Thüringer Wolf will Schweizer Biathlon-Talente verbessern

Oberhof  Auf seiner ersten Trainerstation will der Thüringer Alexander Wolf die Schweizer Biathlon-Talente verbessern.

Schweizer Trainer Alexander Wolf.

Schweizer Trainer Alexander Wolf.

Foto: Sascha Fromm

Ehe es ihn im Mai 2020 in die Schweizer Alpen verschlagen hat, verbrachte Alexander Wolf nahezu sein gesamtes Biathlon-Leben im Thüringer Wald. Erst als Sportler, später vier Jahre als Juniorentrainer. Kaum jemand kennt das weit verzweigte Streckennetz rund um die Rennsteig-Arena so gut wie der Steinbach-Hallenberger. Auch nach seinem Karriereende 2013 kündete auf den Oberhofer Zuschauerrängen noch immer ein Transparent von „Wolfs Revier“.

Hier ist er nun zurück; allerdings in neuem „Pelz“. Der 42-Jährige führt als Cheftrainer die Schweizer Männermannschaft an; soll deren Talente in die erweiterte Weltspitze führen. Ein Auftrag, der ihn im vergangenen Frühjahr sofort reizte: „Im Schweizer Team steckt eine Menge Potenzial. Das möchte ich gern herauskitzeln. Und auch in meiner persönlichen Entwicklung wollte ich den nächsten Schritt machen“, sagt er über sein Auslandsabenteuer. Er übernahm den Posten von seinem einstigen Trainingspartner Jörn Wollschläger, der mittlerweile mit seiner Frau Nami Kim ein koreanisches Restaurant am Erfurter Domplatz betreibt.

Erfolge wecksen Lust auf mehr

Dort war Wolf auch schon zu Gast; hat gut gegessen und sich lange mit seinem Vorgänger unterhalten – allerdings nicht über die einzelnen Athleten: „Ich wollte mir ein eigenes Bild machen, mich vorher nicht beeinflussen lassen.“ Und nach den ersten acht Monaten kann er nur Positives berichten: „Das sind alles dufte Charaktere; meine Trainerkollegen wie die Sportler. Es macht unheimlich Spaß mit ihnen.“ Die ersten kleinen Erfolge in diesem Winter wecken Lust auf mehr.

So scheint Benjamin Weger, auf dem Weg zurück zu alter Stärke zu sein. Nachdem der Routinier wegen vieler Enttäuschungen die vergangene Saison nach der WM abgebrochen hatte, rangiert er mittlerweile im Gesamtweltcup auf Platz 16; direkt hinter Erik Lesser und Arnd Peiffer. Vor allem in den Sprints wusste der 31-Jährige zu überzeugen; in Kontiolahti war er Vierter, vorigen Freitag in Oberhof Neunter. Auch im 10-km-Wettkampf am Mittwoch ist ihm einiges zuzutrauen.
„In ‚Benjis‘ Schatten sollen sich die Jungen entwickeln“, sagt sein Trainer und verweist auf einige vielversprechende Nachwuchskräfte. Von denen sollen sich in dieser Saison Sebastian Stalder (22) und Niklas Hartweg (20) im Weltcup erste Sporen verdienen: „Das wird schwer für sie, sich in dem Feld zu behaupten. Aber die Erfahrungen, die sie sammeln werden, sind unbezahlbar“, meint Wolf.

Teilnahme an drei Olympischen Spielen

Der Thüringer weiß, wovon er spricht. Mit 19 erhielt auch er einst die Chance, sich mit den Besten der Welt zu messen und konnte sich damals an Biathlon-Größen wie Frank Luck und Sven Fischer orientieren. Mit Beharrlichkeit schaffte es der 1,94-m-Mann zu drei Olympischen Spielen (2002, 2006, 2010), holte zweimal WM-Bronze (2008/Verfolgung, Staffel) sowie insgesamt acht Weltcup-Siege. Erfolge, von denen er glaubt, auch in seiner Trainerarbeit zu profitieren: „Wenn ich über Situationen rede, die ich selbst erlebt habe, bin ich zwangsläufig authentischer.“

Wolf will seinen Teil dazu beitragen, dass die Popularität des Biathlons in der Schweiz weiter steigt. Die Vergabe der Weltmeisterschaften 2025 nach Lenzerheide hat bei den Eidgenossen ein spürbares Echo ausgelöst. Für seine jungen Athleten seien die Titelkämpfe „eine historische Chance“, sagt der Cheftrainer. Und die größtmögliche Motivation zugleich.