Thüringer Bauern drängen auf entscheidende Änderung bei Landvergabe

Erfurt.  Die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (ABL) macht in Thüringen ernst - und fordert jetzt mit Nachdruck, dass die Landvergabe nach einem Punktesystem erfolgen soll.

Michael Grolm von der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (ABL) wird am Donnerstag vor dem Erfurter Rathaus die Vorschläge für die künftige Pachtvergabe nach einem Punktesystem an Erfurts OB Andreas Bausewein übergeben.

Michael Grolm von der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (ABL) wird am Donnerstag vor dem Erfurter Rathaus die Vorschläge für die künftige Pachtvergabe nach einem Punktesystem an Erfurts OB Andreas Bausewein übergeben.

Foto: Alexander Volkmann (Archivfoto)

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Nicht der mit dem höchsten Pachtangebot bekommt das Land, sondern jener, der im Rahmen eines ausgeklügelten Systems die meisten Punkte erzielt. Diese Vorstellung verfolgt die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (ABL) in Thüringen seit Monaten.

Jetzt wird es konkret: Dem Erfurter Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) wird am Donnerstag ein Papier übergeben, das „Vorschläge der ABL für die Kriterien der Pächterauswahl der Stadt Erfurt“ enthält. In dem Konzept, das dieser Zeitung vorliegt, geht es nicht in erster Linie um das für die Verpachtung gezahlte Geld.

Regionale Anbindung zählt

Klar: Ein Mindestpachtzins ist auch hier enthalten, der erfüllt werden muss. Verschiedene weitere Kriterien, für die es je nach Grad der Erfüllung Punkte gibt, spielen aber am Schluss die entscheidende Rolle über die Landvergabe, wenn es nach der ABL geht. Beispielsweise die regionale Anbindung des künftigen Pächters: Wohnt er in der Gemarkung, in der er auch das Land pachten will, oder hat er seinen Betriebssitz dort, erhält er die volle Punktzahl. Wohnt er nicht einmal in dem Landkreis oder hat seinen Betrieb dort, dann geht er leer aus. Eine Einschränkung gibt es für ortsfremde Neugründer. Die sollen „bei Vorlage eines schlüssigen Konzeptes“ die volle Punktzahl erhalten.

Weitere Kriterien in dem Punktesystem sind der Umgang mit Gentechnik, die Stallgröße, die Schaffung von Arbeitsplätzen, eine ökologische Bewirtschaftung, soziale Aspekte - hier zum Beispiel die Betreuung von Menschen mit Behinderung -, die durchschnittliche Schlaggröße und der Flächenentzug.

Mit dem für die Stadt Erfurt entwickelten Punktesystem, das auf andere Kommunen in Thüringen angewendet werden kann, geht die ABL den nächsten Schritt. „Wir sehen die öffentlichen Grundbesitzer in der Verantwortung“, bekräftigt Michael Grolm von der ABL.

Im Landtagswahlkampf hatte sie bereits eingefordert, dass das Land Thüringen seine Flächen nur noch nach einem Punktesystem vergeben soll und war bei Linken und Grünen auf positive Resonanz gestoßen. Spannend: Beide potenziellen Koalitionspartner einer möglichen Minderheitsregierung streiten derzeit darüber, wer künftig die Verantwortung für das Landwirtschaftsressort in Thüringen trägt.

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