheimer.

„Sieben Kreisfachverbände wollten Jugend-Spielrecht nicht von dem der Erwachsenen trennen“

Wolfhardt Tomaschewski sieht im Moment keine Veranlassung dazu. „Sieben Kreisfachverbände haben ganz klar gesagt, das Jugend-Spielrecht nicht von dem der Erwachsenen trennen zu wollen“, erklärt der TFV-Präsident. „Ich wüsste nicht, was wir korrigieren sollten?“

Tomaschewski stützt sich auf die Meinungsumfrage unter den Mitgliedsvereinen und Kreisverbänden. Im Gegensatz zu Sachsen etwa, wo der Verband über die Vereine hinweg auf Saisonende entschieden habe, folgten der TFV dem bayrischen Verband. Der bezog ebenfalls die Mitglieder ein und entschied genauso auf Fortführung. In Thüringen hatte zuvor dafür mit 58 Prozent die Mehrheit der Vereine gestimmt, 245 der insgesamt 585 gültigen Stimmen fielen dagegen aus.

Das Ergebnis der Umfrage erkennt Andreas Ludwig an. Es hätten seiner Ansicht nach indes auch viele Vereine mit abgestimmt, die keine Nachwuchsmannschaften haben. Ins Gewicht sei in dem Webinar auch die „gute Vorbereitung der Argumentation“ des TFV gefallen. Vor allem aber sei der Nachwuchs dabei bis auf zwei Erwähnungen „nicht bedacht worden“, merkte der Stotternheimer Klubchef an. Dass sich mehr als 500 Leute zudem auf der Internetseite der Petition mit Kommentaren schließen, stützt ihn in seinem Standpunkt.

Chef der TSG Stotternheim: „Ein verlorenes Jahr“

Das Hauptargument der Fortführungsgegner ist „ein verlorenes Jahr“ mit einhergehenden Problemen: Während Wettbewerbsanreize bei nur wenigen Spielen infolge einer Fortführung auf der Strecken blieben, verschöbe sich die Altersstruktur, was die Entwicklung verzögere. Geplante Spielgemeinschaften kämen nicht zustande, die Umstellung von Klein- auf Großfeld würde erschwert und überhaupt auch das Bei-Laune-Halten der jungen Fußballer.

Wettbewerbsverzerrung, Mitgliederschwund, Abwerbegefahr und Probleme durch eine Insellösung innerhalb des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes stellen weitere Gefahrenpunkte für die Initiative dar. „Wir verlieren eine komplette Jahrgangsstufe“, erklärt Ludwig. Er steht dafür, dass die Saison „im Idealfall ausläuft und im September neu beginnt“. So, wie es der Deutsche Fußball-Bund und die Bundesliga auch handhabten.

Voraussetzung dafür ist zunächst, dass im September planmäßig gespielt werden kann. „Unser Hauptproblem ist: Wann geht’s weiter?“, meint Wolfhardt Tomaschewski.

Die Gegenargumente lässt der TFV-Präsident dennoch zu und räumt ein, dass der Nachwuchs nicht von allen Seiten beleuchtet worden sei. Jugend- und Spielausschuss aber hätten sich sehr wohl sehr viele Gedanken gemacht. Es sei in dem Beschluss um eine Grundsatzentscheidung gegangen. „Mehr als die Vereine einzubeziehen können wir nicht“, sagt er und kündigt an, dass im Nachhinein natürlich noch viele Aspekte geklärt werden müssten.

Ungeachtet dessen sieht der TFV-Chef nichts in Stein gemeißelt: „Wenn wir etwas besser machen können, sollten wir das auch tun.“