Wolfgang Schmöller wird für sein Lebenswerk geehrt

Jena.  Der Leichtathletik Club Jena würdigt Wolfgang Schmöller mit der Ehrenmitgliedschaft.

Die Ehrenmitgliedschaft für Wolfgang Schmöller (rechts) in Form einer Urkunde hat der Vereinspräsident Volker Thiel vom LC Jena übergeben.

Die Ehrenmitgliedschaft für Wolfgang Schmöller (rechts) in Form einer Urkunde hat der Vereinspräsident Volker Thiel vom LC Jena übergeben.

Foto: Jens Henning

Er ist eines der bekanntesten Gesichter der Jenaer Leichtathletik. Die Rede ist von Wolfgang Schmöller. Jetzt ist der 82-Jährige für sein Lebenswerk zum Ehrenmitglied des Leichtathletik Clubs (LC) Jena ernannt worden. Die Auszeichnung hat vor ihm nur Heike Drechsler erhalten.

Überbringer des Dokumentes war der neu gewählte LC-Präsident Volker Thiel. Er entschuldigte sich, dass die Ehrung so lange warten musste. „Normalerweise wollten wir dich Wolfgang schon vor einem halben Jahr ehren. Dann kam Corona dazwischen, dann die Wahl des neuen Vorstandes. Es tut mir leid, auch wenn ich gar nichts dafür kann“, sagte Thiel.

In den vergangenen Jahren erwarb sich Wolfgang Schmöller als Wettkampfleiter des Sparkassenmeetings Ende Mai, Anfang Juni deutschlandweit einen Namen. Doch Schmöller war viel mehr gewesen. Mit 18 Jahren kam er nach Jena. Von 1956 bis 1964 war er aktiver Leistungssportler. Dann legte er eine dreijährige Pause ein. In den 1970er Jahren baute Schmöller die BSG Motor Carl Zeiss Jena mit auf. Er gehörte am 3. Dezember 1990 zu den Gründungsmitgliedern des TuS Jena und war in den 90er Jahren Abteilungsleiter. Er erlebte die international hochkarätig besetzten Zeiss-Meetings aus der ersten Reihe.

Premiere des Zeiss-Meetings im Juni 1990

Dass Jena überhaupt in den Genuss dieser Veranstaltungen kam, lag an Berlin. Dort sollte es keine zwei großen Meetings geben mit dem Istaff und dem Olympischen Tag. Der Olympische Tag, von 1963 bis 1989 im Jahn-Sportpark, wanderte nach Jena und erhielt den Namen „Zeiss-Meeting“. Die Premiere gab es im Juni 1990.

Einer der Glanzpunkte dieses Zeiss-Meetings war der Speerwurf-Weltrekord von Jan Zelezny am 25. Mai 1996 mit 98,48 Meter. Im Februar 2002 wurde das für Mai 2002 geplante 13. Zeiss-Meeting abgesagt. Es verschwand für immer von der Bildfläche.

Parallel zum Zeiss-Meeting wurde ein Jugendmeeting in Jena etabliert. Daraus entwickelte sich das Sparkassen-Jugend-Meeting. Die Felder waren so gut besetzt, dass auch viele Erwachsene nach Jena kamen, um schnell zu laufen, weit zu springen oder weit zu werfen.

Schmöller erlebte nicht nur diese schönen Seiten der Jenaer Leichtathletik mit. Er war auch Augenzeuge des Jahrhundert-Hochwassers im Juni 2013. „Da mussten wir stundenlang mit Sportlern und Trainern telefonieren. Alles war damals vorbereitet gewesen. Und dann kam das Hochwasser. An Sport war damals nicht mehr zu denken“, sagte Schmöller.

Stadionumbau ist „ein großer Fehler“

Dass sich die Stadt Jena jetzt vom Ernst-Abbe-Stadion mit der Laufbahn und den anderen Wettkampfstätten verabschiedet und das Stadion in ein reines Fußball-Stadion umbauen will, bezeichnete Schmöller „als den größten Fehler für den Sport in Jena. Das wird man in fünf, sechs Jahren bereuen.“

Wolfgang Schmöller war aber nicht nur Organisator von Leichtathletik-Veranstaltungen. Er war bis zuletzt auch Wanderleiter. Er hatte für 2020 auch die Wanderrouten fein säuberlich ausgesucht.

Wandern kann er jetzt nicht mehr. Der Körper will nicht mehr so, wie er gern möchte. Geistig ist er noch auf der Höhe. Das Laufen und das Sprechen fällt ihm sehr schwer.

Für den 9. September ist im Ernst-Abbe-Stadion ein „Mini-Sparkassenmeeting“ geplant. Es wird für alle Teilnehmer die Abschiedsveranstaltung. Wolfgang Schmöller will, wenn es seine Gesundheit zulässt, auch vorbeikommen.