Diese Thüringer Bahnstrecken warten auf ihre Reaktivierung

Erfurt.  Seit der Wende wurden viele Bahnstrecken in Thüringen stillgelegt – nun könnten einige von ihnen reaktiviert werden.

Die Ende des 19. Jahrhunderts erbauite Ziemestalbrücke gehört zur derzeit noch stilllgegelegten Thüringer Oberlandbahn zwischen Ziegenrück und Lückenmühle in Ostthüringen. Ein Verein kümmert sich um den Erhalt der Strecke und bietet dafür unter anderem in den Sommermonaten Draisinefahrten an.

Die Ende des 19. Jahrhunderts erbauite Ziemestalbrücke gehört zur derzeit noch stilllgegelegten Thüringer Oberlandbahn zwischen Ziegenrück und Lückenmühle in Ostthüringen. Ein Verein kümmert sich um den Erhalt der Strecke und bietet dafür unter anderem in den Sommermonaten Draisinefahrten an.

Foto: Hanno Müller

Die Geschichte der Eisenbahnstrecken in Thüringen nach der Wende kennt Höhen und Tiefen. Zu Ersteren gehören Neu- und Ausbauten im Rahmen der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit (VDE), zu nennen sind hier die ICE-Verbindungen Erfurt-Nürnberg und Erfurt-Leipzig (VDE 8) oder die Ertüchtigung der Ost-West-Verbindung zwischen Erfurt und Bebra (VDE 7). Demgegenüber stehen Streckenschließungen, sogenannte Abbestellungen, die sich laut dem Verband Allianz pro Schiene (APS) auf fast 600 Kilometer summieren.

Wieder hoffen dürfen inzwischen nicht nur Anrainer, sondern auch die Vereine, die sich vor Ort um die Erhaltung der Gleise kümmern. Die Bundesregierung will die Fahrgastzahlen bis 2030 verdoppeln (zu 2018) und im Güterverkehr mindestens 25 Prozent auf die Schiene bringen. Reaktivierung und Elektrifizierung von Schienenstrecken sind seit Anfang 2020 eigenständige Förderziele. Zuständig für die Umsetzung sind die Länder.

Auch dort steigt der Kurs der Bahn, etwa in Thüringen, wo Landeschef Bodo Ramelow (Die Linke) gern als Befürworter der Wiederinbetriebnahme von Strecken auftritt. Bislang blieb es bei schönen Worten.

Zehn Strecken in Deutschland vorgestellt, die sich besonders für eine Reaktivierung eignen

Anfang des Jahres stellten Allianz pro Schiene und der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zehn Strecken in Deutschland vor, die sich besonders für eine Reaktivierung eignen. Thüringen ist bei diesen Top 10 mit dem kurzen, aber wichtigen innerdeutschen Verbindungsstück zwischen Blankenstein und Marxgrün (Bayern) auf der Höllentalbahn, dem südlichen Teil der Oberlandbahn, vertreten. „Würde die Lücke geschlossen, wäre endlich eine Folge der deutsch-deutschen Teilung beseitigt“, sagt APS-Geschäftsführer Dirk Flege.

Dass die Chancen nicht schlecht stehen, zeigte sich kürzlich beim Besuch von Infrastruktur-Staatssekretärin Susanna Karawanskij (Linke) beim Papier- und Zellstoff-Hersteller Rosenthal in Blankenstein. Dort wartet man auf die Rückkehr der Bahn. Laut Karawanskij steht das Umweltverträglichkeitsgutachten kurz vor dem Abschluss. Folgen soll das Planfeststellungsverfahren, um die Genehmigungsfähigkeit der Reaktivierung zu prüfen. Einen eigenen Bahnanschluss haben die Rosenthaler bereits. Aber nicht nur das: Laut APS wurde die Strecke Blankenstein – Marxgrün als Reaktivierungsprojekt inzwischen auch für den Personenverkehr in den Zielfahrplan 2030 aufgenommen.

Oberlandbahn, Pfefferminzbahn und Rennsteigbahn hätten Potenzial

Potenzial für eine Reaktivierung sehen ADS und VDV in Thüringen bei derzeit elf stilllegten Bahnstrecken mit einer Gesamtlänge von etwa 250 Kilometern. Dabei sind die Oberlandbahn, die Pfefferminzbahn oder die Rennsteigbahn. Als gute Gründe für eine Wiederinbetriebnahme werden der geringere Aufwand gegenüber Neubauten, die steigende Nachfrage nach Bahnverbindungen, eine bessere Verkehrsanbindung ländlicher Regionen auch über Landesgrenzen hinweg sowie flächendeckender Güterverkehr genannt.

Bei der Strecke Gotha -Gräfenroda hat man zudem den Fernverkehr im Blick. Rund um den Rennsteig steht nicht zuletzt die touristische Erschließung im Fokus. Dass die Bahnstrecken vielen Anwohnern eine Herzensangelegenheit sind, zeigte am Wochenende eine Kundgebung des Förderverein Max-und-Moritz-Bahn mit gut 100 Teilnehmern, die sich für die Reaktivierung der 1997 stillgelegten Bahnstrecke Probstzella - Ernstthal aussprachen.

K+S bekommt wieder eine Gleisanbindung in Richtung Bad Salzungen

Tatsächlich rollen soll der Güterverkehr schon ab Oktober auf den Schienen zwischen Unterbreizbach und Vacha. Genutzt werden sie dann vom Düngemittelhersteller K+S. Pläne dafür gibt es seit 2008, mittlerweile wurde die Lücke zwischen den K+S-eignen Gleisen des Bahnhofs Unterbreizbach und der Regiobahnstrecke nach Vacha geschlossen. Der Betrieb bekommt so wieder eine Gleisanbindung in Richtung Bad Salzungen. Vorerst ist ein Zugpaar pro Tag vorgesehen.

Auf dem sechs Kilometer langen Teilstück zwischen Triptis und Auma (Oberlandbahn), wo bereits Holzzüge verkehren, soll bald der reguläre Personenverkehr starten.

Beim Verband APS ist man zuversichtlich. „Mit der Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken können wir auch in Thüringen den jahrzehntelangen Rückzug der Schiene aus der Fläche stoppen und umdrehen“, hofft Geschäftsführer Flege.

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