Berlin. Die Kraftstoffpreise haben in den vergangenen Jahren immer weiter angezogen und ein Ende der hohen Preise ist vorerst nicht in Sicht.

Wer auf sein Auto angewiesen ist, der kann einem derzeit beinahe leidtun – zumindest wer Diesel oder Benziner fährt. Denn während sich die Energiepreise nach dem sprunghaften Anstieg 2022 weitestgehend normalisiert haben, sind Kraftstoffe auch heute noch sehr teuer.

Wer Benzin tankt, zahlte laut ADAC Ende August (29.8.) im Schnitt rund 188 Cent pro Liter, Dieselfahrer kamen immerhin auf etwa 179 Cent. Zum Vergleich: Im bisherigen Rekordjahr 2022, unter anderem wegen des Kriegs in der Ukraine, zahlten Autofahrer im Schnitt 186 Cent für einen Liter Super E10 und 194,6 Cent pro Liter Diesel.

Benzin und Diesel: Warum sind die Kraftstoffpreise derzeit so hoch?

Wer verstehen will, warum die Preise an der Tankstelle so hoch sind, muss sich zunächst ansehen, wie die Kraftstoffpreise entstehen. Da ist zunächst der Rohstoff: Rohöl. Dessen Preis liegt derzeit bei etwa 85 Dollar pro Barrel. Das ist zwar deutlich günstiger im Vergleich zu Spitzenzeiten zu Beginn des Ukraine-Kriegs, doch deutlich teurer als in den Jahren zuvor. Als starker Preistreiber gilt derzeit eine Förderkürzung der wichtigen Ölstaaten Saudi-Arabien und Russland.

Beim ADAC meint man jedoch: "Die spürbaren Aufschläge lassen sich mit Blick auf die letzten Tage nur bedingt mit dem leicht gestiegenen Ölpreis (Brent) rechtfertigen". Hinzu kommt: "Der Euro notiert im Vergleich zum US-Dollar geringfügig fester, was den Preisanstieg an den Zapfsäulen dämpfen sollte", so heißt es dort auf Anfrage unserer Redaktion. Allerdings habe sich das Ferienende in einigen Bundesländern an der Tankstelle bemerkbar gemacht und die Preise nach oben getrieben.

Tanken weiter teuer: Steuern und Abgaben bleiben hoch

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind Steuern und die CO2-Abgabe. Auf jeden Liter Kraftstoff fallen Energiesteuer, Mehrwertsteuer und eine CO2-Abgabe an. Letztere sollte bereits 2023 steigen. Das hatte die Ampel-Regierung verschoben. Aber 2024 wird es soweit sein, dann steigt die Abgabe von 30 auf 40 Euro pro Tonne CO2 und mit ihr steigen vermutlich die Kraftstoffpreise – wenn auch nur um wenige Cent.

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Doch der wohl entscheidendste Grund für die derzeitigen Preise sind die gestiegenen Gewinnmargen der Ölkonzerne und Raffinerien. Das heißt, die Unternehmen verlangen einfach mehr und steigern so ihre Gewinne. Normalerweise würde man davon ausgehen, dass Wettbewerb unter den Unternehmen diese Margen schrumpfen lässt. Das lässt sich jedoch auch eineinhalb Jahre nach Kriegsbeginn nicht beobachten. Das Bundeskartellamt hat sich deshalb bereits eingeschaltet und eine Untersuchung angekündigt.

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Tankpreise: ADAC mahnt Autofahrer, Preise zu vergleichen

Beim ADAC heißt es auf Anfrage: "Das Amt stellte fest, dass die aktuellen Preissteigerungen schon auf Ebene der Raffinerien und des Imports stattfinden – diese Einschätzung teilt der ADAC. Wenngleich nicht überall an die Rekordgewinne vom Vorjahr angeknüpft werden kann, so lassen auch die aktuellen Meldungen zahlreicher Mineralölkonzernen darauf schließen, dass weiterhin gutes Geld verdient wird." Speziell bei Diesel sei die Preisentwicklung für die Behörde erneut Anlass, genauer hinzuschauen. Entsprechend drängt der ADAC darauf, die laufende Untersuchung der Raffinerie- und Großhandelsebene für Kraftstoffe rasch abzuschließen.

Der Automobilclub ruft außerdem dazu auf, stets Preise zu vergleichen und gezielt relativ günstige Tankstellen anzufahren. Ob sich die Preissteigerungen in den nächsten Monaten fortzeichnen oder es wieder günstiger wird, lässt sich jedoch nicht abschließend beantworten. Aus Sicht des ADAC gäbe es durchaus Spielraum für Preissenkungen.